Wie funktioniert mediale Manipulation?

Bildauswahl: „Lichtgestalt“ Obama (l.) und „Mann der Finsternis“ Wilders.

Eines der Hauptkriterien für guten Journalismus ist Objektivität. Ein guter Journalist informiert. Die Bewertung der Information überlässt er dem mündigen Leser. Neben einer unbewussten und damit ungewollten Stellungnahme des Journalisten, gibt es die bewusste, also gewollte Manipulation. Der WELT-Artikel „Rechtspopulist Wilders stürzt in Umfragen ab“ von heute (PI berichtete) ist ein weiteres Beispiel für diesen schlechten, weil bewusst manipulierenden Journalismus.

(Von kai1000)

In dem Artikel findet sich eine ganze Reihe von Techniken, die Meinung des Lesers in eine bestimmte Richtung zu lenken:

Zu einer der grundlegendsten Techniken gehört die Stigmatisierung durch verunglimpfende Termini wie etwa „Rechtspopulist“. Ein Populist bedient sich der Demagogie, er schürt Ängste, die er zu seinem Vorteil nutzen will. Sein Handeln ist nicht von Überzeugung, sondern von Opportunismus geprägt. Ist jemand erstmal als „Populist“ gebrandmarkt, ist damit die Abwertung seiner Position erreicht. Einem Lügner gleich, dem Glauben zu schenken nicht lohnt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit seinen Aussagen wird somit vorgebeugt.

Der Terminus „Islamfeindlichkeit“ impliziert, dass aus einer Position der Aggression heraus agiert wird. Das Gegenteil ist der Fall. Wilders – und auch die gesamte Bewegung um PI – agiert aus der Defensive, als Reaktion auf die Bedrohung unserer freiheitlichen, säkularen und pluralistischen Gesellschaft. Die Verteidigung von Freiheit und Menschenrechten wird in eine unreflektierte Feindschaft umgedeutet. Auch dieser Terminus schwächt Wilders Position.

Ein weiterer Begriff, der häufig Verwendung findet (allerdings nicht in diesem WELT-Artikel), ist Islamophobie. Sachliche und vor allem begründbare Kritik am Islam wird damit zu einer irrationalen Angst im pathologischen Sinne erhoben. Eine Phobie, also eine krankhafte Angst, die einer ärztlichen Behandlung bedarf. Somit wird Islamkritik auf eine Ebene gestellt mit Spinnen-, Flug- oder Platzangst.

Neben der sprachlichen Manipulation ist die Manipulation durch Bilder eine noch wirksamere Technik. Die Auswahl des Motivs ist maßgeblich für die Sympathie, die durch das Bild und damit durch den Artikel transportiert wird. Der Vergleich von zwei WELT-Artikeln verdeutlicht die Wirksamkeit dieser Technik.

Beispiel 1 (WELT-Artikel vom 12.03.2010)

Der Fotograf bezieht hier eine Position unterhalb des fotografierten US-Präsident Barack Obama. Die Perspektive zwingt den Betrachter hinaufzusehen, er wird automatisch in eine unterlegene Position gezwungen. Der Blick Obamas ist in die Ferne gerichtet, impliziert weitsichtiges Handeln. Die gehobene Hand verbindet ihn wohlwollend mit dem Publikum, macht ihn zu einem Teil desselben. Das Lächeln transportiert Sympathie und Freundlichkeit. Das Bild bewirkt in der Summe eine Heroisierung Obamas, er wird als Lichtgestalt inszeniert.

Ganz anders die Inszenierung von Geert Wilders.

Beispiel 2

Geert Wilders lächelt nicht, er wirkt bedrohlich. Zudem wird er unvorteilhaft von unten beleuchtet. Seine Gesichtzüge erhalten durch die Beleuchtung geradezu teuflische Züge, durch die Schatten an den Augenbrauen entsteht ein „böser Blick“. Zudem ist Geert Wilders von Dunkelheit umgeben. Die unterbewusste Assoziation mit Dieben und Verbrechern, die sich nur im Schutz der Nacht aus ihrem Versteck wagen, wird provoziert. Das Bild bewirkt eine Diabolisierung Wilders’.

Um es ganz deutlich zu sagen. Die Presse spielt in einer freien Gesellschaft eine Schlüsselrolle bei der Kontrolle der drei staatlichen Gewalten und seiner Institutionen. Daher soll ein Journalist Positionen von Politikern kritisch hinterfragen – auch die eines Geert Wilders. Wenn aber die Grenze von objektiver Kritik zu öffentlicher Diffamierung überschritten wird, ist das ein klarer Missbrauch journalistischer Privilegien.

Journalisten, die sich ihrer besonderen Verantwortung als Meinungsmacher nicht mehr bewusst sind und die Pressefreiheit für ihre eigenen Ziele missbrauchen, demontieren diese als eine der Grundsäulen unserer Demokratie – und Missbrauch ist immer die Vorstufe von Zerstörung.