Israel: Bunkertraining an der Heimfront

Israel übt den Notfall. In der weitaus größten Luftschutzkellerübung seit Jahrzehnten ist die gesamte israelische Bevölkerung vom nördlichen Golan bis zum südlichen Negev aufgefordert, morgen Dienstag sobald die Warnsirenen heulen, sofort in den nächsten Bunker zu rennen.

Nahe dem Gazastreifen haben die Leute dafür nur 15 bis 60 Sekunden Zeit. In Tel Aviv sind es zwei Minuten, in Jerusalem, beim Kernkraftwerk Dimona und in der Negevwüste drei Minuten. Offiziell dient die Übung als „normale Sicherheitsmaßnahme“ zum Schutz der Zivilbevölkerung vor allen möglichen „Notsituationen“. Offenbar hat man jedoch eine ganz spezifische Situation im Blick.

Die Armee ist angewiesen, keine Panik zu verbreiten:

„Das ist reine Routine“, sagt auf Anfrage ein Militärsprecher. Jedes Jahr werde eine solche Übung abgehalten. Auf die Frage, wieso denn niemand von solchen Übungen in den vergangenen Jahrzehnten gehört habe, gestand der Soldat, dass diesmal der Umfang der Übung besonders groß sei und die ganze Bevölkerung Israels von den Golanhöhen im Norden und bis Eilat am Roten Meer im Süden umfasse. „Als Schüler haben wir immer wieder mal geprobt, so schnell wie möglich die Luftschutzkeller aufzusuchen“, erinnert er sich. Wieso diesmal im ganzen Land geprobt wird, konnte er nicht sagen.

Dennoch sollen alle die Übung ernst nehmen und kooperieren:

Generalmajor Yair Golan forderte in einer Pressemitteilung die ganze Öffentlichkeit auf, zu kooperieren und sich an der Übung zu beteiligen: „Es ist wichtig, dass jeder Zivilist, jede Institution und jeder Arbeitsplatz ernsthaft probt, um unsere Bereitschaft und nationale Abwehrkraft zu verbessern.“

Seit Tagen werden die Israelis per Rundfunk und Fernsehen aufgefordert, einen Schutzraum auszuwählen und vorzubereiten, um ihn beim Heulen der Sirenen aufzusuchen. Auf zwei Fernsehkanälen ist eine besondere Unterrichtung der Kinder am Dienstag geplant.

Obgleich offiziell weder die Möglichkeit erneuter Raketenangriffe durch die Hisbollah im Libanon noch die Hamas im Gazastreifen oder gar die allgemeine Angst vor einer iranischen Atombombe erwähnt wird, ist klar, dass das israelische Militär mit dieser umfassenden „Routineübung“ auch den Ernstfall eines Krieges proben lässt.

Solche militärischen Anweisungen gelten übrigens auch für Touristen. Sie würden im Ernstfall eines Krieges ausgeflogen und müssten bei einer akuten Notsituation mit in die Bunker.

Auf der Webseite der IDF und speziell auf der Bunkertrainings-Webseite der Armee wird umfassend über die „nationale Heimfrontübung“ informiert.