Selig sind, die geistig arm sind

Zur Piusbruderschaft gehören nach eigenen Angaben von 2009 weltweit 493 Priester. Die Zahl der Gläubigen, die sich zu ihr bekennen, soll nach Angaben von Kardinal Darío Castrillón Hoyos von 2007 um 600.000 Personen umfassen, davon 100.000 in Frankreich. Andere Quellen nennen 150.000 Anhänger. Unabhängige und regelmäßig überprüfte Erhebungen zu den Anhängerzahlen sind nicht bekannt. (Wikipedia)

Wie kommt es, dass Äußerungen dieser kleinen Gruppe katholischer Fundamentalisten immer wieder die Gemüter erregen, während vergleichbare Verlautbarungen aus muslimischen Kreisen nicht annähernd die gleiche Empörung auslösen, obwohl diese Weltreligion weltweit ca. 1,5 Milliarden Anhänger hat, wovon allein in Deutschland rund 3 Millionen leben?

Nehmen wir nur die jüngsten Äußerungen zur Homosexualität. Der Vergleich des Protestes der Pius Brüder gegen Lesben- und Schwulen-Paraden mit dem katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist derart haarsträubend, dass man ihn eigentlich nur als Exkrement verwirrter Gehirne beiseite schieben kann, ohne dadurch gleich zu einem glühenden Befürworter des CSD zu werden. Auch die Erklärung von Papst Benedikt XVI. im Sommer 2005, gleichgeschlechtliche Ehen seien unecht und Ausdruck „anarchischer Freiheit“, die die Zukunft der Familie bedrohe, hat helle Empörung unter Gläubigen und Ungläubigen ausgelöst.

Aber als wir in Baden-Württemberg in dem als „Muslim-Test“ etikettierten Gesprächsleitfaden für die Einbürgerungsbehörden zwei Fragen zur Homosexualität aufgenommen hatten, gab es ein gewaltiges Rauschen im Blätterwald, um die armen Muslime vor diesen „diskriminierenden“ und „stigmatisierenden“ Fragen zu schützen:

– Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?

– In Deutschland haben sich verschiedene Politiker öffentlich als homosexuell bekannt. Was halten Sie davon, dass in Deutschland Homosexuelle öffentliche Ämter bekleiden?

Beide Fragen verlangten den befragten Muslimen keineswegs eine positive Bewertung der im Islam verbotenen Homosexualität ab. Vielmehr ging es um nichts anderes als Toleranz und Menschenwürde, an der selbstverständlich auch Schwule und Lesben teilhaben. Gleichwohl verstummte die öffentliche Kritik (die keineswegs nur von muslimischer Seite kam) erst, als Innenminister Heribert Rech diese beiden Fragen aus dem Gesprächsleitfaden hatte streichen lassen. Dabei ging völlig unter, dass Homosexualität unter Muslimen nicht weniger verbreitet ist, als anderswo, dass aber darauf in einigen islamischen Ländern nicht nur die Todesstrafe steht, sondern auch vollstreckt wird, wie z.B. im Iran (durch Erhängen) und im Jemen (durch Köpfen, hilfsweise auch durch Er-schießen); in Saudi-Arabien kommen Homosexuelle dagegen mit Auspeitschen davon – wenn sie die 7.000 (!) Stockhiebe überleben. Das hat den US-amerikanischen Präsidenten Barack Hussein Obama nicht daran gehindert, dem saudischen König Abdullah auf dem G 20 Gipfel im Frühjahr dieses Jahres in London den Ring zu küssen, eine Unterwerfungsgeste, die allenfalls mit dem Küssen des Koran durch Papst Johannes Paul II. verglichen werden kann.

Natürlich kann man nur rätseln, woher diese unterschiedliche Bewertung kommt. Man kann sich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade Deutsche ein nahezu vitales Verlangen danach zu haben scheinen, eigene Werte durch den Dreck zu ziehen, Fremdartiges dagegen in den Himmel zu heben – vermutlich in Erinnerung an die Zeit, wo es genau umgekehrt war. Man wird unwillkürlich an die Bemerkung von Winston Churchill erinnert: „Die Deutschen sind seltsame Menschen, entweder sie liegen uns zu Füssen oder sie hängen uns an der Kehle.“ Nur vor diesem Hintergrund sind Äußerungen wie die folgenden verständlich:

„Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle!” (Maria Böhmer, Bundesintegrationsbeauftragte, CDU)

“Muslime sind für uns alles andere als eine Bedrohung, sie sind eine Bereicherung, machen unsere Ordnung vielfältiger, sie sind erwünscht und gewollt.” (Dr. Wolfgang Schäuble, Innenminister, CDU)

Da können Seyran Ates, Serap Cileli und Necla Kelek reden, was sie wollen. Gegen Berufsmuslime wie Ayyub Axel Köhler, Kenan Kolat, Bekir Alboga und Aiman Mazyek kommen sie nicht an (lediglich Ibrahim El-Zayat ist derzeit – notgedrungen – auf Tauchstation).

Und während wir uns noch über diese oder jene – an sich völlig belanglose – Äußerung aus piusbrüderlichem Munde das Maul zerreißen, arbeiten die Muslime mehr oder weniger still, auf jeden Fall aber beharrlich daran, eine „das Christentum ablösende islamische Ära“ in Europa zu etablieren, wobei das maurische Spanien und das osmanische Südosteuropa von einst als Zukunftsmodelle dienen, wie der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Mustafa Ceric, dies auf der Wiener Konferenz „Islam in Europa“ am 23./24. März 2007 verkündet hat. Bei uns war man davon so begeistert, dass ihm die Theodor-Heuss-Stiftung am 12. Mai 2007 in Stuttgart den 42. Theodor-Heuss-Preis ver-liehen hat, zusammen mit der Bundestagspräsidentin a.D. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth (die Laudatio hielt übrigens Gesine Schwan – was für eine bezeichnende Allianz!).

(Gastbeitrag von Rainer Grell)