Tabu-Thema Vergewaltigungen in der Türkei

Überall in der Türkei kommen Vergewaltigungen vor, aber die Regierung tut so, als würde es sie nicht geben. Sie sind tabu oder werden nicht als Verbrechen wahrgenommen – jedenfalls nicht als Verbrechen des Mannes, ist doch nach islamischer Vorstellung eh immer die Frau schuld. Die türkischen Frauenvereine fordern demgegenüber ein Gewaltschutzgesetz und Krisenzentren für Vergewaltigungsopfer nach europäischem Vorbild.

Esen Özdemir erklärt die Hürden des türkischen Rechtssystems:

„Vergewaltigung ist bei uns die einzige Straftat, die vom Opfer bewiesen werden muss. In unserem Rechtssystem muss die Frau beweisen, dass sie vergewaltigt worden ist. Das ist ein für die Opfer sehr zermürbender Prozess. Es gibt höchst selten Zeugen einer Vergewaltigung.“

Die Scharia lässt grüßen, doch selbstverständlich hat das alles nichts mit dem Islam zu tun. So spricht Ilkay Ülkü Ertan von der Frauenrechtsorganisation „Amargi“ auch bewusst nur von „Gesellschaftlichen Problemen“:

Vergewaltigung ist eine Straftat, für die sich viele Opfer schämen – und ein Tabu-Thema. Selbst innerhalb der Frauenbewegung falle es vielen schwer, das Thema beim Namen zu nennen, berichtet Ertan. Das zeige sich beispielsweise beim geplanten „Krisenzentrum gegen Vergewaltigung“. Eine Frau schlug vor, das Zentrum in „Krisenzentrum gegen Sexualgewalt“ zu ändern – aus Angst vor negativen Reaktionen aus der Gesellschaft. „Wir müssen lernen, offen von Vergewaltigung zu sprechen, auch innerhalb der Frauenorganisationen. Die Menschen scheuen davor zurück, das Wort offen auszusprechen“, sagt Ertan.

Im ganzen DW-World-Bericht wird darum auch ein anderes „Tabu“ direkt angewandt: Die Worte Islam und Scharia fallen kein einziges Mal.