Aytac G.: „Es war falsch“

Der Gymnasiast Lukas W. wurde nur 16 Jahre alt. Dann wurde er im Februar 2007 von dem Kneipenwirt Aytac G., den er kannte und dem er vertraute wie einem älteren Bruder, mit 45 Tequila zu Tode gesoffen. Nicht nur gab der gewissenlose Kneipier dem Minderjährigen verbotenerweise harte Alkoholika aus und betrog den Jungen, indem er selbst nur Wasser trank. Er ließ den Bewusstlosen dann auch noch liegen und ging seelenruhig nach Hause. Jetzt begann in Berlin der Prozess.

Im Prozess um ein Tequila-Wetttrinken hat der angeklagte Berliner Kneipenwirt Aytac G. die Verantwortung für den Tod eines 16-jährigen Schülers übernommen. „Es war falsch ohne Wenn und Aber“, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung, die die Verteidigerin des 28- jährigen Wirtes zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht vorlas. Er habe nicht mit dem Tod des Jungen gerechnet und ihn auch nicht gewollt. Er bedaure und bereue das Wetttrinken. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Gastwirt Körperverletzung mit Todesfolge vor.

Der Mann soll Lukas W., Schüler einer neunten Klasse des Zehlendorfer Dreilinden Gymnasiums, bei dem Wetttrinken im Februar 2007 animiert haben, mindestens 45 Tequila zu trinken. Er selbst hatte sich jedoch vorwiegend Wasser eingeschenkt. Der Schüler fiel mit 4,4 Promille Blutalkohol ins Koma und starb sechs Wochen später an der Alkoholvergiftung. In weiteren 173 Fällen soll der Wirt Alkohol an Kinder und Jugendliche ausgeschenkt haben. Der Tod des Schülers hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Bei den Ermittlungen hatte Aytac G. noch von einem „tragischen Unglück“ gesprochen.
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Den Ermittlungen zufolge hatte der Wirt am 27. Februar 2007 nicht nur den seltsamen Zweikampf mit dem mehr als zehn Jahre jüngeren Gymnasiasten angenommen, sondern ihn auch noch getäuscht und so letztlich weiter ins Verderben getrieben: Während Lukas W. ein Glas Tequila nach dem anderen in sich hinein schüttete, trank Aytac G. zum überwiegenden Teil nur Wasser.
Unterstützt wurde der Wirt dabei von mehreren jungen Leuten. Einer füllte auf Geheiß des Gastronomen die Gläser, ein anderer führte eine Strichliste und informierte die im Saal versammelten Gäste über die Zwischenstände. Nach etwa 25 Runden soll Lukas W. versehentlich das falsche Glas gegriffen und erstaunt das Wasser zur Kenntnis genommen haben. Doch er blieb arglos und bestand sogar darauf, dass ihn der Wirt auf die Toilette begleitet – um dem Verdacht vorzubeugen, er könne sich dort heimlich übergeben.

Nachdem er knapp 50 Tequila getrunken hatte, sank Lukas W. bewusstlos zusammen und knallte mit dem Kopf auf den Tisch. Das war gegen 4.30 Uhr. Der Wirt soll frohlockt haben: „Ich habe gewonnen.“ Zeugen trugen Lukas W. auf eine Couch und brachten ihn in die stabile Seitenlage. Gegen fünf Uhr soll der Wirt das Lokal verlassen haben, ohne sich weiter um den reglos da liegenden Lukas W. zu kümmern. Kurz darauf schrieb einer der Jugendlichen mit einem Stift auf Lukas W.s Bauch „Du hast verloren!“ Nachdem der sich noch immer nicht regte, kontrollierte eine unruhig gewordene Hilfskellnerin seine Atemtätigkeit und seinen Puls. „Wir können ihn hier nicht liegen lassen“, soll sie gefleht haben, „sonst krepelt der uns noch ab.“
Als kurz darauf das Gesicht von Lukas W. blau anzulaufen begann, wurde schließlich der Rettungsdienst der Feuerwehr informiert. Dieser brachte den mittlerweile ins Koma gefallenen Jungen ins Weddinger Virchow-Klinikum. Er hatte eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 4,4 Promille. Am 29. März 2007, er war aus dem Koma nicht mehr erwacht, verstarb Lukas W. an den Folgen dieser schweren Alkoholvergiftung.

Der Wirt, dem der Tod von Lukas angeblich so leid tut, verkaufte auch danach munter weiter Alkoholika an Kinder und Jugendliche, extra billig, bis das Bezirksamt Charlottenburg seine Kneipe wegen dauernder Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz im April 2007 dicht machte.

Reue sieht anders aus!

(Spürnase: Juris P.)