Nur eine Woche Arrest für zertrümmertes Gesicht

Ein Menschenleben ist nichts wert, was denn schon ein Gesicht? Was müssen Täter eigentlich anstellen, um mal im Gefängnis zu landen? Steuern hinterziehen (die Gefahr besteht kaum)? Schwarzfahren? Wenn man jemanden fast oder ganz umbringt, einfach zugeben – das gibt Bonus beim Richter. Und alle Rufe nach schärferen Strafen aus Politikermund sind nur Placebos für’s Volk.

Die Münchner Tageszeitung berichtet:

Zwei Heranwachsende (18 und 19) aus Fahrenzhausen hat das Amtsgericht Freising zu je einer Woche Jugendarrest verurteilt. Der 18-jährige Kaufmann und sein ein Jahr älterer Freund hatten im September einen Freisinger (21) brutal misshandelt. Dabei schrammten die Schläger knapp an einer wesentlich härteren Strafe vorbei – nach Erwachsenem-Strafrecht.

Der Freisinger hatte keine Chance. Wenige Minuten nach Mitternacht verließ der 21-Jährige am 5. September vergangenen Jahres die Weinhalle an der Luitpoldhalle in Freising. Da drosch ihm der 18-Jährige ohne Vorwarnung die Faust ins Gesicht. Der Freisinger brach sofort zusammen. Mit Anlauf und den Worten „Kommt, lasst ihn uns fertigmachen“ auf den Lippen stürzte sich dann der 19-Jährige Spezl des erstens Schlägers auf den am Boden liegenden Freisinger und trat zu.

Der 21-Jährige, der das Bewußtsein verlor, erlitt ein Schädeltrauma und einen Nasenbeinbruch. Wie er dem Gericht mitteilte, stehen ihm noch Operationen an der Nase bevor. „Ich bekomme keine Luft mehr.“

Der Richter machte angesichts von drei Polizisten, die das Ganze beobachtet hatten, deutlich, dass es keinen Sinn machen würde, zu leugnen.

Dennoch war der 19-Jährige nahe daran, sich um Kopf und Kragen zu reden. „Ich spiele Fußball“, polterte er los. „Wenn ich zutrete, dann ist da nichts mehr!“ Nach eindringlicher Ermahnung durch den Ankläger, ließ der 19-Jährige von dieser Art der „Beweisführung“ ab. Die neuen Fakten – festes Schuhwerk und geübter Fußballer – hätten laut Staatsanwalt unter Umständen eine Anklage wegen versuchten Mordes rechtfertigen können.

Die Geständnisse beider Angeklagten honorierte das Gericht mit einem Urteil nach Jugendrecht. Beide müssen für eine Woche in Arrest und ihrem Opfer Schmerzensgeld zahlen; 300 Euro der 18-Jährige, 1000 Euro sein Freund.

Also kein bißchen Reue. Lediglich die Einsicht, dass lügen angesichts der Zeugen keinen Sinn macht. Und der Versuch, den Richter als Idioten hinzustellen. Und der honoriert das noch…

(Spürnase: Florian G.)