Kein Satireverständnis bei der FAZ?

Yilmaz„Nur ein Scherz“ betitelt FAZ.net den Streich von RTL über die angebliche Gründung eines türkischen Karnevalsvereins. Damit hatte RTL die Öffentlichkeit für seine Comedy-Sendung „TV-Helden“ genarrt. Tatsächlich wollte man, so ein Sprecher des Senders, lediglich sehen „wie Köln auf so eine Idee reagiert“.

Wenn einem der Humor fehlt, und das scheint bei der FAZ offensichtlich der Fall zu sein, tut man sich auch mit Scherzen schwer. Und so ist es eigentlich kein Wunder, dass die FAZ den Fall noch mit ein wenig politisch korrekter „Kampf-gegen-Rechts“-Beilage dramatisieren musste. Weil sich diesmal allerdings, wie in Passau, kein Lebkuchenmesser fand und auch eine Neonazi-Szene in der Domstadt nirgends zu finden ist, musste diesmal (wieder einmal) die Bürgerbewegung Pro Köln herhalten. Und das, obwohl Pro Köln mit dem getürkten Karnevalsverein aus dem Hause RTL so wenig gemein haben dürfte wie eine Burka-Trägerin mit einem Tanzoffizier der Kölner Prinzengarde.

Tatsächlich hatte die Bürgerbewegung Pro Köln die Gründung des türkischen Karnevalsvereins vor einigen Tagen lediglich mit einem satirischen Kommentar bedacht. Für die FAZ ein offenbar willkommener Anlass um allen Ernstes zu behaupten:

Die rechtsradikale Wählervereinigung Pro Köln hatte bereits vor einem „Alkoholverbot bis Ende Februar“ und einem „Burka-Gebot für Karnevalistinnen“ gewarnt.

Für jeden Leser des Kommentars von Pro Köln dürfte aber klar ersichtlich sein, dass darin die Rede von „Alkoholverbot und Burkagebot“ lediglich als ironische Überspitzung dient.

Vielleicht sind die Redakteure der FAZ ja nicht mehr ganz in der Lage zwischen Satire und Realität zu unterscheiden oder es ist schlicht ein Missverständnis – immerhin scheinen FAZ-Redakteure regelmäßig und aufmerksam die Beiträge von Pro Köln zu lesen. Andererseits erinnert eine solche Tatsachenverdrehung durchaus an die andauernde und in Teilen hetzerische Kampagne gegen die Bürgerbewegung Pro Köln von „Stadtanzeiger“ und „Kölnische Rundschau“ aus dem Hause des Kölner de-facto-Zeitungsmonopolisten und Eigentümers der Berliner Zeitung in spe – DU MONT. Diesem Groß-Verleger passt die unabhängige und quirlige Bürgerbewegung Pro Köln schon lange nicht in seinen mit Angst und Abhängigkeiten gepflegten miefigen Kölner Politikgarten.

Besteht also vielleicht ein Zusammenhang mit dem in Köln nicht vorhandenen Vertriebsnetz der FAZ? Jedenfalls kann es schon einmal vorkommen, dass statt der FAZ eine Ausgabe der Kölnischen Rundschau im Briefkasten des FAZ-Abonnenten liegt. Solche Abhängigkeiten unter den Verlagen könnten also durchaus auch redaktionelle Absprachen nach sich ziehen.

Im Kommentarbereich der FAZ wurden übrigens alle kritischen Kommentare zu diesem Beitrag, die sich auf Pro Köln bezogen, gar nicht erst berücksichtigt.

(Gastbeitrag von Thorsten U.)