Die Heiligen Drei Könige und die Steinigung

Die Buchreligionen heißen so, weil sie Bücher haben, in denen die Fundamente des Glaubens niedergelegt sind. Doch die Ausgestaltung der Religionen endet nicht mit der Niederlegung dieser Bücher. Hinzu kommen Geschichten und Legenden der Volksfrömmigkeit, Überlieferungen zum Tun und Handeln der Religionsstifter.

(Von Davide S.)

Typisch für das Christentum sind die Erzählungen über Christopherus und die Heiligen Drei Könige. Beide kommen in der Bibel nicht vor – sind also nach-biblisch. Der Hüne Christopherus trägt das Christkind über den Fluss. Zunächst ist das Kind sehr leicht, doch dann wird es immer schwerer, bis der Riese es kaum noch zu tragen vermag, denn das Kind ist Jesus, der Heiland. Und der Heiland trägt die Last der ganzen Welt.

Auch die Heiligen Drei Könige kommen – in dieser Form – nicht in der Bibel vor. Das Matthäus-Evangelium berichtet von „Weisen aus dem Orient“, die dem Kind in der Krippe ihre Gaben bringen. Der Volksglauben hat diese Geschichte lebhaft ausgeschmückt und machte aus den Weisen Könige verschiedener Erdteile und legte ihre Zahl in Anbindung an die Zahl der Geschenke auf drei fest. Seit dem sechsten Jahrhundert werden ihre Namen mit Caspar, Melchior und Balthasar angegeben. In der Kunst wird zumeist Caspar als Myrrhe schenkender Afrikaner, Melchior als Goldschätze überreichender Europäer und Balthasar als asiatischer König gezeigt, der Weihrauch zur Krippe bringt.

Auch der Islam kennt außerkoranische Geschichten zum Leben des Religionsgründers. Diese werden als Hadithe in verschiedenen Werken zusammengefasst und dienen – unter anderem – als Grundlage zur Ausgestaltung des islamischen Rechtes, der Sharia (siehe hier).

Nach einem Hadith von Sahih al Bukhari lässt Mohammed den Dieben seiner Kamele zuerst die Hände und Füße abschneiden, dann die Augen ausbrennen und wirft sie zum Schluss in eine Grube, wo sie verdursten. In solchen Fällen, wo der Koran keine hinreichende Auskunft gibt, werden Hadithe für islamische Rechtsentscheidungen herangezogen. So entstand das Todesurteil für Ehebruch durch Steinigung, die im aktuell gültigen Strafgesetzbuch der Islamischen Republik Iran festgeschrieben ist. Hier eine der zugehörigen Hadithe:

Es erzählte Abu Nudschaid Imran ibn al-Husain al-Khuza’i (r), dass eine Frau aus dem Dschuhaina-Stamm aufgrund eines Ehebruchs schwanger wurde. Sie kam zum Propheten (s), gab ihre Schuld zu und sagte: „Oh Gesandter Allahs, ich habe eine schwere Sünde begangen. Bestrafe mich also dementsprechend.“ Der Prophet (s) ließ ihren Vormund kommen und sagte zu ihm: „Behandle sie gut, und bringe sie wieder zu mir, wenn sie entbunden hat.“ Der Vormund führte die Anweisungen durch und brachte sie zurück zum Propheten (s), der das Urteil sprach und ihre Hinrichtung anordnete. Man band daher ihre Kleider um ihren Körper fest, und sie wurde zu Tode gesteinigt. Danach leitete der Prophet (s) ihr Begräbnisgebet. Umar bemerkte sodann: „Oh Prophet Allahs (s)! Sie ist eine Ehebrecherin und du leitest ihr Begräbnisgebet?“ Der Prophet (s) sagte: „Sie hat in so einem Maß bereut, dass, wenn diese Reue auf siebzig Personen aus Medina verteilt würde, sie für alle ausgereicht hätte. Gibt es etwas besseres, als dass sie sich selbst für Allah, den Allmächtigen und Erhabenen, aufgeopfert hat?“ (Riyad us-Salihin Nr. 22)

Man hört oft sagen, seit Beginn des Christentums sei eine Welle der Liebe um die Welt gegangen, die bis heute anhält. Überlegen Sie selbst, liebe Leser, welcher Art die Welle sein könnte, die der Islam ausgelöst hat.