Benno Ohnesorg – doch ein politischer Mord?

Benno OhnesorgSein Tod durch eine Polizeikugel führte entscheidend zur Radikalisierung der 68er Studentenbewegung und war gleichzeitig Startschuss für den linken Terrorismus in Deutschland. Doch Benno Ohnesorg, Student der Romanistik und Germanistik, Pazifist und Mitglied einer evangelischen Studentengemeinde, wurde nach neuesten Erkenntnissen am 2. Juni 1967 in Berlin nicht durch einen Vertreter des verhassten Schweinesystems erschossen, sondern durch einen Stasi-Mitarbeiter.

Benno Ohnesorg, der verheiratet war und dessen Frau ihr erstes Kind erwartete, war 26 Jahre alt, als er getötet wurde. Es war seine erste Demonstrationsteilnahme überhaupt. Der Todesschütze Karl-Heinz Kurras wurde am 21. November 1967 freigesprochen.

Es war ein Schuss, der Deutschland veränderte. Am 2. Juni 1967, einem lauen Frühsommertag, eskalierte eine Demonstration gegen den Schah von Persien vor der Deutschen Oper in West-Berlin. Die Polizei reagierte über und wandte gegen zahlreiche Studenten brutale Gewalt an.

Schließlich kam es zur Katastrophe: Im Hof des Hauses in der Krummen Straße löste sich kurz nach 20.30 Uhr ein Schuss aus der Waffe des Kriminalbeamten Karl-Heinz Kurras. Die Kugel traf den Studenten Benno Ohnesorg, Pazifist und Mitglied einer evangelischen Kirchengemeinde, in den Hinterkopf. Obwohl zahlreiche Polizisten und Demonstranten sowie sechs Journalisten in der Nähe waren, konnte der genaue Hergang bis heute nicht aufgeklärt werden.

Fest steht nur: Kurras‘ Kugel wurde zu einem Startschuss auch für linke Terroristen in Deutschland. Ohnesorgs Tod gehörte als zentrales Argument zur Selbstrechtfertigung jener politischen Amokläufer, die dann 67 Menschen umbrachten. So berief sich Ulrike Meinhof in ihrem 1970 im „Spiegel“ veröffentlichten Bekenntnis zur Gründung der RAF auf den 2. Juni 1967: Die „Bullen“ seien „Schweine“, auch wenn Intellektuelle Schwierigkeiten hätten, „das auf die Polizei anzuwenden, die ihnen auf der Straße begegnet, mit der sie es zu tun kriegen, die sie einsperrt und die sie zusammenknüppelt und die in Berlin ja auch schon geschossen hat“. Auch die Berliner Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni“ bezog sich nicht nur mit der Wahl ihres Namens auf Ohnesorgs Tod.

Die beiden Historiker Cornelia Jabs und Helmut Müller-Enbergs veröffentlichten jetzt in der angesehene Fachzeitschrift „Deutschlandarchiv“ neue Erkenntnisse.

Karl-Heinz Kurras soll ein Spitzel der DDR-Staatssicherheit gewesen sein. Der 1927 geborene Polizist soll sich am 26. April 1955 zur inoffiziellen Mitarbeit beim DDR-Geheimdienst verpflichtet haben, obwohl er eigentlich lieber in die DDR habe übersiedeln und dort als Volkspolizist tätig werden wollen. (…) Im Rahmen einer aufwändigen Recherche in den Stasi-Unterlagen fanden die beiden Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde Dokumente wie die eigenhändige Verpflichtungserklärung von Kurras, sein SED-Parteibuch und mehrere Beurteilungen der Arbeit des Spitzels aus der Feder von Führungsoffizieren. Kurras soll der „Linie IV“ zugeordnet gewesen sein, die im Ruf stand, für „unfeine Dinge zuständig“ gewesen zu sein, so Müller-Enbergs und Jabs.

Noch kann man nicht sagen, ob die Stasi hinter dem Tod Ohnesorgs gestanden hat, da noch nicht alle Erkenntnisse veröffentlicht wurden.

Fest steht aber offenbar, dass Kurras auch nach dem Ereignissen des 2. Juni 1967 nicht aus der SED ausgeschlossen wurde; seine Mitgliedschaft hielt er natürlich geheim, denn als Mitarbeiter einer Sonderermittlungsgruppe der Westberliner Polizei, die sich mit der Suche nach Verrätern in den eigenen Reihen befasste, arbeitete der mutmaßliche IM der Stasi an einer höchst sensiblen Stelle.

Kurras selbst soll die Botschaft erhalten haben, alle Informationen zum Tod Ohnesorgs zu vernichten und alle Tätigkeiten für die Stasi vorerst ruhen zu lassen.

Und so könnte sich doch noch bewahrheiten, dass Ohnesorgs Tod ein politischer Mord war – allerdings ganz anderes, als die Linken uns all‘ die Jahre suggerieren wollten.

(Spürnasen: Pete, Roland E. und Asma)