‚Warum tut denn niemand etwas?!?‘ – Eine Replik

EinwanderungDie Ereignisse der letzten 50 Jahre haben unzweifelhaft einen Einschlag in unsere Bevölkerungsstruktur gebracht, der mit dem Wort Einwanderung nur unzureichend beschrieben ist. Tatsächlich und unbestreitbar geschah erstmalig in der modernen Geschichte in kürzester Zeit ein außergewöhnlich großer Eintrag kulturfremder Menschen in eine Jahrhunderte alte und auch aus europäischer Sicht recht homogene Hochzivilisatzion.

Zudem gibt und gab es die ungewöhnliche und zugegebenermaßen auch nicht vorhersehbare Entwicklung einer Einwanderung ohne jegliche Sympathie und Zugeneigtheit zu den jeweiligen Einwanderungsländern. Die Einwanderer betrachteten durch ihre kulturelle Brille die Zielländer mit einer Mischung aus Neid und Verachtung. Man ging dorthin mit dem Wissen, dass dort die Verderbtheit wohne, kleine fiese Teufel, die den Rechtgläubigen vom rechten Weg abzubringen trachten, deren Vergnügungen und Errungenschaften letztlich Wege zur Hölle sind – aber dennoch, es würde einem dort besser gehen.

Daher wappnete man sich für den Gang in das Land der Ungläubigen: Möglichst wenig Kontakt dort zur Bevölkerung und Vernetzung zu anderen der eigenen Art, um im Land der Verlockungen nicht vom rechten Weg abzukommen. Man beäugte misstrauisch die Einheimischen, argwöhnte und argwöhnt böses, denn man weiß ja, alles was dort funkelt und glitzert dient dem Satan. Und sagt es nicht auch der Imam dort? Fernsehen, zur Schau gestellter Sex, freizügig gekleidete Frauen, die nur nach dem nächsten Geschlechtsakt zu gieren scheinen, oberflächliche Genüsse wie Musik und Entertainment und Drogen, Männer die keine Familienoberhäupter sind und nicht ihrer Aufgabe, eine Familie auch im Kampf zu schützen, gewachsen sind. Männer ohne Ehre, die es dulden, dass ihre Töchter wie Huren herumlaufen… – wahrlich, wahrlich – wie der Prophet es sagte, wie der Imam es sagt, diese Ungläubigen haben von Allah nichts Gutes zu erwarten. Schande über sie…

Im Konsens mit vielen, denen Verschwörungstheorien suspekt sind, gehe auch ich davon aus, dass weitgehend niemand der Ankömmlinge mit einer Eroberungsphantasie fremde Gestade betrat. Es ging um Teilhabe am guten Leben bei weitgehender Separierung.

Genausowenig ging und gehe ich davon aus, dass ein Masterplan zur Islamisierung hinter der Einwanderung steht. Nach meinem Dafürhalten sind lediglich die Summe pekuniärer Interessen Millionen Einzelner – zusammen mit pragmatischen Nützlichkeitserwägungen beteiligter Staaten – und eventuell (allerdings verstärkt in Deutschland) die Abneigung einiger neuer Eliten gegen das eigene Volk in Zusammenhang mit der Vorstellung von der Verantwortlichkeit nationalstaatlichen Denkens für alle negativen historischen Erfahrungen (Krieg, Rassismus etc.) für das Geschehen ursächlich.

Wie die meisten statistischen Prozesse, ergeben die einzelnen Zwischenstadien als Snapshot immer die Illusion, dahinter müsse sich doch etwas verbergen: eine Idee, ein Plan, eine Verschwörung… jedoch kann ich als naturwissenschaftlich nicht unbeleckter eine Vielzahl solcher statistischer Entwicklungen vorbringen – ein Beispiel: Die Millionen Jahre währende Zusammenballung immer neuer Staubteilchen und Wasserstoffatome in einem Gravitationszentrum – steckte dahinter nicht schon der Plan der Zerstörung? Die Hintermänner dieses Geschehen wollten doch von Anfang an, dass das ganze explodiert! Hat man etwa nicht vorausgesehen, dass man damit irgendwann eine Kernfusion zündet und mit einer Temperatur hunderttausender, wenn nicht Millionen Grad verbunden mit einer irren Gravitation jedes der Teilchen für Milliarden von Jahren in ein kosmisches Höllengefängis schickt? Gab es nicht immer Stimmen im Sinne von „Was jetzt schon seit Millionen von Jahren gut funktioniert, kann doch nicht auf einmal falsch sein…“ Dahinter steckte doch etwas…

Nein, wie fast immer ist die Wahrheit höchstwahrscheinlich höchst banal. Aber schlussendlich wäre auch die Existenz eines Masterplanes irrelevant. Die Situation wäre die gleiche und auch den Masterplanern wäre die Entwicklung mittlerweile wohl ungeheuer.

Ich komme auf die oben erwähnte Brille der Einwanderer zurück: Nach Anwachsen der Einwanderergemeinden – offensichtlich über eine kritische Grenze – geschah etwas (nun aber durchaus vorhersehbares). Eine auch heute noch relativ kleine Gruppe Orthodoxer begann aus dem entsprechend orthodoxem Verständnis heraus eine „historische Mission“ für die Einwanderer extrahieren – legitim aus ihrer Sicht – wie wir hier bei PI als Koranexperten längst wissen. Und gerade weil dies aus moslemischer Sicht legitim ist, findet die Position zumindest klammheimlich viele Befürworter. Befeuert und befruchtet wird diese Entwicklung durch die weltweit zu beobachtenden Erweckungsbewegungen muslimischer Provenienz.
Wenn Strelnikov meint, dass nun kein Politiker mehr etwas offen an der Situation kritisieren kann – weil er ja sonst nach Wegen aus dem Problem befragt würde, hat er auf jeden Fall recht. Jedoch ist das nicht die gesamte Wahrheit. Wir sollten nämlich genau sein: Die Beschwichtigungsversuche und Anbiederungen, die Thesen vom Euroislam, die Islamkonferenzen usw. sind auch wirklich ehrliche Versuche, aus dieser Situation herauszukommen. Dass diese hier auf PI meist nur negativ gesehen werden, liegt an unserer durchaus auf unserer Koranexpertise begründeten Meinung, dass alles was in diese Kategorien fällt, Vorleistung an den Islam ist, um unseren zukünftigen Fall in den Dhimmi-Status zu beschleunigen.

Allerdings negiert unsere Position damit eben umgekehrt die offensichtliche Tatsache, dass eben viele der Moslems erstens den Koran so wenig kennen, wie viele Christen die Bibel und damit beeinflussbar sind (von ihrem Imam genauso wie – zumindest theoretisch – von uns) und zweitens, dass eine weitere nicht irrelevante Gruppe unter den Moslems tatsächlich ein Mischleben zwischen den Kulturen exerziert. Viele scheren sich nicht darum, dass Bier haram ist, essen aber kein Schweinefleisch, viele vögeln im Bordell auch marrokanische Prostituierte, ohne die Forderung zu erheben, diese zu steinigen. Viele trinken keinen Alkohol, essen kein Schweinefleisch und halten den Ramadan ein, schicken aber ihre Töchter unverschleiert zur Schule und haben nicht mal ein Problem mit einem deutschen Freund (fordern aber für eine Heirat dennoch einen Moslem ein).

Bei der Diskussion um den Islam fehlt uns aus meiner Sicht – neben der Wahrnehmung gefährlicher Entwicklungen und neben der notwendigen Expertise zur Politreligion Islam – manchmal der notwendige Blick auf die ebenso wahren, evtl. für unsere Zwecke hilfreichen Entwicklungen auch dort.

Geht man prinzipiell von der Unreformierbarkeit der theologischen Auslegungen im Koran aus, so hat man natürlich vordergründig erstmal recht, was aber dennoch nicht heißt, dass eine Reform nicht möglich ist. Recht hätte man genau genommen nur mit der präziseren Aussage, dass ein Reformislam immer von Orthodoxen mit begründbarem Textbezug auf Koran und Hadithen als Häresie gebrandmarkt werden könnte und würde. Und je nach Lage und Stärke einer solchen Gruppe würden sie sich mal stärker und mal weniger stark damit auch Gehör finden.

Sieht man sich die Geschichte an, so zeigt sich beispielsweise, dass die islamischen Gesellschaften im Zuge der Entkolonialisierungen einem starken Wind zur Säkularisierung ausgesetzt waren. Es gründeten sich überall kommunistische oder wenigstens marxistisch beeinflusste Parteien und Gruppen, deren Zulauf sehr groß war. Die Befreiungsbewegungen, ob sie nun das Muster echter marxistischer Bewegungen hatten wie in Algerien und im Nord-Jemen, oder eher wie die Baath-Parteien in Syrien und im Irak aber auch terroristische Bewegungen wie die PLO Arafats – allen war eins gemeinsam: die Ablehnung der Religion.

Noch mal zur Verstärkung: aus muslimisch geprägten Gesellschaften, klar nicht direkt aus deren Mitte aber aus deren Eliten, entstanden säkulare Strömungen (die uns zwar auch nicht wirklich gefallen) mit klar antireligiösen Zielsetzungen. Diese Strömungen wurden real stark in diesen Gesellschaften und brachten einen realen Abfall vom Glauben mit sich. Bedingung hierfür war die damals insgesamt eher positiv betrachtete Strahlkraft westlicher Lebensweise im materiellen Sinne und eine im damaligen Mainstream eher schwach zu nennende islamische Orthodoxie.

Ähnliche Strahlkraft entfaltete nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reiches die zwar durchaus totalitäre-nationalistische und massiv antireligöse Erneuerungsbewegung um Mustafa Kemal. Daraus lässt sich folgendes erkennen: muslimische Massen verhalten sich zunächst einmal analog anderer Massen auch – allerdings gehemmt und verzögert durch die im Vergleich zu anderen Ideologien sehr große Bindungswirkung und der sozialen Kontrolle der Religion Islam. Antireligiöse Kräfte können – zumindest prinzipiell – auch dort erstarken und (allerdings mit Druck auf die Orthodoxen) auch dauerhafte oder zumindest recht lang andauernde Herrschaften errichten.

Allerdings lässt sich auch erkennen, dass bei nachlassendem Druck und/oder fehlendem (auch materiell-ökonomischem) Erfolg solcher areligiösen säkularen Herrschaften, die Orthodoxie schnellstens wieder ihr Haupt erhebt und ihre Chance ergreift.

Dies ist im Kern der Hintergrund von Überlegungen zum Euroislam, dem Versuch der Einbindung und der Dialogkultur mit den Islam-Verbänden. Ich mache einem Innenminister Schäuble mit seinen Beschwichtigungsversuchen nicht den Vorwurf, er wolle Deutschland, Europa, das Abendland an den Islam verkaufen. Ich glaube ihm sogar, dass er sich davon eine Stärkung von (zumindest derzeit kaum erkennbaren) Reformbestrebungen im Islam erhofft. Ich mache ihm aber den Vorwurf, nicht durchdacht Schritte zu gehen, die in der aktuellen Situation das Gegenteil dessen bewirken, was er sich (als von mir unterstellt) davon erhofft.

Dennoch wage ich einmal ein optimistischeres Zukunftszenario – ohne Bürgerkrieg und Menschenrechtsverletzungen und ohne den damit verbundenen faschistischen Staat: Wenn ich davon spreche, dass ich die auch von konservativen Gruppen teilweise befürwortete Politik der Toleranz und des Entgegenkommens in der gegenwärtigen Situation als kontraproduktiv empfinde, dann impliziere ich damit auch die These, dass dies in einer anderen Situation evtl. auch hilfreich sein könnte. Dies ist auch so gemeint.

Wie an den historischen Beispielen der Entkolonialisierungsbewegungen in arabischen Ländern abzulesen, muss dazu zunächst ein Druck gegen den Islam aufgebaut werden. Nehmen wir hierzu an, der antiislamischen Bewegung gelänge es, den herrschenden Mainstream zu brechen und damit folgende Entwicklungen anzustoßen:

1. Abbau der herrschenden Sonderbehandlung muslimischer Migranten
1.1. juristisch: Strafmaße und Vollzug inkl. legalem Abschub (hierzu wären noch nicht mal Gesetze notwendig – nur eine Änderung des Verhaltens der Judikative)
1.2. sozial: weitere Erschwerung der Heiratsmigration / Nichtanerkennung der Vielehe
2. Änderung des Mainstreams in der veröffentlichten Meinung
2.1. Nennung des muslimischen Hintergrundes von Straftaten
2.2. Berichterstattung über muslimische Hetzer
3. Änderung der Verfassung Artikel 4 im Bezug auf die Freiheit des religiösen Bekenntnisses. Einfügung einer Defintion der Art:
3.1. Religion im Sinne des Artikels 4 sind Weltanschauungen und Sinngebungssysteme zur spirituellen Entwicklung des Individuums.
3.2. religöse Vorstellungen zu Rechtssystemen, Gesellschaftsordnungen oder Menschenrechten sind nicht Teil des von Artikel 4 Absatz 2 geschützten Religionsbegriffes
4. Einführung eines Gebots zur Verwendung der deutschen Sprache bei der Vermittlung der Religion und ihrer Ausübung in den Religionsausübungsstätten (hier könnte eine Ausnahme für rein liturgische Zwecke eingebaut werden)
So und jetzt kommen wir zu Schäuble – aber wirklich erst jetzt:
5. Staatlicher Zwang zur Bildung einer Einheitsorganisation muslimischer Verbände als Ansprechpartner für den Staat. Wird dem nicht nachgekommen, gründet der Staat eine solche und macht alle Muslime automatisch zu deren Zwangsmitgliedern. In diesem Fall werden alle anderen Organisationen aufgelöst (hier wäre eine schiitische und eine sunnitische Unterorganisation denkbar).
6. Die Einheitsorganisation gibt sich unter staatlicher Aufsicht eine transparente Verfassung, die auf jeden Fall
6.1. die Treue zur Verfassung (GG) ohne jede Einschränkung mit besonderem Verweis auf den dann geänderten Artikel 4
6.2. die einfache Austrittsmöglichkeit für jeden Muslim via förmlicher Erklärung umfasst
7. Massiver Druck auf die evtl. dann existierenden (und nunmehr illegalen) Rest-Moscheegemeinden (Ermittlung, Beobachtung, Auflösung)

Die Punkte 5-7 bilden die Voraussetzung für einen dann vom Geist der Toleranz geprägten Dialog von Staat, Gesellschaft und Kirchen mit dem Islam in Form eines Dialoges mit dieser Organisation. Mit denen könnte dann sogar ein ernsthafter theologischer Dialog geführt werden – inklusive historisch kritischer Analyse…

Kein Problem aus meiner Sicht, dieser Organisation neue Moscheen zu genehmigen. Bleibt lediglich das Problem, diese Organisation so stark und so dauerhaft zu fesseln, dass der Druck erhalten bleibt. Nur dieser Druck ließe eine Gruppe von Muslimen erstarken, die den Koran analog dem neuen Testament historisch kritisch auslegt, also eben historische von religiösen Aussagen zu trennen versucht. Sicher würden dann die ausländischen Islam-Hardliner zetern. Sicher auch, dass eine große Zahl hiesiger Muslime Probleme damit hätte – nur unter Druck bleibt ihnen die Wahl zwischen Anpassung und Auswanderung.

Mein Szenario unterstellt, dass Muslime unter Druck meist sehr viel anpassungsfähiger (erscheinen) sind als ohne. Es unterstellt ebenso, dass dieser Druck die soziale Kontrolle der Orthodoxen unterminiert und eröffnet den Weg für die vielen Muslime ohne Bezug zum Radikalismus zu einem säkularem Leben.

Geht alles gut, so entsteht unter der muslimischen Bevölkerungsschicht wieder ein Mainstream, der den säkularen Lebensweg als zumindest legitim erscheinen läßt. Die Orthodoxen wagen nur im Verborgenem zu kritisieren, erhalten aber nicht mehr die Meinungsführerschaft. Es entsteht tatsächlich ein Euro-Islam.
Allerdings einer, der nur so lange für eine freie Gesellschaft sorgt, wie diese es schafft, den Druck im Kessel zu halten. Mit anderen Worten: dieser Druck muss für alle Zeiten erhalten bleiben.

(Gastbeitrag von hquer)