Merkels Kritik am Papst ist unangemessen

Merkel und Papst BenediktDie Bundeskanzlerin hat dem Papst die Meinung gesagt. Per Presseveröffentlichung polemisch und lautstark. Sie hat das Recht auf eine eigene Meinung, zugegeben. Sie hat das Recht, Kritik zu üben, zugegeben. Ob sich der Vatikan darum kümmern sollte, was Frau Merkel meint, die durch solche Aussagen vornehmlich versucht, ihre Position im Inland zu festigen, ist zu bezweifeln.

Einige Medienzitate:

Angela Merkel mischt sich in die Debatte um die Rehabilitation des Holocaust-Leugners Richard Williamson ein. Die Bundeskanzlerin forderte Papst Benedikt XVI. zu einer Klarstellung auf. Es müsse sehr eindeutig klar gestellt werden, dass es hier keine Leugnung geben kann, sagte Merkel. (Quelle: Welt)

Der Vatikan ist über die offene Kritik aus Deutschland am Papst verärgert. In Rom sei man „geradezu entsetzt“ über die Diskussion um Benedikt XVI. Bundestagspräsident Norbert Lammert nahm den Papst in Schutz. Manche Unterstellungen seien schon „beinahe bösartig“. (Quelle: Spiegel)

Die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Papst Benedikt XVI.hat für heftige Reaktionen gesorgt. Der Freiburger Theologieprofessor Hubert Windisch meinte, Merkel sei für deutsche Katholiken nun nicht mehr wählbar. Sie habe sich als „Anti-Papst-Kanzlerin“ erwiesen, so Windisch in einem Beitrag für das Internetmagazin „Kath.net“. (Quelle: Welt)

Es fällt immer wieder auf, dass sich speziell die nicht-katholische Welt bei Kritik am Papst nicht zurückhalten will. Hier bietet sich schließlich eine Gelegenheit, endlich mal ungefährdet und ohne brennende Fahnen oder Botschaften in Kauf nehmen zu müssen, Religionskritik üben zu können. Merkel muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie nicht genauso energisch auf zum Beispiel antisemitische Äußerungen des höchsten iranischen Religionsvertreters reagiert hat (PI berichtete). Oder warum sie da lieber doch ihren Mund hielt.

Unbestritten, im Management des Vatikans gibt es Mängel und die Wiederaufnahme des umstrittenen Bischofs und somit die Aufwertung der Piusbruderschaft ist ein fragwürdiger Vorgang. Ebenso wie viele andere der jüngsten Entscheidungen des Pontifex.

Dennoch ist dies zuallererst ein innerkatholischer Vorgang und sollte darum innerhalb der katholischen Kirche gelöst werden. Frau Merkels Beitrag – als Bundeskanzlerin – hätte ein diplomatischer Kontakt mit dem Vatikan oder mit dem Papst direkt sein können. Wir sind sicher, dass Benedikt XVI. den Anruf entgegengenommen hätte. Dort hätte sie ihre Ablehnung und Kritik zum Ausdruck bringen können. Aber dann hätte es ja die Presse nicht erfahren, oder?

Das Christentum gibt es seit 2000 Jahren. Seit 2000 Jahren macht man Fehler, lernt daraus und versucht, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Die protestantische Physikerin Frau Dr. Merkel hat ihren eigenen erfolgreichen Weg bereits in der DDR begonnen und bestimmt waren auch da einige – zum Teil noch unbekannte – Stolpersteine.

Der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, konnte leider ebenfalls nicht schweigen:

„Der Papst ist unglaubwürdig, ein Lügner und ein Heuchler, wenn er den Menschen einerseits verkaufen möchte, er stünde auf der Grundlage der Kooperation, des Zusammenlebens zwischen Juden und Christen, er kämpfe gegen jeden Antisemiten in der Welt und er kämpfe gegen jeden Holocaust-Leugner, aber mitten im Vatikan genau diese Leute mit offenen Armen aufnimmt“, sagte Friedman nach Mitteilung des Hessischen Rundfunks dem Boulevardmagazin „Maintower“.

Michel, wenn gerade Sie anderen vorwerfen, zu lügen und zu heucheln, hat dies immer einen merkwürdigen Beigeschmack. Viele Ihrer Ansichten teilen wir – oft haben wir Ihren Einsatz bewundert – allerdings sollten Sie nicht vergessen, dass auch Sie eine ganze Menge Dreck am Stecken haben und auf das wohlwollende Verständnis anderer angewiesen sind. Eine solche mediale Ohrfeige gegen das Oberhaupt der katholischen Kirche, der nach katholischem Verständnis der direkte Nachfolger des Apostels Petrus ist, klingt aus ihrem Mund mehr als unangebracht. Wer wirft hier den ersten Stein, Michel?

» Unterschrift zur Unterstützung des Papstes

(Gastbeitrag von westwind)