Student verhaftet wegen Totschlag an Professor

Prof. Richard T. AntounEin 46-jähriger Student aus Saudi-Arabien an der Binghamton University wurde am Samstag verhaftet, weil er nach Behördenangaben einen pensionierten Professor für Anthropologie (Foto), der ein Spezialist für Islamkunde und Nahost-Studien war und mit dem er zusammengearbeitet hatte, getötet hat. Der Student, S. al-Abdulsalam Zahrani, wird angeklagt wegen Totschlag an Professor Richard T. Antoun, der am Freitagnachmittag in seinem Büro im Universitätsgebäude erstochen wurde, sagte Gerald F. Mollen, Staatsanwalt von Broome County. Er meinte weiter: „Wir glauben, dass wir die Tatwaffe sichergestellt haben“.

Mollen meinte in einer Erklärung, dass Zahrani und Professor Antoun einander durch „Mr. Zahranis Arbeit im Graduiertenkolleg gekannt hätten.“ Später in einem Interview sagte der Staatsanwalt, dass „sie sich einige Zeit gekannt haben.“ Der Grad ihrer Bekanntschaft war nicht sofort klar.

Zahrani, ein Bürger von Saudi-Arabien, ist Student der Anthropologie und wurde ohne Kaution im Gefängnis von Broome County festgehalten, nachdem er im Stadtgericht in Vestal angeklagt wurde, sagte Mollen.

Mollen machte keine Angaben darüber, ob Zahrani den Behörden gegenüber eine Aussage gemacht hatte. Er meinte, er sei nicht sicher, ob der Verdächtige einen Anwalt beauftragt hätte.

Professor Antoun, 77, promovierte in Harvard im Jahr 1963 und schloss sich der Binghamton Fakultät in den frühen 1970er Jahren an. Er war „ein Anthropologe, der soziokulturelle Forschungen über Bauern in Jordanien durchgeführt hatte, über Städter im Libanon, über Bäuerinnen und Bauern im Iran und über Migranten in Texas und Griechenland“, so die Universität auf ihrer Website. Im Jahr 1999 emeritierte der Professor.

„Er widmete sein Leben dem Versuch, die Menschen im Nahen Osten zu verstehen“, sagte seine Schwester, die Professorin Linda Miller, an der Holden Universität in Massachusetts. „Er sagte nie ein böses Wort gegen irgendwen in seinem Leben.“

Frau Millers Ehemann, Pfarrer David J. Miller, erklärte, Professor Antoun sei mit seiner Frau Rosalyn seit 17 Jahren verheiratet gewesen, und sie hätten einen Sohn, Nicholas (40).

Professor Antouns Arbeit konzentrierte sich auf die Religion und die soziale Organisation der Tradition im islamischen Recht sowie auf Ethik, wie die Web-Site der Universität erläutert. Laut seinem Lebenslauf lehrte er zuvor an der Univerität von Chicago, der Universität Manchester in England und der Universität Kairo.

Sein Tod so kurz vor dem Ende des Herbstsemesters erfüllt den Campus von Binghamton mit Trauer. An der Universität, die ein Teil der State University of New York ist, sind 15.000 Studenten immatrikuliert.

„Unsere ganze Gemeinschaft ist von dieser Nachricht tief betroffen“, sagte Gail C. Glover, eine Universitätssprecherin am Samstag. „Wir sind zutiefst traurig. Professor Antoun war ein langjähriges Mitglied unserer Campusgemeinschaft, und wir empfinden seinen Verlust tief.“

In seiner Erklärung sagte Mollen, es gebe „keine Hinweise auf religiöse oder ethnische Motive“ bei dem Totschlag. Es werde mit keinen weiteren Festnahmen zu rechnen sein.

Zu der Frage, ob der Verdächtige aus irgendwelchen Gründen vorher irgendeine Kontaktaufnahme mit den Amtsträgern der Universität gehabt hatte, sagte Frau Glover: „Ich bin sicher, all dies wird Teil der Untersuchung sein.“

Die Campus-Polizei wurde am Freitag etwa um 13.41 Uhr in das Büro von Professor Antoun im Erdgeschoss des Gebäudes „Informatik I“ gerufen, sagte Glover. Studenten eines des freiwilligen Rettungsdienstes „Harpur’s Ferry“ gingen ebenfalls mit, sagte sie. Der Professor, der mit mehreren Messerstichen erstochen wurde, wurde zunächst ins Wilson Regional Medical Center in Johnson City, New York verbracht, wo er später starb, erklärte Mollen.

Die Mitarbeiter der Universität brachen nach diesem Anschlag sofort den Unterricht ab. Wenige Stunden später wurde eine E-Mail-Nachricht versendet, in der berichtet wurde, dass sich ein „Verdächtiger in Untersuchungshaft befindet.“

Es war eine E-Mail-Nachricht von Lois B. DeFleur, der Präsidentin der Universität, die die Tötung als „einen Akt sinnloser Gewalt“ bezeichnete.

„Unsere Herzen sind bei der Familie von Mr. Antoun“, fügte sie hinzu.

(Übersetzung: LIZ, die-gruene-pest.com für PI, Originaltext von Al Baker, veröffentlicht am 5. Dezember 2009, Originaltitel: Student Held in Killing of Binghamton Professor)