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Die Welt: Obama schaltet sich ein, bestimmt!

okf2In der Welt konnte man heute einen Artikel über einen besonders schönen Traum lesen – wäre da nicht der letzte Abschnitt, voller Lobhudelei auf denjenigen, der sich in der momentanen iranischen Krise eher durch Mundhalten, Zurückhaltung und peinliche Versuche, nur nirgends anzuecken verdient gemacht hat – the One™.

Dass Vertreter des Regimes, die gerade noch gnadenlos und kalt gelächelt haben, sich mit verlegenem Grinsen auf die Seite der Demonstranten schlagen. Dass die iranischen Frauen ihre Schleier abnehmen und lachen. Hoffen wir auf ein gutes Ende, das so unwahrscheinlich über uns hereinbricht – so unerwartet, so wunderbar – wie damals in Leipzig und Dresden und Ost-Berlin.

Ja, auch damals hat man eine solch drastische Änderung nicht für möglich gehalten. Wir geben dem Autor Recht.

Was dann? Das erste Ergebnis wäre, dass das sympathische, gebildete und kultivierte iranische Volk endlich bekäme, was ihm zusteht: Freiheit und Wohlstand. Die Welt sähe im Iran ein islamisch geprägtes Land erstehen, in dem Künste und Wissenschaften blühen, eine tolerante Demokratie, in die schon bald Scharen von Touristen aus aller Herren Länder einfallen würden. Die wichtigste Quelle des Reichtums dieser iranischen Republik wäre nicht mehr das Erdöl; stattdessen würden der Fleiß und die Erfindungskraft der Menschen sprudeln. Schon bald würden wir Handys, Laptops und Autos kaufen, die das Gütesiegel „Made in Teheran“ tragen. Und der Whisky, der dort gebrannt würde, könnte mit jedem Single Malt aus Schottland locker mithalten.

Naja, Single Malt aus Teheran. Das ist eher eine Utopie, jedenfalls für die ersten 12 Jahre nach der Revolution. Tourismus, gerne. Handys, Laptops und Autos – ebenfalls. Das iranische Volk verdient es, im Frieden und Demokratie zu leben.

Der demokratische Iran wird Israel seine Hand entgegenstrecken. Dazu sollte man wissen, dass es in der iranischen Bevölkerung schon heute erstaunlich wenig Judenhass gibt. Es wird also nicht lange dauern, bis eine israelische Botschaft in Teheran und eine iranische Botschaft in Tel Aviv ihre Tore öffnet. Noch wichtiger ist aber, dass die persönlichen Beziehungen zwischen Iranern und Israelis sich schon bald sehr herzlich gestalten: Sobald die israelische Fluglinie „El Al“ beginnt, iranische Städte anzufliegen und die erste Maschine der „Iranair“ im Ben-Gurion-Flughafen gelandet ist, werden Bürger beider Länder anfangen, die jeweils andere Seite zu erkunden.

Dies ist wirklich ein Traum. Unvorstellbar aber in Reichweite.

Das Beste zum Schluss: Mit militärischem Zeremoniell wird Präsident Obama die amerikanische Botschaft wiedereröffnen, die in Teheran brachliegt, seit sie 1979 im Auftrag des islamischen Regimes von fanatischen Gangstern überfallen wurde (einer dieser Gangster soll Mahmud Ahmadinedschad gewesen sein). Obama wird verkünden, dass die USA und die demokratische Republik Iran gedenken, volle wirtschaftliche und politische Beziehungen aufzunehmen. Eine fröhliche Menschenmenge wird dazu Sternenbanner schwenken. Ein versprengtes Häuflein aufrechter Islamisten, das „Marg-bar Ameriga!“ brüllt, erntet mitleidiges Lächeln.

In geheimen Gesprächen wird Obama seinem Partner sodann mitteilen, dass die USA gewillt sind, eine nukleare Bewaffnung des demokratischen Iran hinzunehmen, solange gewährleistet ist, dass diese Atomwaffen sich nicht gegen gemeinsame Verbündete – den Staat Israel etwa – richten.

Gosh, jetzt kommt es. Erst jetzt wird sich Obama einmischen? Wenn alles vorbei ist? Es sieht ganz so aus. Aber woher weiß der Schreiberling von der Welt dies? Oder will er dem unbedarften Leser so ganz nebenbei das Nichtstun des amerikanischen Fliegentöters als geschickten Schachzug, als den eigentlichen Grund für die hoffentlich siegreiche Revolution unterjubeln?

Selbst die ehemalige FDJ-Sekretärin fordert (!!!) mittlerweile die erneute Auszählung der Stimmen. Lediglich the One™ ist mit anderen Sachen beschäftigt – er nahm sich einen Tag frei, Vatertag halt.

Und noch ein Video, mit Dank an rob567