Eine unterschwellige Bedrohung

KulturbereichererVielleicht ist mein Gastbeitrag hier deplatziert. Ich habe nicht von großen Ereignissen bezüglich Gewalttätigkeiten von Moslems und / oder Südländern zu berichten. Wohl aber stößt mir eine gewisse Art in dieser Gesellschaft bitter auf. Eine, für meine Empfindungen, eher unterschwellige Bedrohung.

(Gastbeitrag von Timur zur PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”)

Zu Anfang ein kleiner Absatz zu meiner Person: Ich bin 1977 als Sohn türkischer Eltern am Stadtrand von Bonn groß geworden. Ich bin eher „spießbürgerlich“ als unter Assis aufgewachsen. Wir hatten einen riesigen Garten, waren gerne und ständig bei den Nachbarn und hatten ausschließlich deutsche oder vereinzelt polnische Freunde. Im katholischen Kindergarten und auch auf der katholischen Grundschule waren meine Schwester und ich die einzigen „Südländer“. Heute würde ich uns als perfekt integriert bezeichnen. Ich bin mit der hiesigen Kultur und vor allem auch dem Brauchtum und der Sprache sehr verwurzelt.

In der ganzen Gesellschaft empfinde ich eine Art Inakzeptanz von Südländern uns Deutschen gegenüber. Man sieht mir meine türkische Abstammung nicht zwangsläufig an. So werde ich auch als Deutscher wahrgenommen und kann eben auch als Deutscher berichten. Aber man merkt doch sehr, dass wir Deutschen in gewissen Stadtteilen nicht mehr akzeptiert werden. Das ist doch unser Land! Wenn einer das Recht hat, jemanden nicht zu akzeptieren, dann doch wohl der Gastgeber!

In meiner Jugend und in jungen Erwachsenenjahren habe ich eine Weile ehrenamtlich in Bonn-Tannenbusch (Sozialer Brennpunkt) offene Kinder und Jugendarbeit gemacht. Über das Klientel brauche ich nicht viel zu schreiben. Damals wurde ich von meiner Vorgängerin gewarnt: „Was? Du willst dort arbeiten? Das ist gefährlich! Du bist nicht einer aus Tannenbusch, Du bist nicht einer von denen, sie werden Dich nicht akzeptieren…“ Ich habe mich nicht zurück schrecken lassen und habe eben diese Arbeit (ehrenamtlich) aufgenommen. Mir selber ist tatsächlich nichts passiert. Die Kinder und Jugendlichen hatten viel Spaß und die Arbeit war mit Sicherheit wertvoll. Leider wurde jedoch der Bauwagen, in und mit dem wir gearbeitet haben, in einer Nacht angezündet und all unsere Bemühungen waren dahin und eben auch alle Spielsachen und Gerätschaften. Der Verein hat sich dann nicht mehr weiter dort engagiert.

Oft kommt man in der Bahn oder im sonstigen öffentlichen Leben mit fremden Leuten in Augenkontakt. Manchmal neutral, oft freundlich, ab und an entsteht schon mal ein Flirt für den Augenblick. Guckt man jedoch den „Falschen“ an… erntet man im günstigsten Fall böse Blicke. Früher habe ich tatsächlich auf Fragen wie: „Was guckst Du?“ „Hast Du ein Problem?“ geantwortet mit: „Hey, wenn Du doch gesehen hast, dass ich Dich angeguckt habe, dann hast Du mich ja auch angeguckt.“
Meist war dann das Problem weitestgehend beendet. Heute traue ich mich nicht mehr. Die Gewaltbereitschaft hat deutlich zugenommen. Ich empfinde einen Anflug von Unbehagen, wenn ich den „falschen“ angucke.

Mittlerweile fühle ich mich, je nachdem wo ich bin und vor allem WANN ich wo bin, sehr unbehaglich. Gerade im Pendelverkehr mit der Straßenbahnlinie 16 (Bonn-Köln) wird mir ab Wesseling-Süd bis Rodenkirchen (und umgekehrt) regelrecht flau im Magen. Ab einer gewissen Uhrzeit (wenn die Bahnen tendenziell eher leer fahren) versuche ich auf DB umzusteigen. Ich behaupte mal, dass ich nicht besonders schwach und ängstlich bin. Aber gegen eine Horde… Naja, wir wissen was ich meine.

Natürlich gibt es einige absolut korrekte „Südländer“, die sich in unserer Gesellschaft wohl fühlen und teilhaben wollen an unserem kulturellen Geschehen, die dieses Land, die Kultur und unser Wertesystem schätzen. Solche Leute heiße ich weiterhin gerne willkommen in Deutschland. Alle anderen dürfen gerne den Weg in die Heimat antreten. Vor drei Jahren habe ich noch ganz anders geredet. Heute laufe ich mit offenen Augen umher und sehe vieles, was mir dieses Land zunehmend fremd macht.

Zum guten Schluss dann doch noch zwei „große Geschichten“: Ich hatte vor etlichen Jahren mit meiner Band in Köln im Null3 (Karl-Korn Straße, Südstadt) einen Auftritt im Rahmen einer privaten Party. Direkt neben dem Laden befand sich ein türkisches Gewerbe. Wohl so was wie ein Teehaus o.ä. Jedenfalls versammelten sich in und vor dem Laden etliche Türken. Uns war es streckenweise sehr erschwert, durch das Gemenge mit unseren Instrumenten zu gelangen. Wir waren natürlich betont freundlich. Aber uns wurde nur mürrisch Platz gemacht.

Die Party fing an und es wurde ausgelassen gefeiert. Der Laden war fast komplett voll. Als wir dann anfingen zu spielen (unsere Musik war natürlich lauter als die Musik vorher), kamen vereinzelt türkische Jugendliche rein um zu gucken was da vor sich geht… Unsere Musik war wohl nicht ganz deren Geschmack und so wurde reingebrüllt um uns zu stören. Der Wirt hat den Laden später von innen abgeschlossen. Einige Freunde haben sich dann nach unserem Auftritt Richtung Bonn begeben. Das werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen… Vor dem Laden hatten sich in kleinen Grüppchen hier und da Türken versammelt. Das sah etwas anders aus als vorher. Aggressiver, koordinierter.

Unsere Freunde wurden angepöbelt und da einiges an Bier in den Kehlen war, wurde zurück gepöbelt. Das ganze entwickelte sich irgendwann soweit, dass ich Angst um meine Freunde hatte und eben um unsere Gäste, sodass ich die Polizei angerufen habe. Just in diesem Moment schnellte schon das erste Klappmesser auf. Die Polizei kam in demselben Moment mit zwei Streifenwagen um die Ecke. Mit zureden konnte die Situation beruhigt werden und meine Freunde wurden aus dem Veedel von der Polizei begleitet.

Das war vor ca. sechs Jahren. Heute nehme ich an, wäre die Situation eskaliert. Respekt vor der Polizei gibt es faktisch gar nicht mehr. Übrigens, das Null3 gibt es nicht mehr, wohl aber dieses türkische Gewerbe und im Laden, in dem das Null3 war, ist jetzt irgendein Ramsch-Laden.

Andere Story: Ich saß im Zug von Köln-Mülheim nach Köln-Hauptbahnhof. Da ich ein recht teures und gefragtes Handy habe, vergewisserte ich mich, dass im Wagon kein anderer saß, bevor ich das Handy zückte. Mir gegenüber saß bloß ein verliebtes junges (scheinbar deutsches) Pärchen. Ich packte also mein Handy aus der Tasche und beschäftigte mich damit. Auf einmal stand ein „Südländer“ direkt vor mir. Ich bemerkte das erstmal gar nicht, denn ich hörte via Kopfhörer Musik. Er setzte sich direkt vor mich, quasi auf einen von „meinen“ Vierer-Plätzen, obwohl der ganze Waggon bis auf das Pärchen leer war. Ich ließ das Handy möglichst unauffällig in die Tasche wandern. Er musterte mich und mein Headset sehr genau, auf dem das Handymodel zu lesen war. Zwinkerte mir sogar zu. Wie freundlich dachte ich noch 😉

Ich täuschte dann vor, eine Haltestelle vorher (Köln-Deutz) aussteigen zu wollen, ging durch den gesamten Zug und stellte mich an eine Tür. Ich wurde verfolgt. Die Türen gingen auf, ich blieb stehen, ebenso mein Verfolger.

In Köln-Hbf stieg ich aus und er folgte mir auf Schritt und Tritt. Ich ging höchst unlogische Wege. Mir kamen dann zwei Bundespolizisten entgegen, die ich fragte, ob da hinten (zu meinem Verfolger zeigend) der Ausgang Breslauer Platz sei. Sie guckten hin und er nahm reißaus. Ich war einem Überfall um Haaresbreite entkommen. Dessen bin ich sehr überzeugt. Heute ist das Handy sehr ramponiert und stellt in dem Sinne keinen großen Wert mehr dar. Aber ich bin seitdem noch vorsichtiger geworden.

In anderer Sache suche ich in Bonn Interessierte zum Meinungsaustausch und eventuell zur Bildung einer GI-Gruppe. Ich habe momentan noch keine Lust, mich in die Pro-Bewegung einzugliedern, strebe also eine Art „Stammtisch“ o.ä. an. Kontakt bitte per Email: gitimur@web.de

Alle auf PI veröffentlichten Gastbeiträge zur laufenden PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”, küren wir mit dem neuen Buch von Udo Ulfkotte „Vorsicht Bürgerkrieg“. Wir bitten daher alle, deren Beitrag bei uns erschienen ist, uns ihre Anschrift mitzuteilen, damit wir ihnen ihr Buch zustellen können.

Bisher erschienene Beiträge zur PI-Serie:

» Früher war alles einfacher
» “Ey, hast Du Praktikum für uns?”
» Eine wahre Bereicherung
» Als Deutscher in diesem Land nichts zu melden
» Einmal Toleranz und zurück
» Auch im Fußball kulturell bereichert
» Soldaten sind Mörder – oder Schlampen
» Kulturbereicherung von Kleinauf
» Beschimpfungen, Aggressionen und vieles mehr…
» Gefühl, im eigenen Land auf der Flucht zu sein
» Erfahrungen eines Hauptschullehrers
» “Ruhe, ihr deutschen Drecks-Schlampen”
» Kulturbereicherung im Krankenhaus
» Von bereicherten Löwen und grünen Antilopen