Hamburg: „Dur polis“ und „eller yukarõ“

Nicht nur in Heilbronn und Kiel, auch in Hamburg geht man mit der Zeit. Man schickt die Polizisten zur Schule, um die Sprache zu lernen, ohne die nichts mehr geht in Deutschland: türkisch. Dafür hat man eigens eine Türkin engagiert, so dass nichts dem Zufall überlassen bleibt. Mit türkischem Tee und türkischen Keksen stimmt auch das Ambiente.

Die Hamburger Mopo berichtet:

Zurück in die Schulzeit, um für die Zukunft gerüstet zu sein. In der Landespolizeischule (Alsterdorf) hocken zehn Beamte auf Holzstühlen, blicken angestrengt auf eine Tafel, schreiben eifrig neue Vokabeln in kleine Hefte und linsen bisweilen Hilfe suchend in ein gelbes Nachschlagewerk. Hamburgs Polizei lernt Türkisch.

Lehrerin Aynur Ögretici (50) blättert sich durch das Buch „Einführung in die moderne türkische Sprache“. 120 Unterrichtseinheiten büffelt sie mit den Beamten. Auf einem Tisch steht türkischer Tee, an der Tafel türkische Sätze – in den Köpfen der Beamten tummeln sich haufenweise neue Vokabeln. „Mittags ist man erst mal geschafft“, sagt Oberkommissar Uwe Raquet von der Landesbereitschaftspolizei. Der 46-Jährige soll ein Frage-Antwort-Spiel mit seinem Nachbarn durchgehen. Lehrerin Ögretici entgeht kein Fehler. Schließlich sollen ihre Schüler das Basiswissen parat haben. „Man kann es sich nicht erlauben, im Unterricht mal wegzuschlummern“, sagt Raquet.

Auf die Idee kommt eh keiner. Ihr Beruf führt sie nach Wilhelmsburg, Barmbek oder Altona. Wer Türkisch spricht, ist im Vorteil, kann bei türkischen Opfern schneller eine Vertrauensbasis aufbauen. Raquet ist bei Demonstrationen im Einsatz, macht dort die Ansagen über Lautsprecher. In Zukunft auch mal auf Türkisch? Ein Kollege berichtet stolz, dass ihm selbst seine rudimentären Kenntnisse auf dem Großmarkt geholfen haben, sich mit einer verletzten Frau verständigen zu können. Die anderen nicken zustimmend. Gerne würden sie einen Fortgeschrittenenkurs besuchen – den aber gibt es nicht.

Lehrerin Ögretici bittet zur nächsten Übung. Wieder tauchen die Beamten in ihr Schulbuch ein. „Sie sind alle sehr motiviert“, lobt Ögretici. Tests lässt sie nicht schreiben, Hausaufgaben gibt es nicht, Vorsagen ist durchaus geduldet – ein Schulparadies? Lesen steht auf dem Programm. „Peter lernt Türkisch.“ „Wohnt Ali nicht in Altona?“ Noch klingt es ein wenig holprig. Auch die Anspannung ist spürbar. Nach 45 Minuten lässt Lehrerin Ögretici ihren Kurs durchschnaufen. Pause. Entspannung. Träumen. Der Kurs plant eine Reise nach Istanbul. Ihr nächster Ausflug aber führt die Beamten erst mal wieder auf Hamburgs Straßen.

Es ist klar, dass wir von unseren „Gästen“ nicht verlangen können, deutsch zu lernen. So lernen wir eben ihre Sprache, das fördert sicher die Integration.

(Allen Spürnase herzlichen Dank)