Essen fürs Klima

Die Lebensmittelbranche hat sich etwas Neues einfallen lassen, um dem Mainstream-verblödeten Verbraucher das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das klimaneutrale Würstchen, damit Mensch beim Essen kein schlechtes Gewissen haben muss. Das hellblaue Logo „Stop Climate Change“ sagt uns, was wir wirklich genießen dürfen.

Angeblich jeder Dritte will die drohende Klimakatastrophe verhindern, natürlich ohne die Atmung einzustellen und aufs Auto zu verzichten. Aber da, wo es nicht weh tut, kann man ja ruhig für das reine Gewissen ein bißchen mehr ausgeben.

Zehn bis 15 Jahre: Viel mehr Zeit bleibt der Menschheit aus Sicht der Experten nicht, um den Anstieg der weltweiten Temperaturen unter zwei Grad zu halten. Und wenn man den Meinungsforschern glauben darf, sickert das auch allmählich in das Bewusstsein der Verbraucher ein. Laut Emnid ist mehr als jedem Dritten der positive Beitrag zum Klimaschutz besonders wichtig.

Gut möglich also, dass die Frage, wie klimafreundlich oder -feindlich Lebensmittel produziert werden, künftig beim Einkauf eine Rolle spielt. Das jedenfalls wünschen sich die Macher des Labels «Stop Climate Change« («Stoppt den Klimawandel«): Das hellblaue Logo darf jene Lebensmittel schmücken, die klimaneutral produziert werden. Um das zu gewährleisten, müssen die Unternehmen einen umfangreichen Zertifizierungsprozess durchlaufen, bei dem sämtliche Produktionsabläufe auf dem Prüfstand stehen. Dabei gehe es zunächst darum, Treibhausquellen in der Produktion zu entdecken, sagt Marco Lange, der die Zertifizierung betreut. «Erst dann werden die unvermeidlichen Emissionen durch den Erwerb von Emissionsrechten neutralisiert.«

Soll heißen: Die Unternehmen investieren in Klimaschutzprojekte, um ihre Umweltbilanz auszugleichen. Dass die Lebensmittelbranche einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten könne, betont Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost und Naturwaren. Elf Tonnen Treibhausgase pro Jahr produziere jeder Deutsche, 2,5 Tonnen wären langfristig verträglich. Die Ernährung habe immerhin einen Anteil von 16 Prozent an der Entstehung der klimaschädlichen Gase.

Vielleicht, so hoffen die Vorreiter in Sachen Klimaschutz, schmeckt also manchem die Wurst besser, wenn er sie guten Gewissens genießen darf. Ökoland brachte bereits im vergangenen Jahr die erste klimaneutrale Bratwurst auf den Markt und legt jetzt mit den kleineren «Delikatess-Bratwürstchen« nach. «Beim Klima geht es um die Wurst.« Diese Botschaft will Ökoland-Geschäftsführer Patrik Müller mit an den Mann oder die Frau bringen. Das Klima werde nicht nur auf großen Konferenzen, sondern vor allem durch viele kleine Schritte gerettet. «Jeder Einzelne ist gefragt.«

Und zur klima-neutralen Bratwurst gibt es klima-neutralen Apfelsaft. Wohl bekomms!

(Spürnase: Florian G.)