Der Türöffner der Islamisierung Europas
Als vor knapp zwei Jahren die sogenannte „Deutsche Islamkonferenz“ von Innenminister Wolfgang Schäuble (Foto) zusammengerufen wurde, kam auch ein ungebetener Gast: Ibrahim El Zayat. Der 41 Jahre alte Deutsch-Ägypter mit dem kurzgestutzten schwarzen Bart setzte sich in die zweite Reihe und verfolgte still die Debatte. Mitgebracht hatte ihn Axel Ayyub Köhler, ein Konvertit, der den „Zentralrat der Muslime“ führt und eigentlich als gemäßigt gilt, aber offenbar enge Freundschaft mit El Zayat pflegt.
(Von Claudia Hansen, Zeitschrift Gegengift)
El Zayat ist Vorsitzender der „Islamischen Gemeinschaft Deutschlands“ (IGD) und der wohl wichtigste Drahtzieher des politischen Islams hierzulande. Ihm werden Kontakte zu arabischen islamischen Extremisten nachgesagt. Der IGD-Chef gilt als der heimliche Chef der deutschen Muslimbrüder, deren ägyptische Stammorganisation blutige Terroranschläge verübt hat. Dennoch wurde geduldet, dass El Zayat auf der Islamkonferenz im März 2005 auftauchte; erst nachher äußerten sich einige Teilnehmer pikiert. „Ein Mann wie Ibrahim El Zayat kann für die Bundesrepublik kein Gesprächspartner sein“, sagte der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach. Während der Veranstaltung fand Schäuble aber nicht den Mumm, den ungebetenen Gast hinauszubitten.
Nun fällt nachträglich ein dunkler Schatten auf die Islamkonferenz. Die Staatsanwaltschaft München hat vor kurzem eine breitangelegte Ermittlung gegen sieben islamische Funktionäre öffentlich gemacht, denen die Bildung einer kriminellen Vereinigung, die Unterstützung terroristischer Organisationen, Urkundenfälschung, Steuerbetrug und Erschleichung öffentlicher Fördergelder sowie Geldwäsche vorgeworfen werden. Spenden aus Deutschland sollen an die Hamas, einen militanten Ableger der Muslimbruderschaft, weitergeleitet worden sein. Schon mindestens zwei Jahre dauern die Ermittlungen an, Anfang März kam es in München, im Rheinland, in Berlin und in Belgien zu Durchsuchungen von 14 Wohnungen, Büros und Moscheen.
Im Zentrum der Ermittlungen steht El Zayat, den die FAZ schon vor Jahren als „Spinne im Netz der Muslime in Deutschland“ bezeichnete. Man könnte ihn auch „Herr der Moscheen“ nennen, denn seine 1997 gegründete Kölner Firma „Spezial Liegenschafts-Management“ (SLM) ist der wohl eifrigste Moscheebaukonzern in Deutschland. Er kauft Grundstücke, holt Baugenehmigungen ein, vermittelt Geldgeber aus Saudi-Arabien und anderswo. An mehr als 100 Moscheeprojekten war El Zayats Firma bislang beteiligt, weitere 30 sind in Arbeit. Schon 2002 stand sein Name in einem BKA-Dossier im Zusammenhang mit Geldwäsche und Spenden in Millionenhöhe für extremistische Organisationen; nun könnten die Ermittler genug belastendes Material für einen Prozess zusammen haben.
Nicht nur der IGD-Chef ist ins Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft geraten. Auch gegen Oguz Ücüncü wird ermittelt, den Generalsekretär der vom Verfassungsschutz beobachteten türkisch-nationalistischen Organisation Milli Görüs (IGMG), die in Deutschland rund 28 000 Mitglieder hat und etwa 300 Moscheen betreibt. Diese werden wiederum von einer „Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgesellschaft“ verwaltet, deren Generalbevollmächtigter – man rate – El Zayat heißt. Besonders pikant ist, dass Ücüncü offizieller Teilnehmer von Schäubles Islamkonferenz ist und dort ausgerechnet im Arbeitskreis Sicherheit sitzt.
Zwischen der IGMG und El Zayat gibt es auch eine familiäre Verbindung durch seine türkische Ehefrau Amina, die Schwester von Mehmet Sabri Erbakan, dem zeitweiligen Milli-Görüs-Vorsitzenden in Deutschland und Neffe von Necmettin Erbakan, dem Gründer der IGMG, der in den neunziger Jahren kurzzeitig türkischer Ministerpräsident war, bevor ihn 1997 das laizistische Militär wegputschte. Recep Tayyip Erdogan, der amtierende Ministerpräsident der Türkei, der unbedingt in die EU strebt, war viele Jahre politischer Ziehsohn von Erbakan, bis er sich zum „gemäßigten Islamisten“ wandelte.
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