Politisch korrekte Wortschöpfungen

Politisch korrekte WortschöpfungenEs scheint noch nicht genug zu sein, dass man konservative, rechtskonservative, rechtsliberale und rechtsextreme Politikansätze in einen Topf wirft und somit einer notwendige Differenzierung eine Absage erteilt. Nein, um die politisch korrekte Deutungshoheit aufrecht zu erhalten, sind neue Begriffe erforderlich. Die ZEIT gibt uns in Zusammenhang mit dem Erfolg der SVP ein einmaliges Beispiel, wie neue Wortschöpfungen entsprechende politische Vereinigungen diffamieren sollen.

Gratulieren möchte man nicht. Das ist immerhin der bisher größte Triumph für die völkische Rechte in Europa, die sich zwar formal demokratisch gebärdet und bei jeder Kritik sofort um Hilfe und Beistand ruft, selbst aber inhaltlich mit Demokratie, Rechtsstaat und Minderheitenschutz nichts im Sinn hat.

Aha…, die SVP, die das Minarettverbot initiiert hat, gehört also zur „völkischen Rechten“. Hier werden Begrifflichkeiten des 3. Reiches verwendet, um eine Nähe zum Nationalsozialismus zu suggerieren. Wer allerdings im Geschichtsunterricht nicht ständig geschlafen hat, der weiß, dass es in der Schweiz niemals eine Diktatur gegeben hat – weder von links noch von rechts. Es geht noch weiter:

Natürlich trifft nach der Schweizer Volksabstimmung zu, was schon nach den diversen Wahldebakeln der Demokraten und dem Durchbruch der Nationalpopulisten bei der Europawahl gegolten hat: Die Wähler sind nicht etwa allesamt über Nacht zu Extremisten geworden oder sonst wie plötzlich durchgeknallt.

Der Begriff Populisten bzw. Rechtspopulisten scheint nicht mehr zu greifen, warum also nicht einfach ein neues Kompositum erfinden? „Nationalpopulisten“ hört sich da doch gleich viel besser an, schließlich brüsten sich Parteien wie die ungarische Jobbik oder die britische BNP damit, Nationalisten zu sein. Wer sich jedoch inhaltlich mit politischen Forderungen der entsprechenden Parteien auseinandersetzt, weiß, dass die SVP mit diesen Bewegungen so viel gemeinsam hat wie ein Apfel mit zwei faulen Tomaten.

Den politisch korrekten Wortverdrehern ist das egal. Ihre bröckelnde Festung gilt es mit allen Mitteln zu verteidigen und die Gegner zu bekämpfen. Angesichts der Ereignisse der letzten Wochen ein schwieriges Unterfangen – denn die Einschläge kommen näher.

(Gastbeitrag von Pinchador)