Politische Korrektheit nimmt Jugend jede Chance

KulturbereichererEs erscheint mir im Nachhinein vieles wie ein ungläubiger Traum, was ich als Lehrer an einer Berufsschule in einer Großstadt alles erlebte. Ich war einst genau dies was man als idealistischen Lehrer auffassen könnte. Mir machte es Spaß, junge Menschen zu unterstützen, ich interessierte mich für meine Fächer und hatte den festen Glauben, auch mit noch so schwachen Schülern etwas bewegen zu können.

(Gastbeitrag von Schakal zur PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”)

Nach allem, was in den letzten Jahren über unser Schulsystem geschrieben wurde, mag diese Meinung naiv erscheinen. Lehrer gelten in der öffentlichen Meinung als Opportunisten, „faule Säcke“ und „Bildungsblockierer“. Während in all diesen Beschreibungen eine kleine Wahrheit steckt, so habe ich doch über die Jahre viele Kollegen kennengelernt, die ihren Beruf aus vollem Herzen leben und sich für ihre Schüler weit mehr als acht Stunden pro Tag engagieren; und noch viel mehr Kollegen, die mittlerweile aufgegeben haben….

Ich selbst verbrachte mein Referendariat und die ersten Jahre meines damals noch glücklichen Lehrerlebens an einer Kleinstadtschule auf dem Land. Arbeitslosenquote um die drei Prozent, Kinder spielten auf den Straßen, Familien waren Sonntags in der Kirche und es gab nur eine vergleichsweise niedrige und gut integrierte Anzahl von Leuten mit Migrationshintergrund. Das was man gemeinläufig als heile Welt beschreibt. Sicherlich war nicht alles perfekt, aber mir machten mein Beruf und auch mein Leben enormen Spaß. Eines Tages erhielt ich dann einen Anruf eines alten Studienfreundes. Er berichtete mir, dass sie an ihrer Schule jemanden mit meiner Fächerkombination genau brauchen würden, die Karrierechancen klasse seien und das Schulklima absolut super wäre. Ich überlegte eine Weile und entschied mich dann spontan für das Abenteuer Großstadt.

Auch Lehrer müssen Vorstellungsgespräche absolvieren. Dieses verlief gleichwohl ziemlich seltsam. Nachdem sich mir der Herr Oberstudiendirektor – ein älterer Mann mit Nickelbrille, Sandalen und verkrumpelten Hemd – vorgestellt hatte, stellte er mir direkt anschließend eine doch recht überraschende Frage: „Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich ein Problem mit Ausländern?“

Ich war ziemlich geschockt über diese Frage. Bisher hatte ich eigentlich jeden meiner Schüler gleich behandelt, ohne darüber groß nachzudenken, woher denn wer genau stammt. Auf meine Nachfrage, warum er diese Frage denn stellen würde, eröffnete sich mir ein langer hochgestochener Monolog, den ich aus Leserfreundlichkeit in eine kurze Kernaussage zusammenfassen würde.

„Wissen Sie, wir sind eine Schule, die das Glück hat, von jungen Menschen aus vielen verschiedenen Ländern besucht zu werden. Wir sind sehr stolz darauf und leben das Miteinander.“

Wie dieses „Miteinander“ denn genau aussah, sollte ich während der kommenden beiden Jahre am eigenen Leib erfahren. Als Vorbemerkung: Auch wenn ich kein Lehrer mehr bin, fühle ich doch eine gewisse Verantwortung gegenüber meinen ehemaligen Schülern, daher sind die Namen der Betreffenden hier verändert, allerdings immer noch durch Namen aus dem selben Kulturkreis.

Ein erstes Beispiel für das „Miteinander“ in unserer Schule erlebte ich nach zwei Wochen als alle Lehrer einer Klasse spontan zu einer Klassenkonferenz gerufen wurden. Es ging um einen Schulausschluss. Der Schüler Omar aus der zwölften Klasse hatte einem anderen Schüler an der Bushaltestelle unter Zeugen eine Pistole an den Hals gehalten und verkündet: „Du scheiß Russe, ich knall dich ab“. In dem sehr interessanten Gespräch erfuhr ich, dass dies kein Einzelfall war. Omar hatte letztes Jahr einem anderen Schüler mehrere Rippen gebrochen, als dieser sich erdreistete, in den hinteren Teil des Busses einzusteigen, der nach Omars Ansicht für Muslime reserviert war. Bereits damals hatte er verlautbart, dass „der Tag des Sieges über das Russenpack nahe ist“. In dem Gespräch äußerten mehrere Lehrer ihre Bestürzung darüber, dass das Antiaggressionstraining und die „Verwarnung“ von damals nicht gewirkt hätten und Omar jetzt so etwas machen würde. Ich verfolgte all dies mit Verwunderung. In dem weiteren Gesprächsverlauf wurde ein Aktionstag für Toleranz geplant, um „Rassismus“ vorzubeugen. Dieser fand später auch statt und verwandelte sich aus irgendeinem für mich unerfindlichen Grund in eine Veranstaltung gegen „rechte Gewalt“ samt einer Ansprache des örtlichen SPD Bürgermeisters, in der er die hohe Integrationsfähigkeit der Schule lobte. Ganz offen und ehrlich: Ich fühlte mich komplett veralbert.

Aber zwischen Sollvorgabe und Wirklichkeit eröffnete sich während der nächsten Wochen und Monate generell eine immer höhere Diskrepanz. Da ich ein junger Lehrer war, wandten sich viele Schüler an mich mit persönlichen Problemen. Auf einmal waren Probleme wie Drogen, offen ausgetragener körperlicher Missbrauch durch die Eltern, organisierte Kriminalität oder Zwangsabtreibung nach Vergewaltigung keine Dinge mehr, die ich in den Nachrichten sah. Sie begegneten mir täglich in den Geschichten meiner Schüler. Auf einmal sprach ich in meiner Freizeit mehr mit dem Jugendamt als abends mit meiner damaligen Lebensgefährtin. Kontakte mit der Polizei erwiesen sich als sehr hilfreich, um herauszufinden, wo meine Schüler denn eigentlich stecken und bereits damals verfügte Wikipedia zum Glück über einen hohen Fundus an Informationen über alle gängigen Drogen, von denen mir meine Schüler jeden Tag berichteten. Ich wurde immer weniger zum Vermittler von Wissen als vielmehr zum emsigen Sozialarbeiter. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass die bestehenden sozialen Probleme allerdings niemanden außer den bestehenden Einrichtungen interessieren, auch nicht die Eltern der betreffenden Schüler.

Generell fiel dem Kollegium auf, dass viele Schüler konsequent den Unterricht schwänzten oder betrunken und vor allem unter dem Einfluss von Drogen in die Schule kamen. Als Konsequenz wurden regelmäßig Briefe an die Erziehungsberechtigten verschickt. Die Reaktion blieb im Allgemein aus, oft jammerten uns die Eltern aber vor, ihre Kinder würden in der Schule wegen ihrer Herkunft diskriminiert (bei teilweise bis zu 80 Prozent Ausländeranteil…) oder es folgten hanebüchene Entschuldigungen für das Verhalten. An eine Reaktion erinnere mich aber bis heute: Eine Mutter eines kroatischen Schülers rief mich auf einen dieser Briefe reagierend zu Hause an und fragte mich, ob ICH denn ihren Goran in den letzten Tagen gesehen hätte. Er sei seit über einem Monat nicht zu Hause aufgetaucht. Goran war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre, vorbestraft und meiner Ansicht nach schwer drogenabhängig. Auf meine Nachfrage, ob sie denn schon die Polizei benachrichtigt hätte, kam die klare Aussage: „Der Junge ist alt genug, um für sich selbst zu sorgen“. Als ich ihr erläuterte, dass sie die Erziehungs- und Aufsichtspflicht für Goran hätte und ich mich ans Jugendamt wenden würde, meinte sie mit einem Satz: „Mir doch scheißegal du blödes Arschloch“ und legte auf. Goran sah ich nie wieder.

Generell erwies sich die Zusammenarbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund als schwierig bis nicht möglich. Wenn sie denn am Elternabend erschienen, dann meistens mit der Absicht, dem Lehrer Vorwürfe zu machen und allgemein auf stur zu schalten. Dieses Phänomen war insbesondere bei muslimischen Eltern auffallend. Hier kam nicht der Vater oder Mutter, sondern die gesamte Sippschaft, die gemeinsam zum „Tribunal“ erschien und über die jeweilige Lehrperson richten wollte. Es war nahezu unmöglich, hier der Mutter oder dem Vater mitzuteilen, dass sie doch bitte alleine kommen sollten und maximal einen Übersetzer mitbringen dürften. Bei einem dieser Versuche des „Miteinanders“, wurde ich dann zum ersten Mal in meinem Leben von einer tobenden und schreienden Mutter als Rassist bezeichnet, weil ich ihre Tochter Selem angeblich diskriminieren würde. Damals traf mich das noch wirklich und ich machte mir Gedanken.

Bei der Notengebung fiel mir beispielsweise auf, dass meine Schüler mit Migrationshintergrund im Durchschnitt 1,4 Noten schlechter waren als meine Schüler ohne Migrationshintergrund. War ich vielleicht doch heimlich ein Rassist geworden durch all die Vorkommnisse? Also verdeckte ich die Namen der Schüler bei der nächsten Korrektur der Arbeiten. Ich machte mir sorgfältig Klebestreifen, die ich in der Klasse vor allen Schülern an den Arbeiten über den Namen der jeweiligen Schüler anbrachte und bei der Rückgabe entfernte. Das Resultat war katastrophal. Die betreffenden Schüler hatten alle noch weit schlechter abgeschnitten. Ich hatte vorher unterbewusst FÜR die Schüler mit Migrationshintergrund korrigiert. Die entsprechende Arbeit musste nach Beschwerde der Eltern beim Rektor nachgeschrieben und von einem anderen Lehrer korrigiert werden. Sie fiel noch schlechter aus. Allgemein waren Noten gleichwohl auch eher relativ.

Viele wenn nicht gar die überwältigende Mehrheit der Schüler waren nämlich gar nicht zum Lernen in der Schule. Berufliche Schulen bieten grundsätzlich zwei verschiedene Bildungsgänge an. Erstens sollen Spätstarter durch aufbauende Schulangebote nach ihrem Haupt- oder Realschulabschluss einen weiteren Abschluss erwerben können und dadurch Transparenz ins Schulsystem einkehren, so zumindest die Theorie! In der Praxis begegnete mir gleichwohl eine andere Realität. Das zentrale Argument, seine Kinder auf eine weiterführende berufliche Schule zu schicken, war weniger bessere Bildungschancen, als vielmehr laut Eigenaussage vieler Schüler, weiterhin Kindergeld zu kassieren. Hier stellt sich gleichwohl die Frage, inwiefern der Migrationshintergrund eine Rolle spielt, da ich diese Aussage auch von deutschen Schülern – und Eltern – vielfach hörte. Die entsprechenden Durchfallquoten bei derartiger Motivation lagen in allen Klassenstufen des Vollzeitbereichs bei jenseits von 60 Prozent. Grundsätzlich erlaubt es das deutsche Bildungssystem, durch das Ausnutzen aller Lücken sein Kind drei Jahre in staatlichen Schulen zu parken, ohne dass dieses auch nur ein Gramm Leistung bringen muss. Die Schulpflicht macht es möglich.

Ein weiteres Angebot beruflicher Schulen ist der begleitende Unterricht innerhalb der technischen oder kaufmännischen Ausbildung. An sich mag man sich denken: Ausbildung, ehrliche Arbeit, diese Schüler sind sicher motiviert! De facto ist Ausbildung allerdings nicht gleich Ausbildung. Nach einer kurzen Zeit stellte ich fest, dass nahezu alle meiner Schüler mit türkischem Migrationshintergrund Ausbildungsplätze bei Verwandten hatten. Insbesondere fielen mir hier die vielen Bäcker, Einzelhandelskaufleute und Metzger bei türkischen Geschäften auf. Seltsamerweise erwies es sich als nahezu unmöglich, bei Problemen mit den jeweiligen Ausbildungsbetrieben in Kontakt zu treten oder gar einen Besuch am jeweiligen Ausbildungsbetrieb zu initiieren. Bei Tests war es den Schülern nicht möglich Grundwissen, was im Betrieb vermittelt werden sollte, wiederzugeben. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Es handelte sich unserer Ansicht nach um Scheinausbildungsverträge, welche das jeweilige Umfeld zur Verfügung stellt, damit die Jugendlichen und ihre Eltern entsprechende finanzielle Förderung bekommen. Selbstverständlich wurde es von der Schulleitung untersagt, hier weiter nachzubohren, denn es handele sich hier „um spezifische kulturelle Besonderheiten“. Sozialbetrug in großem Ausmaße ist ein anderes Wort dafür.

Als spezifische kulturelle Besonderheit wird sicherlich auch der Umgangston der Jugendlichen abgetan. Das vorrangige Schimpfwort unter ausländischen Jugendlichen ist meiner Erfahrung nach „Jude“, direkt gefolgt von „Schwuchtel“. Gerne wird das auch kombiniert. Politisch korrekt wird das gerne mit der Ansage entschuldigt, dass diese Schimpfwörter abseits ihrer ursprünglichen Bedeutung sründen und die Jugendlichen das gar nicht so meinen würden. Diesen Eindruck kann ich allerdings nicht im Geringsten bestätigen. Meine Schüler äußerten in vielen unterrichtsinternen Diskussionen sehr eindeutige Meinungen. Von der Forderung Homosexuelle ins Gefängnis zu stecken bis hin zu einer kaum verhaltenen Schadenfreude am Holocaust Gedenktag war da alles dabei. Trugen wir Kollegen unsere Beobachtungen an die Schulleitung, wurden wir abgewimmelt und belehrt, „kulturelle Unterschiede akzeptieren zu lernen“. Einmal wurde es etwas brenzlig, als eine Klasse sich bei einem Ausflug in ein KZ so abfällig verhielt, dass der dortige Betreuer sich beim Schulleiter persönlich beschwerte. Dieser hatte gleichwohl gleich darauf einen genialen Einfall. In einem persönlichen Gespräch teilte er mit, dass wir doch „den örtlichen Imam“ ansprechen und zu einem Gespräch einladen sollten. Leider wollte dieser feine Herr jedoch nichts davon wissen.

Nach zwei Jahren, hunderten Stunden freiwilliger Sozialarbeit und schätzungsweise 25 Schulausschlüssen alleine in meinen Klassen gab ich auf. Ich wollte kein Leben mehr führen, in dem jeder wegsah und sich noch gut dabei fühlte. All das Elend, was ich jeden Tag erlebte, belastete mich immer mehr. Was wir oft vergessen: Das Opfer des Kults des multikulturellen Konsens ist nicht nur die schweigende Mehrheitsgesellschaft. Es sind auch jene Generationen von ausländischen Jugendlichen, die in schlechtesten sozialen Verhältnissen aufwachsen und keine Zukunft haben. Jene Jugendlichen, denen die politische Korrektheit jede Chance nimmt, sich selbst als etwas anderes als Opfer der Mehrheitsgesellschaft zu definieren. Kein Wunder, dass „Opfer“ ein beliebtes Schimpfwort unter ihnen ist.

Alle auf PI veröffentlichten Gastbeiträge zur laufenden PI-Serie “So erlebe ich die Kulturbereicherer!”, küren wir mit dem neuen Buch von Udo Ulfkotte „Vorsicht Bürgerkrieg“. Wir bitten daher alle, deren Beitrag bei uns erschienen ist, uns ihre Anschrift mitzuteilen, damit wir ihnen ihr Buch zustellen können.

Bisher erschienene Beiträge zur PI-Serie:

» Der Schein trügt
» Es gibt keinen Grund dafür…
» Behindertes Kind als “Gottes Strafe”
» Der P*ff und der Perser
» “Was!? Hast du ein Problem?”
» Meine Erlebnisse in arabischen Ländern
» “Seien Sie froh, dass nichts passiert ist”
» Umar an der “Tafel”-Theke
» Kulturbereicherung kommt selten allein
» Plötzlich war Aische unterm Tisch verschwunden
» “Gibt es Prüfung nicht auf türkisch?”
» Eine unterschwellige Bedrohung
» Früher war alles einfacher
» “Ey, hast Du Praktikum für uns?”
» Eine wahre Bereicherung
» Als Deutscher in diesem Land nichts zu melden
» Einmal Toleranz und zurück
» Auch im Fußball kulturell bereichert
» Soldaten sind Mörder – oder Schlampen
» Kulturbereicherung von Kleinauf
» Beschimpfungen, Aggressionen und vieles mehr…
» Gefühl, im eigenen Land auf der Flucht zu sein
» Erfahrungen eines Hauptschullehrers
» “Ruhe, ihr deutschen Drecks-Schlampen”
» Kulturbereicherung im Krankenhaus
» Von bereicherten Löwen und grünen Antilopen