Hassparolen gegen die „Juddebube“

Eintracht Frankfurt ist einer der großen Traditionsvereine im Deutschen Fussball. Die Geschichte der „Diva“ reicht weit zurück. Vor dem zweiten Weltkrieg war der Verein von vielen jüdischen Mitgliedern und Sponsoren geprägt. Daher werden die Fans der Eintracht auch heute noch von gegnerischen Fans beleidigt und nicht selten als „Judenschweine“ beschimpft. So auch gestern, im brisanten Derby gegen den Nachbarn aus Offenbach.

Dass sich Fussballfans rivalisierender Mannschaften gegenseitig beleidigen, ist sicher nicht der Rede wert, sondern irgendwo salonfähig-gewordene Asi-Kultur in einer Gesellschaft, die sowieso nicht mehr geradeso vor Werten strotzt. Dass hierbei jedoch nicht einmal vor jenem abartigen Kapitel deutscher Geschichte halt gemacht wird, das wir gemeinhin als Nazizeit bezeichnen, kann mit Dummheit oder mangelnden Manieren nicht mehr erklärt werden, sondern schlicht und ergreifend mit blindem Hass und Ignoranz vor der Geschichte unseres Landes und dem Leid derer, die der Nazizeit zum Opfer fielen.

Daher sei diesen geistig verwirrten die Lektüre des Buches „Wir waren die Juddebube: Eintracht Frankfurt in der NS-Zeit“ von Matthias Thoma empfohlen. In der Kurzbeschreibung auf Amazon heißt es zu diesem Buch:

Eintracht Frankfurt galt früher als »Judenclub«. Daher war die Eintracht von der Machtübernahme der Nazis stärker betroffen als andere prominente Fußballvereine. Matthias Thoma, der bereits mehrfach zur Geschichte der Eintracht publizierte und derzeit das Vereinsmuseum mit aufbaut, beleuchtet diese Phase in seinem Buch intensiv. Er verfolgt die Schicksale insbesondere jüdischer Mitglieder und untersucht die Methoden, wie die NS-Machthaber einen traditionell weltoffenen Verein unter ihre Kontrolle brachten.

Diese Geschichte, die Thoma beschreibt, ist wohl der Hintergrund für die jüngsten Beschimpfungen, die ein User im Forum auf der Internetseite von Eintracht Frankfurt wie folgt beschreibt:

Im Stadion selbst war die Stimmung adlerseitig mangels Megaphon gut aber unkoordiniert. Die Kickersschweine bezeichneten uns übrigens lautstark als „Judenschweine“, so hat mich auch noch Niemand beschimpft…

Ein weiteres Beispiel für solche Beleidigung in der Vergangenheit findet sich im Internet auf Tatort-Stadion.de:

Bei der Partie Hannover gegen Eintracht Frankfurt werden antisemitische Schmierereien im Umfeld des Stadions angebracht. Im Stadion werden die Frankfurter von einer kleinen Gruppe als „Juden“ beschimpft.

Wie man aus dem Umfeld des Vereins hört, kommt es wohl durchaus häufiger zu antisemitischen Kundgebungen gegnerischer Fans gegenüber Eintracht Frankfurt. Dabei ist es ja gar nicht mal eine Beleidigung, als Jude bezeichnet zu werden. Es spricht aber für den menschenverachtenden Charakter derer, die dieses als Beleidigung formulieren, und wohl auch so meinen.

Die DFL hat dagegen bisher offensichtlich noch nichts unternommen. Von Strafzahlungen für gegnerische Vereine wie jüngst bei der Beleidigung Dietmar Hopps angedroht, war bisher jedenfalls nichts zu hören. Und auch die Presse scheint das alles nicht wirklich zu interessieren.

Übrigens: geografisch betrachtet ist Offenbach längst mit Frankfurt verwachsen, und einer von vielen inoffiziellen Stadtteilen eines Großraumes mit rund zwei Millionen Einwohnern. Man nennt es auch gerne die Frankfurter Bronx. Dementsprechend hoch ist der Ausländeranteil. Ob da ein Zusammenhang besteht? Man weiß es nicht….

(Text: Frank Furter, Spürnase: Benni M.)