Griechen, kauft nicht bei Deutschen!

Deutschland wird weiter von den Griechen für deren Finanzkrise verantwortlich gemacht. Und während ein mächtiger Verbraucherverband in Athen appelliert an die Bevölkerung, deutsche Produkte und Geschäfte zu boykottieren, entblödet die deutsche Regierung sich nicht, sich in Gestalt ihres Botschafters für ein Titelbild des „Focus“ zu entschuldigen. (Foto: Stein des Anstoßes, Focus-Titelblatt)

Der SPIEGEL schreibt:

Die Anwürfe einiger griechischer Interessenvertreter gegen Deutschland haben einen neuen Höhepunkt erreicht: Der mächtige griechische Verbraucherverband Inka hat zu einem Boykott „aller deutschen Produkte und Geschäfte“ aufgerufen. „Alle Bewohner Griechenlands“ sollten das Warenembargo mittragen, heißt es auf einem Flugblatt, dass Inka unter anderem in der Hauptstadt Athen verteilen ließ – und das der Verband zudem auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.

Der Protest richtet sich in erster Linie gegen ein Titelbild des Münchner Magazins „Focus“, das die Venus von Milo mit einem ausgestreckten Mittelfinger neben dem Schriftzug „Betrüger in der Euro-Familie“ zeigt. „Wir fordern die deutsche Regierung auf, diese äußerst unangebrachte Publikation zu verurteilen“, sagte der Präsident des griechischen Verbraucherinstituts, Giorgos Lakouritis, der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. „Die Griechen sind keine Betrüger.“

Auch Inka verurteilt das Titelbild scharf. Der Text auf dem Flugblatt ist sprachlich holprig, an einer Stelle fehlt ein Wort. Grob übersetzt ist in dem Dokument zu lesen:

„Die Verfälschung einer Statue der griechischen Geschichte, Schönheit und Zivilisation, die aus einer Zeit stammt, wo sie (die Deutschen, Anm. d. Red.) Bananen auf Bäumen gegessen haben, ist unverzeihlich und nicht hinnehmbar.“

An anderer Stelle heißt es:

Eine solche Veröffentlichung sei in der Nachkriegszeit Europas noch nicht vorgekommen. Dabei seien doch alle bemüht, diese Zeit zu vergessen – mit ihren „Gräueltaten und Hunderten von Millionen von Toten durch die sinnlose Zerstörung im Namen des deutschen Hakenkreuzes, das versucht hat, die Welt mit Gewalt zu vereinen“.
(…)
Einzelne griechische Kritiker haben in den vergangenen Tagen immer wieder gegen den Betrugsvorwurf gewettert. Die Zeitung „Eleftheros Typos“ zeigte in einer Ausgabe eine Fotomontage der Goldelse auf der Siegessäule, die ein Hakenkreuz hält. Im Text dazu hieß es: “ Finanznazitum bedroht Europa“ und: „Es reicht mit der Verleumdung des Landes durch die Deutschen.“

Der griechische Parlamentspräsident Filippos Petsalnikos will sich beim deutschen Botschafter in Athen beschweren: „Der Grund, weswegen ich den Botschafter zu mir bestellt habe ist, dass die Veröffentlichungen, die nichts mit der Realität zu tun haben, jede Grenze überschritten haben“, sagte er am Dienstag. Der Bürgermeister von Athen, Nikitas Kaklamanis, rief dazu auf, „gegen diese beschämende Veröffentlichung zu protestieren“.

Auch Ministerpräsident Giorgos Papandreou sorgte für neuen Zündstoff, indem er die Frage deutscher Reparationszahlungen für das Land aus dem Zweiten Weltkrieg als ungelöst bezeichnete. Kommenden Freitag kommt Papandreou zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin. Bei dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel würden alle aktuellen Fragen auf den Tisch kommen, sagte eine Regierungssprecherin in Berlin. Deutschland stehe Griechenland bei seinen Bemühungen zur Lösung seiner Probleme solidarisch zur Seite und sei sich mit der Regierung des Landes einig.

Große deutsche Banken wollen derweil nicht mehr in Griechenland investieren. Aber Griechenland verzichtet sicher gern auf deutsche Hilfe…

(Spürnase: klausklever)