USA: Asyl für deutsche Christen

„Es ist nicht alles schlecht, was Hitler gemacht hat“, denken auch Anhänger zeitgemäßer Formen des Sozialismus und freuen sich über manche Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten in deutschen Gesetzbüchern, die sich zur Gängelung des Bürgers eignen. Eines des strengsten Waffengesetze der Welt etwa, das immer noch gerne weiter verschärft wird, oder das Heilpraktikergesetz, das sich um den Erhalt der Volksgesundheit sorgt. Beispiellos für demokratische Staaten ist auch das Ausmaß, in dem der deutsche Staat die Erziehung und Bildung von Kindern für sich beansprucht und dabei weit in das natürliche Recht der Eltern eingreift.

Ausnahmen werden nur für Moslems gemacht und daher hat jetzt erstmalig ein Gericht in den USA deutschen Eltern, die ihre Kinder selber unterrichten wollten, als politisch Verfolgte anerkannt und ihnen Asyl gewährt.

Das findet sogar die Süddeutsche Zeitung „peinlich für Deutschland„:

Uwe und Hannelore Romeikes Flucht ist zu Ende. Bis in die Kleinstadt Morristown im US-Bundesstaat Tennessee reisten sie im Sommer 2008 mit ihren fünf Kindern, um der Staatsgewalt zu entkommen. Ein US-Einwanderungsrichter hat dem Elternpaar jetzt politisches Asyl gewährt und damit die Entscheidung in einem Fall getroffen, wie es ihn bisher in den USA noch nicht gegeben hat.

Die Besonderheit: Die Romeikes kommen nicht aus Birma oder Iran. Sie kommen aus dem baden-württembergischen Örtchen Bissingen an der Teck. Dort sollten ihre Kinder auch zur Schule gehen – und genau das war das Problem.

Die Romeikes sind strenggläubige evangelikale Christen. Die in Deutschland allgemeine Schulpflicht empfanden sie als unvereinbar mit ihrem Glauben.

Weil der Lehrplan und die gebräuchlichen Schulbücher nicht ihren christlichen Werten entsprachen, wollten Uwe und Hannelore Romeike ihre Kinder zu Hause unterrichten, anstatt in einer Schule, in deren Unterrichtsmaterial zum Sexualkunderunterricht sie nach eigenen Angaben auf obszöne Ausdrücke für Geschlechtsverkehr stießen. Sie nahmen ihre drei ältesten Kinder aus der Grundschule, um „ihnen eine gesunde Herzens- und Charakterbildung zu vermitteln“, wie sie in einem Schreiben begründeten.

Was folgte war ein monatelanger Streit mit den örtlichen Behörden um die in Deutschland geltende Schulpflicht. Anders als in den USA oder den meisten europäischen Ländern, wo eine Bildungspflicht die Vermittlung von Wissen nicht an den Besuch einer Schule bindet, sieht das deutsche Recht den regelmäßigen Besuch einer Bildungsstätte vor. Ausnahmen gibt es kaum.

Ein Unding, findet Michael Donnelly, Anwalt der amerikanischen Home School Legal Defense Association, die sich für das Recht auf Hausunterricht einsetzt. Er riet der Familie 2008, in die USA zu kommen, wo 1,5 Millionen Kinder jeden Tag dem Unterricht im eigenen Wohnzimmer folgen. Pianist Uwe Romeike verkaufte seine Klaviere, um den Umzug zu finanzieren. Donnelly, der regelmäßig Vorträge unter dem Titel „Ein Erbe Hitlers: Der deutsche Umgang mit Hausunterricht“ hält und damit auf den Ursprung des Verbots von häuslichem Unterricht im Dritten Reich verweist, unterstützte den Asylantrag der Familie.

Den begründete die Familie damit, dass sie wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt werde. „Während der letzten zehn bis 20 Jahre lief der Lehrplan in öffentlichen Schulen immer mehr christlichen Werten zuwider“, erklärte der Familienvater. In der Schule seien seine ältesten Kinder mit Gewalt, Schikanen und Druck von Gleichaltrigen konfrontiert worden.

Im Oktober 2006 hatte die Polizei die Kinder zu Hause abgeholt und zur Schule gebracht, nachdem auch der Rektor die Romeikes nicht umstimmen konnte. Letztlich ausschlaggebend für die Entscheidung der Familie, ihre Heimat zu verlassen, war nach Worten des Vaters ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 2007, wonach in schweren Fällen die Sozialämter Eltern ihre Kinder wegnehmen können. Nach diesem Urteil „wussten wir, dass wir das Land verlassen mussten“, erklärte der Klavierlehrer.

In den USA gehört das Erziehungsrecht der Eltern zu den hoch geschützten Rechtsgütern. Hausunterricht mit anschließendem Abschluss durch staatliche Prüfungen ist besonders in christlichen Familien eine Option. Wenn man bedenkt, dass die USA zur führenden Wissenschaftsnation der Welt aufgestiegen sind, scheint es keine schlechte Idee zu sein, die Freiheit der Eltern höher zu stellen als die Bürokratenweisheit der Amtsstuben. Und beim Zustand des deutschen Schulsystems, besonders in kulturbereicherten Zonen, gibt es wahrlich genug Gründe, seine Kinder lieber selber zu unterrichten. Es muss nicht immer wegen der Sexualkunde sein.