Eine Million demonstrieren für Berlusconi

Eine Million Italiener haben gestern laut italienischen Quellen für ihren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi demonstriert. Die Tagesschau, die ursprünglich auch diese Zahl genannt hatte, korrigiert sie jetzt auf 300.000, und übernimmt damit die Schätzung der linken Opposition. Demonstrationen für eine amtierende Regierung sind eine große Seltenheit, von der insbesondere linksgerichtete Politiker nur träumen können. Entsprechend sauer reagiert die mit den unbeliebten Machthabern verbündete Presse in Deutschland.

Der Spiegel hat noch einmal genau nachgezählt, weswegen es doch nur noch „einige Zehntausend“ waren, die sich vom verhassten Diktator zur Demo zwingen ließen. Ganz genaue Recherchen könnten sogar ergeben, dass eigentlich gar keiner da war, denn die wenigen, die kamen, ließ der Regierungechef selber „aufmarschieren“ und „karrte sie aus ganz Italien zusammen“. Linke Journalisten kennen es eben nur so, wie es bei ihren politischen Freunden in Kuba, Iran und Nordkorea üblich ist. Ein Qualitätsbericht aus dem SPIEGEL:

Regierungschef Berlusconi: Antwort auf „ungerechte Angriffe“

Kurz vor wichtigen Regionalwahlen will Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi die Stimmung im Land drehen: Mit Bussen und drei Sonderzügen ließ seine Partei Unterstützer nach Rom bringen – zu einer nationalen Solidaritätsbekundung. Zehntausende demonstrierten für den umstrittenen Premier.

Rom – Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat seine Anhänger in der Hauptstadt für seine Regierung demonstrieren lassen, acht Tage vor wichtigen Regionalwahlen. Zehntausende strömten am Samstag auf die Piazza San Giovanni in Rom, um in einer nationalen Solidaritätskundgebung dem konservativen Berlusconi und seiner Regierungspartei „Volk der Freiheit“ (PdL) den Rücken zu stärken.

„Die Liebe siegt immer über Missgunst und Hass“, diesen Slogan hatte die Mitte-Rechts-Partei für ihre Kundgebung ausgegeben. Sie wirft der Linken vor, Berlusconi „hasserfüllt“ zu verfolgen. Die PdL-Organisatoren verkündeten, mehr als eine Million Menschen hätten sich in Rom versammelt, eine unabhängige Schätzung gab es zunächst nicht. Die Angaben verschiedener Nachrichtenagenturen schwankten: Von mehreren zehntausend war ebenso die Rede wie von mehreren hunderttausend.

Von einer hasserfüllten Berichterstattung ist die deutsche Qualitätspresse freilich weit entfernt. Es herrscht eben nur eine gewisse Verstimmung, weil immer mehr Nachbarländer, Schweizer, Niederländer und Italiener, die Demokratie missverstehen und Meinungen äußern, die nicht im deutschen SPIEGEL stehen, der sich nach wie vor als Leitmedium für richtige Meinungen in der Welt begreift. Da lohnt es sich jedenfalls, noch einmal auf den Bildern des italienischen Fernsehens genau nachzuzählen. Vielleicht waren es ja doch nur ein paar hundert, die Berlusconi „aufmarschieren ließ“?