Pfarrer sympathisiert mit Grauen Wölfen

Pfarrer Wolfgang Hartmann (r.) sympathisiert mit Grauen WölfenDer Pfarrer der Reutlinger Christuskirche Wolfgang Hartmann (Foto r.) hat enge freundschaftliche Verbindungen zu der nebenan residierenden TGO, die den rechtsextremistischen Grauen Wölfen zuzurechnen ist, und stellte ihnen den Gemeindesaal wiederholt zur Verfügung. Kritiker dieser Angelegenheit, die sich mündlich an ihn wandten, wurden allesamt übel diffamiert.

… diese … Gruppierung … möchte, dass quasi alles was mit Islam zu tun hat, möglichst aus Deutschland verschwinden soll.

Auch von der ACK und dem Kirchengemeinderat. In einer kürzlichen Resolution an die Kritiker schreibt zu diesem Thema der Kirchengemeinderat unter anderem:

Erforderlich ist die Bereitschaft sich auf fremde Glaubenvorstellungen einzulassen, ohne sie gleich zu bewerten oder zu verurteilen…

Jetzt wurde ein Video gefunden mit dem türkischen Hitlergruß im Gemeindesaal der Christuskirche, das eigentlich schon über ein Jahr online war, aber erst jetzt an die Öffentlichkeit kam. Es wurde zwar sofort nach Veröffentlichung des Skandals von den Grauen Wölfen gelöscht. Im Laufe desselben Tages wurde aber eine Kopie wieder ins Netz gestellt:

Ein Musterbeispiel von „Qualitätsjournalismus“ hat sich der SWR-BW zu diesem doch eigentlich eindeutigen Sachverhalt am Donnerstag geleistet. Der Redakteur Kay-Uwe Henning vom Studio Tübingen brachte diesen verzerrenden TV-Beitrag. Die Überschrift in der Sendung „BW-Aktuell“ lautete dort noch „Dialog der Religionen gestört. – Rechtsextreme „Graue Wölfe“ nutzten Reutlinger Christuskirche für Treff“. Aus dem gleichen Roh-Material wurde dann der Beitrag der Landesschau Baden-Württemberg gemacht und ergänzt. Der Titel mutierte jetzt aber zu „Rechtsextreme gefährden christlich-islamischen Dialog“. Mit der Bezeichnung Rechtsextreme waren jetzt aber nicht mehr die Grauen Wölfe gemeint, sondern dass eine Kopie vom eilig gelöschten Wolfsgrußvideo ins Netz gestellt wurde. Dabei wurde folgende These vom SWR konstruiert, wobei es mit allem Verlaub sehr nach der Handschrift von Pfarrer Hartmann riecht:

Gefragt werden kann aber auch, warum das Video erst jetzt publik wurde, obwohl die Veranstaltung bereits vor über einem Jahr stattgefunden hat…

Fakt ist aber. Als dieser Artikel am 3.4.2010 in der Südwestpresse veröffentlicht wurde, bezog sich der Artikel auf diesen Link, der wenige Stunden nach der Medienveröffentlichung von den Reutlinger Grauen Wölfen gelöscht wurde. Gottseidank hatte es ein User sofort nach dem Pressebericht auf seiner Festplatte gesichert, und er stellte es am selben Tag neu ins Netz, bald darauf auch ein anderer User. Wäre dies nicht getan worden, gäbe es einen Medienbericht der SüdWestPresse, wo die Quelle gar nicht mehr existiert. Deshalb ist es umso schlimmer, dass die Landesschau dies angreift und dazu noch mit einer hanebüchenen Unterstellung. Der Text des kurzen Beitrags in der Landesschau Baden-Württemberg lautet:

Rechtsextreme gefährden christlich-islamischen Dialog – Reutlingen

Sprecher:
Pfarrer Wolfgang Hartmann ist sauer. Seit 5 Jahren schon setzt er sich für den christlich islamischen Dialog ein, hat seine Kirche auch für die benachbarte Türkische Gemeinschaft TGO geöffnet. Und Nun beweist ein Video dass während einer TGO-Jugendveranstaltung im evangelischen Gemeindesaal der Wolfsgruß zu sehen ist, das Zeichen der rechtsextremen Grauen Wölfe.

Landesschau: Wolfgang Hartmann, Pfarrer Christuskirche Reutlingen:
Ich war eigentlich traurig. Weil ich hatte gemeint, das die 5 Jahre in dem wir ein gutes freundschaftlich nachbarschaftliches Verhältnis haben zur türkischen Gemeinschaft dadurch – äh – nachhaltig gestört wurde.

Sprecher:
Noch am Osterwochenende hat der Kirchengemeinderat deshalb einen von Pfarrer Hartmann verfassten Brief abgeschickt. Darin wird die politische Aktion missbilligt, und die Nachbarn von der türkischen Gemeinschaft werden aufgefordert den Vorfall aufzuklären. vor der Kamera wollte sich niemand von der TGO dazu äußern, der erste Vorsitzende sei gerade in der Türkei erst wenn er wieder da sei könne man etwas sagen. Aber der Fall beschäftigt auch die Reutlinger Polizei, denn die TGO ist eine von vielen Reutlinger Organisationen, die einem von der Polizei ins Leben gerufenen Netzwerk zur Integration angehören.

Landesschau, Andrea Kopp, Polizei Reutlingen:
Wir haben uns ja im Rahmen dieses Präventionsnetzwerks „Hand in Hand“ ganz bewusst zu einer Zusammenarbeit entschlossen gehabt. Diese Zusammenarbeit ist aber ganz klar an Bedingungen geknüpft unter anderem natürlich auch dass keine politische Betätigung erfolgt nach Außen in der Öffentlichkeit und dies überprüfen wir jetzt noch einmal ganz genau inwiefern diese Bedingungen möglicherweise so verletzt wurden dass eine Zusammenarbeit tatsächlich in Frage gestellt werden muss.

Sprecher:
Gefragt werden kann aber auch warum das Video erst jetzt publik wurde, obwohl die Veranstaltung bereits vor über einem Jahr stattgefunden hat. Internetkommentare greifen dabei aber auch ganz gezielt den Pfarrer der Reutlinger Christuskirche an. Gut Möglich also dass die fragwürdige politische Ausrichtung der türkischen Gemeinschaft ein Vorwand ist um die kulturelle Öffnung der Christuskirche zu verhindern, und zwar von einer ultrakonservativen Christengruppe namens Pax Europa.

Landesschau: Pfarrer Hartmann, Pfarrer Christuskirche Reutlingen:
Ich kann mir vorstellen dass nun die Gruppe versucht hat irgendwie aus der Vergangenheit etwas zu finden um sozusagen hier den Bürger, die Bürgerin – ähm – ja zu verschrecken und mit aufzuwiegeln – äh – um diesen Prozess zu stoppen.

Sprecher:
Der christlich-islamische Dialog in Reutlingen soll aber in jedem Fall fortgesetzt werden, und Pfarrer Hartmann hofft, dass er dabei auch weiterhin vertrauensvoll auf seine muslimischen Nachbarn zugehen kann.

Interessant ist, wenn man das Schreiben an die Grauen Wölfe der TGO liest, das Pfarrer Hartmann verfasste und vom Kirchengemeinderat abgesegnet wurde. Dazu braucht man nur einen Screenshot von 0:47 Minute zu machen und schon liest man im drittletzten Absatz:

Der Kirchengemeinderat möchte aber betonen, dass er auch in Zukunft den „Christlich – islamischen Dialog“ nach Kräften unterstützen wird.

Das heißt im Klartext, dass der ganze Brief-Text mit der „Aufklärungsforderung“ – was gibt es denn da noch aufzuklären – eine Farce ist und sie nach einer Schamfrist weitermachen werden wie bisher. Es hätte ja auch Mesut Demirezen, offizieller Sprecher der TGO eine Stellungsnahme abgeben können, aber der warf früher in der Lokalzeitung lieber Nebelkerzen, ohne dass er in dem Leserbrief auf seinen offiziellen TGO-Posten hinweist. Wenn genug Gras drüber gewachsen ist, dann taucht auch der Vereinsvorsitzende Saffet Karaduman aus der Türkei wieder auf.

Während dieser Zeit kann sich der SWR mal kundig machen, wer Pax Europa (genauer Bürgerbewegung Pax Europa) überhaupt ist, bevor er sie wieder als „ultrakonservative Christengruppe“ diffamiert. Außerdem sind viele der Kritiker gar keine Mitglieder von Pax Europa, sondern lediglich engagierte Menschenrechtler. Bei einem nächsten Beitrag sollten sie auch nicht nur die Legendenbildung und Verschwörungstheorien – das ist ja nicht nur ein muslimisches Privileg – von Pfarrer Hartmann unreflektiert übernehmen. Ich jedenfalls bin wegen solcher Kirchenvertreter wie in Reutlingen aus der Kirche ausgetreten, und möchte wegen Gottes Bodenpersonal auf keinen Fall als Christ bezeichnet werden, sehr positive Beispiele kenne ich allerdings auch.

Zusammengefasst ist Pfarrer Hartmanns Fehler, dass er den übergeordneten Grundsatz nicht beachtet, den die Islamkritiker beachten. Nämlich, dass sie sich gegen eine Ideologie (in diesem Fall die Nationalistische Ideologie der Grauen Wölfe) wenden, dass sie sich aber ausdrücklich nicht gegen den einzelnen Menschen wenden. Die positive Erfahrung als Mensch, welcher Pfarrer Hartmann mit seinen Nachbarn gemacht hat, muss er dringendst auch erweitern, und deren Ideologie und deren Inhalt kritisch hinterfragen. Nach sehr schlechten Erfahrungen mit der Betonriege der Gutmenschen, kann ich den Willen, das Ergebnis und Verlauf ohne hellseherische Fähigkeiten aber voraussagen. Die problemlos integrierten Aleviten, säkulare Türken, Bahais, Latinos und Vietnamesen (von denen bekanntlich 75 bis 85 Prozent das Abitur schaffen) werden aber bedauerlicherweise weiterhin unbeachtet und ausgeschlossen von der Christuskirche bleiben.

Kontakt:

» Peter Boudgoust, SWR-Intendant: info@swr.de
» Wolfgang Hartmann: ev.christusgemeinde@kirche-reutlingen.de

(Gastbeitrag von anonymouse)