Beleidigendes Rotes Kreuz zu kreuzzüglerisch

In der Schlacht beim norditalienischen Solferino stießen im Jahr 1859 160.000 österreichische Soldaten auf 150.000 Franzosen und Italiener. Auf dem Schlachtfeld blieben unzählige Verwundete zurück, um die sich niemand kümmerte, weil es so etwas wie Sanitäter damals noch nicht gab. Der Schweizer Kaufmann Henri Dunant aus Genf sah das Gemetzel und die hilflosen Verwundeten. Das Erlebnis beeindruckte ihn dermaßen, dass er in Zusammenarbeit mit dem Schweizer General Guillaume-Henri Dufour und drei weiteren Persönlichkeiten das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) gründete.

1864 unterzeichneten die zwölf ersten Teilnehmerstaaten eine Konvention zur Milderung der „vom Krieg unzertrennlichen Übel“. 1901 erhielt Henri Dunant den ersten Friedensnobelpreis überhaupt. Heute, 108 Jahre später, ist sein Werk auf einmal beleidigend, weil die Rotkreuzfahne, eine farblich umgedrehte Schweizerfahne, da das IKRK in der Schweiz gegründet wurde, „zu sehr an die Kreuzzüge erinnert“. Ein „Roter Halbmond“ zusätzlich zum Kreuz ist nach Ansicht gewisser britischer Labour-Politiker nicht mehr entgegenkommend genug. Das Kreuz soll ganz verschwinden. Es untergrabe durch seine geschichtliche Vorbelastung (gemeint sind die Kreuzzüge, nicht die tatsächliche historische Herkunft, über die Labour vermutlich nicht einmal Bescheid weiß) würde die humanitäre Organisation untergraben.

Erlaubt wären dann nur noch „Roter Halbmond“ und „Roter Kristall“ (ein Kunstsymbol, das gegründet wurde, weil der „Rote Davidsstern“ für die „Rechgläubigen“ ebenfalls eine Beleidigung darstellt). Auf diesen Kristall sollten auch die Christen-Dhimmis ausweichen. Sie wären dadurch angeblich auch vor Muslimen geschützter, die vielleicht bald nicht mehr gewillt sind, etwas mit einem Kreuz als humanitäre Einrichtung zu akzeptieren. Wirklich gebräuchlich wäre am Ende wohl nur noch das einzige Symbol, das Muslime nicht beleidigt, ihr Halbmond.