Ägypten: Blogger edathiert

Am Sonntag berichtete der ARD-Weltspiegel über Blogger in Ägypten, die durch das Ministerium für Edathierung™ mundtot gemacht werden gehindert werden, ihre Hetze zu verbreiten. So setzte sich einer – in seiner unvorstellbaren Dreistigkeit – für die Interessen seines Volkes, den Berbern, ein.

Vor drei Jahren hat das Edathierministerium den Blogger Messud in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet. Dabei drangen die zehn(!) Beamten trotz Verbots Messuts auch in das Schlafzimmer seiner Ehefrau, Salama (Foto oben), ein.

Blogger Messud, der bei seiner Verhaftung ob seiner „Gefährlichkeit“ in Ketten abgeführt wurde, verbleibt derweil ohne Urteil und Anklage auch nach drei Jahren weiterhin in „Untersuchungshaft“. Dabei teilt er sich die Zelle mit Drogenhändlern und Mördern. Mussad hatte in seinem Blog geschrieben, die Regierung sei an den unhaltbaren Bedingungen für Beduinen schuld. Aber im Internet die ureigensten Interessen seines Volkes zu vertreten, wird in Ägypten im Rahmen des Kampfes gegen Rechts™ unterbunden.

Auch Blogger Nagy droht eine ähnliche Behandlung – zeigt er doch der Regierung Mubarak auf seiner Internetseite den Mittelfinger. Eine Seite, die bei einer Einwohnerzahl von 82 Millionen Ägyptern gerade einmal von 420 Nutzern am Tag aufgesucht wird. Dennoch wird der Blog seitens des Staates offensichtlich als äußerst gefährlich eingestuft. Nagy führt auf seiner Seite an, diese Regierung betrüge die Arbeiter, die keinen gerechten Lohn erhielten. Nagy ist der Auffassung, dass die Wirtschaftskraft des Landes den Leuten zur Verfügung stehen sollte, deren Arbeit diese geschuldet ist.

Die Ehefrau des Bloggers Mussad, Salama, schreibt trotz der Erfahrung staatlicher Repression fast täglich an ihrem Blog und beklagt dabei die miserable Lage der Beduinen auf dem Sinai. Sie setzt so die Arbeit ihres inhaftierten Ehemannes fort. Dabei wird sie durch die vielen Solidaritätsbriefe aus aller Welt bestärkt.

Trotz aller Widerstände und Gefahren machen diese Blogger weiter und nehmen auch entgegen dem staatlichen Willen für sich in Anspruch, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu äußern. Dabei lassen sie sich weder einschüchtern noch durch eine bislang geringe Reichweite ihres jeweiligen Blogs entmutigen.

(Text: Nockerl, Videobearbeitung: Antivirus)