Messer mit 30 cm-Klinge stets dabei

Die verletzte Ehre eines Kurden, die er durch die Ermordung seiner Ex-Freundin wiederherstellen wollte, steht derzeit in Köln vor Gericht. Schließlich sollte die Frau keinem andere gehören. Und töten wollte er sie sowieso nicht. Schließlich sei die Frau „die Liebe seines Lebens“. Es handelte sich demnach wohl um Warnstiche.

Es ist wieder mal eine Frage der Ehre, mit der sich die Schwurgerichtskammer beschäftigen muss: „Sie sollte keinem anderen gehören, das hat für mich etwas mit Ehre zu tun“, erklärt Davut Y. (43) die Tat, die im September vergangenen Jahres in Kalk geschah und seine Ex-Freundin (29) beinah das Leben gekostet hätte. Mit einem Messer hatte er der jungen Frau, die bei ihren Eltern in Kalk lebte, nachts aufgelauert und sie niedergestochen. Ihm gelang zunächst die Flucht. Da ihn „Gewissensbisse plagten“, hatte er sich am nächsten Tag in Begleitung eines Anwaltes der Polizei gestellt.

Der Staatsanwalt wirft Y. versuchten Mord vor und geht von gleich zwei Mordmerkmalen aus: „Heimtücke und niedere Beweggründe“. Y. habe den Tod des Opfers „billigend in Kauf genommen“. Der gebürtige Türke war wenige Wochen vor der Tat aus seiner Heimat nach Deutschland gereist, hatte einen Asylantrag gestellt und wollte seine Ex-Freundin zur Rede stellen. Vor dem Hause ihrer Eltern hatte er ihr nachts aufgelauert und seinem Opfer drei ellenlange Schnitte an der Schulter, an der Hüfte und dem Oberschenkel zugefügt. Nur weil der Vater des Opfers der Tochter zur Hilfe kam und sie immer wieder versucht hatte, den Messerstichen zu entkommen, war nicht noch Schlimmeres passiert. Mit den Worten „Dich stech ich auch noch ab“, hatte Davut Y. gegenüber seinem Ex-Schwiegervater die Flucht ergriffen.
Gegen den Willen der Eltern

Täter und Opfer hatten sich 2005 in einem Internet-Chatroom kennengelernt: Schon bald hatte die junge Frau den verheirateten Mann und dreifachen Familienvater in seiner Heimat besucht – gegen den Willen ihrer Eltern, die sowohl den Altersunterschied des Paares missbilligten wie auch die Tatsache, dass er Kurde ist. Die Fernbeziehung dauerte anderthalb Jahre, dann beendete die Frau die Beziehung, wandte sich in Köln einem anderen Mann zu. Weil Davut Y. das nicht wahrhaben wollte, mischte sich die Mutter ein und schickte ihm per e-mail ein Foto mit den Zeilen: „Meine Tochter kann ins Bett gehen, mit wem sie will“. Das Foto zeigte die Tochter mit ihrem neuen Freund.

Derartige Provokationen rechtfertigen sicher eine solche Tat, die natürlich spontan erfolgte. Ein Messer mit einer 30 Zentimeter langen Klinge habe er zum täglichen Gebrauch immer dabei.

(Spürnase: Florian G.)