Andreas UnterbergerIn Österreich – zumindest im Osten des Landes rund um Wien – ist die wertkonservativ-wirtschaftsliberale Debatte schon zur Gänze ins Internet vertrieben worden. Dort ist sie aber umso erfolgreicher. Letzter Schritt in diese Richtung war die Absetzung des Chefredakteurs der „Wiener Zeitung“, Dr. Andreas Unterberger, im Oktober und der Start von dessen Blog andreas-unterberger.at, der sich innerhalb kurzer Zeit zum erfolgreichsten Personal-Blog Österreichs entwickelt hat.

Obwohl die „Wiener Zeitung“ in seiner Chef-Zeit einen signifikanten Zuwachs der Verkaufsauflage (im bekanntlich stark schrumpfenden Zeitungsmarkt) erzielt hatte, war er den Eigentümern im Weg. Kein Wunder: Der Eigentümer ist die Republik Österreich, die durch den SPÖ-Bundeskanzler agiert. Dem Sozialdemokraten Werner Faymann war Unterberger von Anfang an mit seiner liberalkonservativen Haltung ein massives Ärgernis. Dies umso mehr, da sich Unterberger in seinem Vertrag als erster und vorerst letzter Chefredakteur der Wiener Zeitung eine absolute Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit gegenüber dem Herausgeber hat garantieren lassen.

Mittlerweile ist im Staatsblatt wieder ein weisungsgebundener Sozialdemokrat installiert, der inzwischen auch schon ein halbes Dutzend Kolumnisten aus der Zeitung gekippt hat. Die Proteste und Abbestellungen durch Tausende Leser blieben wirkungslos. Der bürgerlich-bäuerliche Koalitionspartner ÖVP protestierte mit einer müden Aussendung und wandte sich dann wieder dem üblichen großkoalitionären Gemauschel zu…

Das wäre weiter nicht sonderlich aufregend, sind doch staatseigene Medien immer ein grundsätzliches Problem, und ist die „Wiener Zeitung“ eine der kleinsten Blätter Österreichs. Besorgniserregend ist jedoch, dass es jetzt im bevölkerungsreichen Osten Österreichs kein Medium mehr gibt, das wertkonservative Positionen vertritt, dass dort nur wenige Journalisten marktwirtschaftlich denken, dass der alte Monopolist ORF total grün-rot beherrscht wird, und dass insbesondere das Bundesland Wien und die dort absolut regierende SPÖ in keiner einzigen Tages- und Wochenzeitung mehr kritisiert wird.

Die Wiener SPÖ hat alle Zeitungen mit einer solchen Fülle von Inseraten und Kooperationen bestochen überhäuft, dass es sich angesichts der tristen Wirtschaftslage kein Medium mehr leisten will, durch kritische Berichterstattung auf diese Gelder zu verzichten. In Osteuropa würden solche Vorgänge „Korruption in großem Maßstab“ genannt werden. In Österreich werden sie verschwiegen, weil ja alle Träger der Öffentlichkeit davon profitieren.

Der gefeuerte Unterberger hat umgehend seinen Internet-Blog eröffnet, in dem sich jetzt neben seinen eigenen täglichen Kommentaren und Analysen die frustrierten Bürgerlichen und Liberalkonservativen – vor allem jüngerer Jahrgänge – in vielen Tausenden Postings scharen. 210.000 Zugriffe im allerersten Monat und eine durchschnittliche Verweildauer von über fünf Minuten scheinen das Experiment zu rechtfertigen. Das freilich vorerst noch keine nachhaltige wirtschaftliche Basis hat.

Pikanterie am Rande: Unterberger ist vor seinen fünf Jahren bei der „Wiener Zeitung“ zehn Jahre bei der „Presse“, dem zweiten von drei Qualitätsblättern des Landes, Chefredakteur gewesen. Dort haben sich in seiner Zeit die Leserzahlen ebenfalls drastisch vermehrt, nämlich um 42 Prozent. Auch dort fand seine Tätigkeit ein unsanftes Ende: Ein neuer Eigentümer aus dem linkskatholischen Eck hat einen seiner Gesinnungs- und Studienfreunde zum Nachfolger gemacht, der sich nun nach dem „urbanen“ Zeitgeist zu orientieren versucht. Was dem Verlag freilich den Verlust eines Drittels der Leserquote und saftige Defizite beschert hat…

» www.andreas-unterberger.at

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22 KOMMENTARE

  1. Ja ja, die Sozialdemokraten !

    Haben halt ein seltsames Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis, wenn es um das Recht auf freie Meinungsäußerung geht.

  2. Vielleicht könnte PI den Blog mal regelmäßig lesen und daraus lernen, was man journalistisch-ethisch bringen kann und was nicht!

  3. Keine Sorge, die grünroten Gutmenschen werden 2010 in Wien ihr blaues Wunder erleben im wahrsten Sinne des Wortes. Das wird Faymann als „Krone“-Fanboy auch nicht mehr verhindern können.
    Vorarlberg und OÖ war nämlich nur der Vorgeschmack.

  4. Auch unsere Zeitung http://www.op-marburg.de steht unter der Fuchtel der SPD, d.h. in der Druckausgabe gibt es Berichte über Islam, Integration mit der dazugehörigen Beweihräucherung. In der Onlineausgabe fehlen
    diese Artikel meist, sollte es aber ein Artikel in die Onlineausgabe schaffen, fehlt die Kommentarfunktion, aber nur bei solchen Berichten, alle anderen kann man Kommentieren wie es einem beliebt.

  5. Apropos Sozial“demokraten“:

    Kürzlich hat das SPD – Mitglied Sommer, seines Zeichens Chef vom Deutschen Gewerkschaftsbund, seine wahre Gesinnung gezeigt, er polemisierte gegen Spekulanten, früher war das raffendes Kapital Ursache alles Bösen:
    Private Bildung „wo Kinder von Spekulanten das Rüstzeug für das Haifischbecken von morgen erhalten“

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/11/12/dlf_20091112_1828_41be0c22.mp3

    Die Stelle war dem DGB peinlich, weswegen sie in der gedruckten Redefassung fehlt:
    http://www.dgb.de/dgb/gbv/reden_sommer/2009/msommer_rede_12112009.pdf

  6. Daß die Presselandschaft so von der politischen Macht, von Korruption, Seilschaften und Vetterleswirtschaft beherrscht ist, nun ja, das kann man bedauern, aber heutzutage, in Zeiten des Internet, ist das alles nicht mehr so wichtig.

    Ich rege mich über so was nicht mehr auf.

    Wirft man z.B. einen Blick in unsere regionalen Tageszeitungen hier, dann hat man schon sehr stark den Eindruck, man hält inoffizielle Parteizeitungen der herrschenden CDU in der Hand.
    Kritik an Mißständen, an Schummeleien, an verkrusteten Machtstrukturen? Fehlanzeige.

    Nein danke, auf so was kann ich verzichten. Ich bevorzuge Informationsquellen, die mir einen Nutzen bringen – und die finde ich inzwischen fast ausschließlich im Internet. Zeitungen habe ich schon lange keine mehr gekauft. Und das werde ich voraussichtlich so schnell auch nicht mehr tun.

    Fuck Regimepropaganda!

  7. Wovon die Machthaber in der BRD noch träumen, das wird im Iran schon verwirklicht:

    http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/iran-gruendet-cyber-polizei/

    Bitte immer daran denken: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind -auch hier bei uns- nicht auf Ewigkeit garantiert. Diese Errungenschaften sind immer bedroht -von machtgeilen Parteibonzen, von faschistischen Bewegungen wie z.B. dem Islam und natürlich auch von Auflösungserscheinungen aufgrund fehlender Reformfähigkeit des Systems. Völlig erstarrte Strukturen, die nicht (mehr) in der Lage dazu sind, auf aktuelle Herausforderungen angemessen zu reagieren, werden am Ende zu Staub zerfallen.

  8. ich bin täglicher leser von „die presse“ und sehe es nicht ganz so wie pi.

    es gibt durchaus auch sehr kritische artikel und vor allem kann man zu jedem artikel kommentieren und da geht es oft ganz schön heiss zu und hart zur sache.

  9. @17 wien1529 (15. Nov 2009 18:58)

    Sehe ich genau so. Und der Kommentarbereich der Presse ist, solange man halbwegs „geschickt formuliert“, nahezu unzensiert. Hab dort schon so einiges untergebracht!!
    Übrigens, seit Sie mir das Unterberger-blog empfohlen haben, bin ich auch dort täglicher Gast.

  10. Na, da hatte ich mich gerade gewundert, was heute beim Unterberger los ist, und jetzt lese ich, dass die Ursache ein Web-Tipp von PI ist. Andreas Unterbergers Tagebuch ist auch Pflichtlektüre bei mir.

    Und genauso wie #17 wien1529 und #18 david ben gurion bin ich der Meinung, dass „die Presse“ im Allgemeinen kritischer ist als die deutsche Mainstream-Presse. Und im Kommentarbereich wird viel weniger zensiert.

    Vor ein paar Stunden hat die Presse.com ein sehr tolles Interview mit dem Islamwissenschaftler Tilman Nagel gebracht. Lesenswert:
    „Islamophobie zulassen“
    http://diepresse.com/home/panorama/religion/521871/index.do

    In Österreich herrscht noch ein wenig mehr Pressefreiheit als in Deutschland! Da werden die Täter nicht verschämt als „Südländer“ bezeichnet, da werden meistens die Herkunftsländer der Täter genannt.

    FPÖ und BZÖ haben bei der letzten Nationalratswahl zusammen über 28% erreicht. Und das haben auch durch die österreichischen Zeitungen mit ihre offene Berichtserstattung mit bewirkt.

    Wo sind solche objektive deutschen Zeitungen?

    Und was in der populistischen Kronenzeitung an Leserbriefen abgedruckt werden, die würden hier mal nicht online gebracht werden.

    Einen Leserbrief aus der Krone vom 25. September habe ich mir aufgehoben. Glaubt hier einer, dass sowas in Deutschland abgedruckt werden würde? Hier ist er ungekürzt (bis auf den Nachnamen des Verfassers):

    Liebe Türken!
    Was ist es, was unser schönes Land so verachten lässt? Für die landschaftliche Schönheit habt Ihr kein Auge, für unsere Kultur habt Ihr keinen Sinn, für unsere Menschen weigert Ihr Euch, Verständnis aufzubringen, unsere Männer sind Ungläubige, unsere Töchter sind leichte Mädchen. Wie mir einige von Euch auf den Kopf zusagten, kommt Ihr wegen unserer Sozialleistungen und der Verdienstmöglichkeiten.

    Aber gerade unsere Menschen sind es, die dieses Land aufgebaut haben, und unsere Kultur ist es, die Euch die Möglichkeit gibt, dies alles in Anspruch zu nehmen. Möglichkeiten, die Ihr nicht mal in Eurem eigenen Land in Anspruch nehmen dürft. Eure Staatsoberhäupter rufen Euch zu: „Wo ein Türke ist, dort ist Türkei.“ Sie dreschen hohle Phrasen, und Ihr fällt darauf rein. Sie bieten Euch nicht die Möglichkeiten, die sich hier – in einem fremden Land – für Euch eröffnen. Wir ändern Verordnungen, damit Ihr Eure Gewohnheiten auch bei uns leben könnt. Wir treten mancherorts für Euch zurück, um es für Euch hier bei uns lebenswerter zu machen. Wir machen dies alles aus freien Stücken, niemand zwingt uns dazu. Weil unsere Kultur schlecht, unsere Männer Ungläubige und unsere Töchter leichte Mädchen sind? Was für ein Volk seid Ihr eigentlich?
    Friedrich L******, Wien

  11. #18 david ben gurion (15. Nov 2009 19:17) @17 wien1529 (15. Nov 2009 18:58)

    Sehe ich genau so. Und der Kommentarbereich der Presse ist, solange man halbwegs “geschickt formuliert”, nahezu unzensiert. Hab dort schon so einiges untergebracht!!
    Übrigens, seit Sie mir das Unterberger-blog empfohlen haben, bin ich auch dort täglicher Gast.
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    das freut mich aber. besonders gerne lese und begrüne ich einen glaubensgenossen von ihnen? seligman.

  12. #19 Aufgewachter (15. Nov 2009 23:36)

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    danke, den leserbrief habe ich mir gespeichert und weitergesandt.

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