„Islam = Frieden“ – sogar bei der Bundeswehr

Ende vergangener Woche lud die Kreisgruppe München des Reservistenverbandes der Bundeswehr zu einer „sicherheitspolitischen Infoveranstaltung“ ein. Das Thema des Vortrags lautete „Islam und Islamismus“. Referent war der aus dem Jemen stammende Hauptmann Said Al Dailami.

(Text und Fotos: byzanz)

Im Einladungstext hieß es:

Der im Jemen geborene Referent ist als studierter Staats- und Sozialwissenschaftler Dozent an der Universität der Bundeswehr Neubiberg und forscht fokussiert auf dem Gebiet des Islam und Islamismus sowie dem aktuellen innerarabischen Diskurs über Reform- und Erneuerungsdenken in der islamischen Glaubens- und Rechtslehre. Er wird in dieser ca. zweistündigen Veranstaltung eine Einführung zum Islam geben, auf die Gründe, Erscheinung, Wahrnehmung und Rezeption des Islamismus eingehen und anschließend Gelegenheit zu Fragen und Diskussion geben.

Gleich zu Beginn des Vortrages wurde klar, wohin die Reise mit dem jemenitisch-stämmigen Hauptmann geht. Er erklärte, was der Begriff Islam bedeutet:

„Islam heißt Frieden, Reinheit, Hingabe, Gehorsam“

Wunderbar. „Gehorsam“ hört sich schließlich in Bundeswehr-Ohren ganz vertraut an. Die wörtliche Übersetzung „Unterwerfung“ verschwieg er seinen Kameraden lieber. Wie auch noch so vieles andere an diesem Abend. Denn er versuchte auch klarzustellen, dass Zwangsehen, Verstümmelungen und Ehrenmorde nichts mit dem Islam zu tun hätten. Es handele sich vielmehr um eine Vermischung aus Kultur, Tradition und Religion.

Al Dailami unterschlug ganz bewusst Fakten. Denn selbstverständlich hat alles mit dem Islam zu tun. Zum Thema Verstümmelung gibt es eine klare Stelle in der Sunna, in der der Prophet das Beschneiden der weiblichen Klitoris befürwortet. Es solle nur nicht „zuviel“ weggeschnitten werden. Daher spricht sich auch keine der vier islamischen Rechtsschulen gegen die Beschneidung aus, sondern sie wird sogar befürwortet und als “ehrenhaft“ angesehen. Der Dialog von Mohammed mit Umm Habibah im „Hadith der Beschneiderin“ ist unmissverständlich:

„Aber ja, es ist erlaubt. Komm näher, damit ich dich unterweisen kann: Wenn du schneidest, übertreibe nicht, denn es macht das Gesicht strahlender und es ist angenehmer für den Ehemann“.

Was die Zwangsehe anbelangt, gilt der Prophet als bestes Vorbild, denn er heiratete als 52-jähriger ein sechsjähriges Mädchen. Diese Ehe vereinbarte er mit dem Vater des Mädchens. Und er schwärmte von der Ehe mit einer Jungfrau:

„Heiratet eine Jungfrau! Denn sie ist gebärfähig, hat eine süße Zunge, Lippen. Ihre Unreife verhindert Untreue, und sie ist mit euch in allem einverstanden. Im sexuellen Leben hingebungsvoll, genügsam. Ihre sexuellen Organe unbenutzt, kann sich eurem anpassen und mehr Lust bringen.“ (Necla Kelek, „Die fremde Braut“, S. 159)

Hier sind wir übergangslos beim Thema Ehrenmord. Denn eine muslimische Frau hat bis zur Heirat demzufolge ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Wenn sie sie verliert, handelt sie unislamisch. Was der Islam beim Abfall vom Glauben vorschreibt, erwähnte Al Dailami natürlich ebenfalls nicht, denn Mohammed forderte klar und deutlich: „Wer den Islam verlässt, den tötet“. Nachzulesen in der Sunna, der Tradition des Propheten Mohammed, bei Bukhari V4 B52 N260, berichtet von Ikrima:

Ali tötete einige Menschen indem er sie verbrannte und diese Neuigkeit erreichte Ibn Abbas, der dazu sagte: „Wäre ich an seiner Stelle gewesen, ich hätte sie nicht verbrannt, denn der Prophet sagte: ‚Bestrafe niemanden mit der Strafe, die Allah vorbehalten ist‘.“ Kein Zweifel, ich hätte sie auch getötet, denn der Prophet sagt: „Wenn ein Muslim seine Religion verlässt, dann töte ihn.“

So sind sich die Gelehrten der verschiedenen Rechtsschulen des Islams darüber einig, dass der Abfall vom Glauben mit der Hinrichtung des Renegaten geahndet werden muss, gilt doch die Apostasie als Auflehnung gegen Gott und als Aufkündigung der Mitgliedschaft in der islamischen Umma und ist damit eine direkte Gefährdung dieser Gemeinschaft in ihrem Bestand.

Aber wir befanden uns schließlich nicht in einer ernsthaften Informationsveranstaltung. Die Bundeswehrler sollten ganz offensichtlich beruhigt werden. Dass der Islam doch gar nicht so schlimm sei und nur von „Extremisten missbraucht“ werde. „Die Welt mit den Augen eines Muslim sehen“ war ein Untertitel des Vortrages. Nun, dazu war in der Folge ausreichend Gelegenheit.

Hauptmann Said Al Dailami erzählte allen Ernstes, dass sich kein Moslem auf Mohammed berufen könne, wenn er eine Steinigung wegen Ehebruch durchführe. Denn in der Sunna stünde lediglich geschrieben, dass Mohammed einmal bei einer Steinigung „vorbeigekommen“ wäre und „nichts gesagt“ hätte. Daraus würden „Fundamentalisten“ schließen, dass die Steinigung also Gesetz wäre.

Abenteuerlich. Jeder, der einmal in der Sunna herumgestöbert hat, kennt die Geschichte von der Frau, die zu Mohammed geht und ihm ihren Ehebruch beichtet. Da sie schwanger ist, ordnet der „Prophet“ an, dass sie ihr Kind zur Welt bringen und es umsorgen solle, bis es nicht mehr gestillt werden müsse. Dann solle sie zurückkommen. Als sie dann kam, ließ Mohammed die bedauernswerte Frau steinigen. Knallhart. In den Hadithen gibt es ein halbes Dutzend solcher Berichte, in denen Mohammed die Steinigung anordnete. Solch irritierende Fakten erwähnte der muslimische Hauptmann lieber nicht. Schließlich würden sie das Bild eines friedlichen und harmlosen Islam beeinträchtigen.

Der Referent bezeichnete sich als „moderaten“ und „aufgeklärten“ Moslem. Er sei Schiit und gehöre zu der Glaubensrichtung der Zaiditen. Laut Wikipedia steht diese Gruppierung dem sunnitischen Islam am nähesten unter den Schiiten. Al Dailami sagte, dass er die Sunna nicht wörtlich nehme, denn dort stünden Berichte, die irgendwelche Muslime erzählt hätten, die irgendetwas von irgendwem gehört hätten. Nun, diese Aussage macht ihn zwar ganz sympathisch, spricht aber nicht generell für den Islam. Denn er vergaß zu erwähnen, dass die Sunna im Islam die zweite tragende Säule neben dem Koran ist und die meisten strenggläubigen Moslems die Erzählungen dort zur Richtschnur ihres eigenen Handelns nehmen. Und solange keine islamische Autorität diese Schriften als überholt oder nicht zuverlässig einstuft, müssen sie auch ernst genommen werden.

Im weiteren berichtete Al Dailami wahrheitsgemäß, dass viele Moslems Vernunftdenken als Häresie ansähen. Für sie gebe es nur den Koran und die Sunna, alles andere interessiere sie nicht. Bei ihm sei das natürlich anders. Je mehr ich aber dem Hauptmann zuhörte, desto bekannter kamen mir Stimme und Gesicht vor. Und als ich mir die schmucke Uniform wegdachte, wurde mir bewusst, dass ich ihm schon einmal begegnet bin. Und zwar beim Vortrag von Hamed Abdel-Samad an der Münchner Universität am 9. Februar. Hamed Abdel Samad hatte erklärt, dass es zur Modernisierung des Islams unbedingt einen „post-koranischen Diskurs“ geben müsse. Dieses Buch solle dorthin zurückgesteckt werden, wo es herkam: Ins 7. Jahrhundert. Damals fragte der Hauptmann, allerdings in zivil gekleidet, gleich als erster in der Diskussionsrunde recht irritiert nach, was auch in der PI-Reportage beschrieben ist:

„Was bleibt denn vom Islam übrig, wenn man ihm den Koran wegnimmt? Das ist genauso, als ob man dem Christentum Jesus wegnehmen würde.“

Nun, damit hatte sich Said Al Dailami als nicht gerade aufgeschlossen für die Modernisierungsdebatte erwiesen. Und dieser Mann erzählte jetzt in Bundeswehrkreisen, dass der Islam doch gar nicht so schlimm sei. Und er verhielt sich dabei wirklich sehr geschickt, so dass er schnell die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hatte. Er zeigte sich charmant, lachte, machte selbstironische Scherze und stellte sich selbst in Frage. Er berichtete auch in verständnisvollem Ton über Situationen, in denen er bei der Bundeswehr kontrolliert wurde. So sei er schon einmal vor einem Transall-Flug von einem Vorgesetzten abgetastet worden. Er habe das durchaus verstanden und sei auch nicht böse gewesen. „Selbstverständlich checken Sie mich, sie haben ja Recht, misstrauisch zu sein, schließlich passiert ja so viel“. Und die Besucher in der proppenvollen Gaststätte „Zum Alten Wirt“ in München-Giesing beruhigte er auch mit einem Augenzwinkern: „Sie brauchen keine Angst zu haben, ich habe keinen Sprengstoffgürtel umgebunden“.

So erntete er ein befreiendes Gelächter. Die Beklemmung über das Thema Islam schien zu weichen. Da stand doch ein moderner, aufgeklärter Moslem. Einer von uns. In unserer Uniform. Der auch noch sagte: „Ich stehe zu diesem Land. Ich bin hier aufgewachsen. Ich verdanke ihm viel. Ich möchte es verteidigen.“

Und auf dieser Basis des allmählich aufgebauten Vertrauens versuchte Al Dailami nun, Verständnis für die muslimische Welt zu wecken. Woher komme denn der Extremismus in der islamischen Welt?

Da kam gleich die typisch muslimische Opferrolle ins Spiel: Die wirtschaftliche Verschlechterung gegenüber anderen Regionen und die Kolonisation durch die Europäer hätten bei den meisten Muslimen Vorbehalte gegenüber dem Westen geschaffen. Nachdem die Staatsgebiete der meisten islamischen Länder das Ergebnis nachkolonialer Grenzziehungen sei, sehe man sich bevormundet. Und der Versuch, westliche Zivilisationsmodelle wie Kapitalismus, Sozialismus oder Nationalismus zu übernehmen, seien allesamt gescheitert. Von der Demokratie sprach Al-Dailami in diesem Zusammenhang nicht.

Und natürlich sei die Errichtung des israelischen Staates in Nahost ein Fremdkörper mitten in der islamischen Welt. Die Niederlage im 6-Tage-Krieg 1967 habe eine Demütigung der arabisch-islamischen Staaten ausgelöst. Dies habe eine Radikalisierung zur Folge gehabt, die sich im Wahabismus, der strengen orthodoxen Auslegung des Islam, manifestiere.

Ein weiteres Problem sei die Bildungsferne. So läge der Analphabetisierungsgrad beispielsweise im Jemen bei 70%. Außerdem gebe es Repressalien und tägliche Entwürdigungen durch das despotische und diktatorische Regime. Die soziale Verelendung und die ausweglose Situation führten zu einer Identitätskrise. Und da helfe die Religion. Sie schaffe eine Identität. Sie liefere eine Weltanschauung, in der sich diese Menschen wiederfinden könnten. Und so werde auch der Drang gefördert, sich für diese Religion zu opfern. Zumal sich kein Moslem sicher sein könne, ins Paradies zu gelangen. Denn gewiß könne nur der Märtyrer sein. Nur wer für die Sache Allahs sterbe, komme ganz bestimmt zu den 72 Jungfrauen.

Da der Islam die Einheit von Staat und Religion sei, würde er zum „archimedischen Punkt“ für die Gläubigen. Für sie sei der Islam die einzig authentische, autochthone und politisch kulturelle Identität. Jedes Modell des Westens werde als geistige Kolonisation verurteilt. So vollziehe sich eine rücksichtslose „Ideologisierung“ der Region.

DISKUSSION

Zunächst nahm der Hauptmann eine Reihe von Fragen auf. Er beantwortete sie anschließend zusammenhängend. So vermied er den direkten Dialog. Die anwesenden Reservisten und aktiven Soldaten waren offensichtlich nach dem doch insgesamt sehr sympathisch wirkenden Vortrag nicht so sehr auf Kritik eingestellt. Aber immerhin wurde zu der Deutung des Begriffes „Islam“ nachgefragt. Ob es übersetzt nicht doch „Unterwerfung“ hieße. Al Dailami versuchte in der Beantwortung den Wortstamm „Salam“ ins Spiel zu bringen, und das bedeute schließlich Frieden. An dieser Stelle spürte man, dass er das erste Mal leicht ins Schwimmen kam.

Eine weitere Frage war, ob Juden und Christen nun zu den „Ungläubigen“ gehörten, die ja schließlich laut Koran bekämpft, erniedrigt und bei Gegenwehr getötet werden sollen. Al Dailami zitierte hierbei Passagen aus der friedlichen Anfangszeit des Propheten, als er sich noch nicht in der Machtposition befand und versucht hatte, Juden und Christen durch Einschmeicheln zu sich herüberzuziehen. Sie seien „Schriftbesitzer“ und würden einen Sonderstatus genießen. Bezeichnenderweise erwähnte Al Dailami nicht, dass es im Islam das Prinzip der Abrogation gibt, denn die späteren kriegerischen Verse heben die eher harmlosen früheren auf.

Nachdem Al Dailami die These aufgestellt hatte, der Islam werde durch „Extremisten missbraucht“, fragte ich, ob diese „Extremisten“ nicht eher folgsame Gläubige sind, die die exakten Anweisungen des Koran umsetzten. Schließlich steht das Wort „Töten“ dort 27 Mal in der unmissverständlichen Befehlsform. Er meinte, die Gewalt mache vielleicht 20% im Koran aus. Es gebe auch viele friedliche Passagen, beispielsweise werde das Töten auch verboten. Als Beweis versuchte er den Vers 5,32 anzubringen, in dem behauptet werde, „wer einen Menschen tötet, der tötet die gesamte Menschheit“. Dies ist ein ganz wichtiger Punkt für jede Diskussion mit einem Moslem, da dieser Vers immer wieder als Vorwand für die scheinbare Friedlichkeit des Islam zitiert wird. Er wird aber immer unvollständig wiedergegeben. Daher noch mal Sure 5 Vers 32 exakt zum Nachlesen:

Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, daß, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne daß dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne daß ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.

Auf meinen Einwand, dass hier also klar gesagt werde, das Töten sei nur ohne einen gewichtigen Grund verboten, ging Al Dailami nicht ein. Er meinte vielmehr, es sei nicht seine Meinung, dass der Islam gewaltverherrlichend sei. Wie das denn sein könne, entgegnete ich, wenn schon der Prophet dieser Religion selbst seine Kritiker umbringen ließ, hunderte gefangene Juden in Medina köpfen ließ, unzählige Eroberungskriege führte, Karawanen überfiel und ausraubte? Dass die ganze Sure 8 sich nur um das Beutemachen und das Verteilen der Beute dreht? Jetzt wurde es unruhig im Raum. Das war zuviel der Disharmonie. Es gab Zwischenrufe. Der Kamerad wurde verteidigt. Warum ich denn gekommen sei, wenn ich mich nicht auf seine Argumentation einlassen wolle. Die Diskussion wurde beendet.

Ich suchte anschließend noch das persönliche Gespräch mit Herrn Al Dailami, um die Fakten mit ihm abzuklopfen. Ich wollte herausfinden, wie dieser Mensch wirklich tickt. So sprach ich ihn auf die Steinigungsgeschichte mit Mohammed an. Er gab zumindest zu, sie zu kennen. Im weiteren fragte ich ihn nach den vielen eindeutigen Tötungsanweisungen des Koran. Er stritt sie nicht ab, sei aber der Auffassung, sie würden nur für die damalige Zeit gelten.

Es nützt aber überhaupt nichts, wenn ein Einzelner diese Auffassung hat oder vorgibt, so zu denken. Alle Rechtsschulen und die wichtigsten Gelehrten des Islam sehen es eben anders. Da gilt der Koran als zeitlos gültiges Wort Allahs und unveränderbar. So ist es regelrecht ein Skandal, wenn in Bundeswehrkreisen solch islamverharmlosende Referate gehalten werden. Bei Menschen, die sich nicht mit den Fakten auskennen, hinterlässt das einen völlig falschen Eindruck dieser totalitären Ideologie.

Diese Botschaften kommen bei Soldaten an, die sich möglicherweise demnächst in islamischen Ländern befinden. Vielleicht haben sie jetzt sogar Verständnis für einen Selbstmordattentäter und sehen in ihm ein bedauernswertes Opfer, das sich und andere aus „Verzweiflung“ in die Luft sprengt.

Auf diese Weise wird die Wehrhaftigkeit und Entschlossenheit unserer Bundeswehr untergraben.

Kontakt:

» Reservistenverband Bayern: landesgeschst_bayern@vdrbw.de
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