SWR baut Brücken: Türkisch für Deutsche


Damit die in Deutschland lebenden Türken nicht so einseitig aufgefordert werden, Deutsch zu lernen, fordert der SWR seine Zuschauer jetzt auf, Türkisch zu pauken. Dann wird aus der Einbahnstraße endlich eine Brücke. Türkisch ist eine wunderschöne Sprache – schöner geht’s kaum – und nebenbei bringen uns ausgewählte „Experten“ die türkische „Kultur“ nahe.

Der SWR schreibt begeistert:

1961 kamen die ersten Einwanderer aus der Türkei in die Bundesrepublik. Selbstverständlich wurde von ihnen erwartet, dass sie Deutsch lernen. Denn nur wer Deutsch spricht, kommt hier bei der Arbeit und im Alltag zurecht, kann sich weiterbilden und seinen Kindern bei den Schulaufgaben helfen. Leider hat das damals in der Praxis nicht besonders gut geklappt und auch heute sind mangelnde Deutschkenntnisse noch oft ein Thema. Aber am Zusammenhang von guten Sprachkenntnissen, Bildung und einer qualifizierten Arbeit führt kein Weg vorbei.

Wie immer gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille. Türkisch ist die Muttersprache von immerhin rund drei Millionen Menschen, die in Deutschland leben. Da kann es nur nützlich sein, wenn Deutsche auch etwas von der türkischen Sprache und Kultur wissen und verstehen. Zudem ist die Türkei mittlerweile ein bedeutender Handelspartner Deutschlands, nicht zuletzt, aber keineswegs nur durch den Tourismus. Und wie viele Menschen mit deutscher Muttersprache sprechen Türkisch?
Aus Einbahnstraße soll Brücke werden

Fast 50 Jahre, nachdem die ersten türkischen Gastarbeiter in Deutschland ankamen, hat sich SWR2 viel vorgenommen: Wir wollen die sprachlichen Beziehungen zwischen dem Türkischen und dem Deutschen aus einer Einbahnstraße in eine Brücke verwandeln, die in beide Richtungen begangen wird.

Abgesehen vom praktischen Nutzen, macht es einfach Freude, Türkisch zu lernen, denn es ist eine poetische Sprache. (…) Das Türkische klingt auch sehr angenehm.

Ist uns jetzt so direkt noch nicht aufgefallen. Aber der SWR wird uns schon sagen, was wir als angenehm zu empfinden haben.

Damit der Türkischkurs nicht nur theoretisch bleibt, haben wir 30 Türkinnen und Türken gebeten – „Deutsch“-Türken (auf Türkisch Almanci) und Türken, die in der Türkei leben – den SWR2-Hörern ihre Türkei, Kultur und Sprache nahezubringen. Wir haben uns bemüht, Menschen aus allen Bereichen zu gewinnen. Vom Hodscha, dem Lehrer und Prediger in einer Moschee, bis zur Djane. Menschen aus der Politik sind dabei, Schauspieler, Musiker und Schriftsteller: die Autorin Dilek Güngör, der Grünen-Politiker Cem Özdemir und der Pianist Fazil Say, um nur einige prominente Namen zu nennen.

Warum dürfen uns denn nicht Necla Kelek, Seyran Ates oder Serap Cileli die Schönheit der türkischen „Kultur“ nahebringen? Es ist aber gut zu wissen, dass volkspädagogische Maßnahmen mit öffentlichen Geldern nicht zu kurz kommmen.

(Spürnase: Weizenbier)