Der Iran und die Nazis

fringsEinen interessanten Abend verspricht ein Vortrag des Österreichers Martin Tröger heute in Leipzig. Dabei geht es um das freundschaftliche Verhältnis zwischen radikalen Muslimen, etwa den Machthabern im Iran, und deutschen Rechtsextremisten. Ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht präsent ist, weswegen Islamkritik oft mit einer undemokratischen, rechtsextremen Geisteshaltung in Zusammenhang gebracht wird. Die tatsächlichen Verhältnisse sind, wie so oft, etwas verwickelter.

Die Veranstaltung, die von der Initiative Stop The Bomb unterstützt wird,  beginnt heute abend um 19 Uhr 30 im Conne Island, Koburgerstraße 3  in Leipzig.

Bereits gestern hat Martin Kröger bei einer Veranstaltung in Berlin gesprochen. Leider konnten wir nicht rechtzeitig auf diesen Termin hinweisen, wir bitten um Entschuldigung. Hier ist der ausführliche Ankündigungstext der gestrigen Veranstaltung:

Bei den Debatten um „Islamophobie“ und rechte Bürgerproteste gegen „Islamisierung“ und Moscheebauten gerät oft aus dem Blick, dass das Verhältnis zwischen rechten und nazistischen Gruppen und Islamist_innen keineswegs so eindeutig und immer feindlich ist. Aus der rassistischen Feindschaft gegen muslimische Migrant_innen kann keine Feindschaft gegenüber dem Islam abgeleitet werden, das zeigt schon die unverhohlene Bewunderung für islamistische Organisationen wie Hamas und Hisbollah durch NPD-Funktionär_innen und andere Nazis.

Während Nazideutschland auch unter Muslimen weltweit Bewunderung und Unterstützung bis hin zur militärischen Kollaboration zukam, ist seit 30 Jahren die Islamische Republik Iran die Macht, der sich immer mehr rechtsextreme Kräfte aus aller Welt zuwenden. Die islamische Revolution im Iran hat schon von Beginn an Bewunderung und Unterstützung aus prominenten Nazikreisen erhalten. Zahlreiche Nazis und Holocaust-Leugner_innen haben seit 1979 im Iran Zuflucht vor juristischer Verfolgung gefunden und geben in Teheran Schriften heraus. Spätestens seit der Holocaust-Leugner-Konferenz 2006 in Teheran und den Vernichtungsdrohungen gegen Israel ist der iranische Präsident Ahmadinejad ein Held in Internetforen wie Altermedia. Bei den weltweiten Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg marschierten vielerorts Islamist_innen zusammen mit Nazis – und auch „linken“ Antiimperialist_innen. Grundlage solcher Zusammenarbeit von Nazis und Islamist_innen ist das in weiten Teilen ähnliche Weltbild, also neben den autoritären und menschenfeindlichen Vorstellungen von Staat und Gesellschaft besonders die gemeinsame Feindschaft gegen Juden, Israel und die USA.

Der Vortrag soll deutlich machen, warum es gerade in Deutschland eine antifaschistische Notwendigkeit ist, Islamismus und besonders das im Iran seit 1979 wütende Regime in die theoretische wie praktische Kritik mit einzubeziehen. Schließlich pflegt Deutschland noch immer enge politische, ökonomische und kulturelle Beziehungen zum iranischen Regime, und auch in Berlin gibt es zahlreiche islamistische Kräfte; als Beispiel sei nur die Iran- und Hisbollah-nahe Imam Reza Moschee in der Reuterstraße genannt.

Die Veranstaltung dient zugleich der Mobilisierung zur Kundgebung „Kein Dialog mit dem mörderischen und antisemitischen iranischen Regime! Solidarität mit Israel!“ gegen einen Auftritt des iranischen Botschafters in Leipzig am 16.6.2009. Weitere Informationen dazu auf www.stopthebomb.net

Martin Tröger ist Mitarbeiter im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (www.doew.at) in Wien.

(Spürnase: Renate, Foto: Der Kölner Rechtsextremist Dr. Benedikt Frings bei der Holocaustleugner Konferenz in Teheran)