Bischöfin Käßmann auf Chamberlain-Kurs

KäßmannBischöfin Käßmann, Ratsvorsitzende der EKD, ist nicht nur für Verhandlungen mit den moderaten Taliban und gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan (PI berichtete). Frau Bischöfin glaubt zudem, auch der alte Adolf wäre mit Appeasement nach Chamberlain-Vorbild zum Umdenken zu bringen gewesen. Welche Opfer Chamberlain „for a peace in our time“ zu bringen bereit war (die Vernichtung der Juden), ist hinlänglich bekannt.

Der Spiegel schreibt:

Folgt man der Argumentation der Bischöfin, dann wäre der Zweite Weltkrieg zu vermeiden gewesen. „Warum wurde die Opposition in Deutschland nicht gestärkt?“, fragt sie. Welche Opposition, mag der Unbedarfte denken. Nicht jedem fallen auf Anhieb die Zigtausenden im Widerstand ein, die nur auf ein Signal aus London oder Washington zum Losschlagen gewartet haben.

„Warum wurden die Gleise, die nach Auschwitz führten, nicht bombardiert“, legt Käßmann nach. Was will sie damit sagen? Dass die Alliierten insgeheim mit Hitlers Plänen ganz einverstanden waren? Und weiter: „Warum gab es vorher keine Strategien?“

Eine Antwort auf letztere Frage könnte lauten, dass es ja durchaus eine gab, der mit Namen Chamberlain verbundene Versuch nämlich, den deutschen Diktator mit Zugeständnissen von seinem Weg abzubringen. Das naheliegende Argument, dass alle Appeasement-Politik Hitler wenig beeindruckt habe, lässt die Ratsvorsitzende freilich nicht gelten, da bleibt sie standhaft: „Krieg setzt ein Gewaltpotential frei, für das ich keine Rechtfertigung sehe“, erwidert sie unbeirrt auf den entsprechenden Einwand. „Krieg hat Unrecht, Zerstörung, Vergewaltigungen im Schlepptau. Krieg zerstört alle, die an ihm beteiligt sind.“

So sind in Käßmanns kleiner Geschichtsstunde am Ende irgendwie alle schuld, Sieger und Besiegte, Angreifer und Verteidiger, Täter und Opfer. Wo es nur Schuldige gibt, weil Krieg in der bischöflichen Auslegung nun einmal keine moralischen Unterschiede kennt, ergibt auch das Rechten und Richten keinen Sinn.

Käßmann betreibt somit neben dem weitverbreiteten Kulturrelativismus (unsere Kultur ist gleichwertig mit der der Taliban) einen gefährlichen Werte- und Unrechtsrelativismus. Wenn die Alliierten am Ende die wahren Bösen sind, erscheint die Gleichung halbwegs plausibel, die Taliban zu den Guten zu erklären.

(Spürnase: Daniel Katz, middle-east-info.org)