Tendenziös, reißerisch und unsachlich

Kerstin Schweighöfer (l.)Sehr geehrte Frau Schweighöfer, mit zunehmendem Ärger beobachte ich den Verfall der Pressekultur in Deutschland. Ihr WELT-Artikel vom 20.01.2010 über den Prozessbeginn gegen den niederländischen Politiker Geert Wilders steht stellvertretend für diese verheerende Entwicklung. Ein Journalist soll informieren. Er soll sachlich und seriös Informationen zusammentragen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Die Bewertung dieser Informationen jedoch soll er dem mündigen Leser überlassen.

(Offener Brief von PI-Leser Kai an Kerstin Schweighöfer, Foto l.)

Formulierungen wie „Propaganda“ gleich in der Überschrift oder „Ego-Show“ im Anriss des Artikels sind tendenziös. Sie sind reißerisch, unsachlich und nehmen eine Bewertung der Informationen vorweg. In einem Kommentar wäre dies zwar immer noch ein schlechter Stil, aber zumindest legitim – nicht jedoch in einem regulären Artikel. Hier hat die persönliche Meinung des Autors schlichtweg nichts zu suchen.

Zudem brandmarken Sie Wilders mit dem Attribut „populistisch“. Ein vorheriger Blick in ein Lexikon hätte Ihnen die perfide Tragweite Ihrer Anschuldigung verdeutlicht. Populismus: von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik mit dem Ziel, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen zu gewinnen. Wilders ein Opportunist? Wilders Eintreten für unsere und auch Ihre Freiheit, Frau Schweighöfer, bezahlt er mit einem hohen Preis: Morddrohungen islamischer Fanatiker gegen ihn und seine Familie, ständiger Polizeischutz und regelmäßiger Wechsel des Wohnortes. Dazu kommen üble Nachrede durch Presse und Politik und nicht zuletzt die Kriminalisierung durch die niederländische Justiz. Das ist nicht das Verhalten eines Opportunisten. Das ist das Verhalten eines standhaften Idealisten.

Eine Dramatisierung der politischen Lage ist ebensowenig zu erkennen. Der Islam ist mehr als eine Religion, mehr als romantisch verklärte morgenländische Folklore. Der Islam ist eine in sämtliche Lebensbereiche eingreifende Ideologie mit einer verzerrten Auffassung von Ehre und der Rolle der Frau, archaischen Schlachtritualen, einem mittelalterlichen Rechtsverständnis und einem religiösen Alleinanspruch. Die Trennung von Staat und Religion findet nicht statt.

Die Fakten: es gibt weltweit keinen islamischen Staat, in dem freiheitliche Werte, Ethik und Menschenrechte gelten. Dort, wo es eine islamische Mehrheit gibt, werden religiöse Minderheiten unterdrückt und Andersdenkende verfolgt. Leider wird das, was früher als das Aufzählen von Fakten galt, heute als „Diskriminierung“ mit einer Handbewegung vom Tisch gewischt und damit auch gleich die berechtigten Ängste und Bedenken der Bevölkerung. Wilders ist das Sprachrohr dieser besorgten Menschen, zu denen auch ich mich zähle. Auch ich habe Angst um die Zukunft Europas, um die Zukunft meiner Heimat. Was wird meinen Kindern und Enkeln widerfahren, wenn wir in einigen Jahrzehnten aufgrund von Masseneinwanderung und demografischen Wandel eine muslimische Mehrheit haben? Das Kippen der Mehrheiten lässt sich bereits jetzt an der Zusammensetzung der Klassen in Kindergärten und Schulen erkennen.

Schweighöfer-Pamphlet (Screenshot): „Den ersten Prozesstag nutzte der Politiker für eine Ego-Show“.

Der heutige Frieden in Europa wurde über Generationen hart, blutig und opferreich erkämpft. Wir können nicht tatenlos zusehen, wie unsere Freiheit auf dem Altar der gutmenschlichen Naivität geopfert wird. Wir haben soviel zu verlieren. Umso wichtiger ist die Verantwortung der Presse. Der Regelfall ist leider deren Totalversagen als vierte, kontrollierende Macht im Staate. Behaftet in einem jahrzehntealten Entnazifizierungsdenken, den Blick starr auf den „rechten“ Rand der Gesellschaft gerichtet und unfähig, neue gesellschaftliche Gefahren zu erfassen.

Und mehr noch – Sie, Frau Schweighöfer, übernehmen bereits Logik und Vokabular des Islams und sprechen von Wilders „provozierender Krawatte“, „in Knallgrün, der Farbe des Islams“. Sie gehen damit eine unheilige Allianz mit den Gegnern unserer Demokratie ein. Wenn für Journalisten bereits grüne Krawatten provozieren, sind Mordaufrufe für Karikaturisten oder Politiker die folgerichtige und tödliche Konsequenz.

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