Auch Belgier könnten verkehrt wählen

Italien, Schweiz, Tschechien und zuletzt die Niederlande: Unsere europäischen Nachbarvölker machen, was sie wollen, und ihr Kreuzchen mit Vorliebe da, wo es die deutschen Tugendwächter verboten haben. Nach dem Wilders-Schock vom Mittwoch könnte das nächste Ungemach schon morgen drohen. In Belgien.

Dort droht ein dicker Mann an die Macht zu kommen, der sich von blutigem Fleisch, fetten Würsten und höchstwahrscheinlich auch gebratenen Mohammedanerkindern ernährt. Die Kleine Zeitung aus Österreich warnt die Ihren schon mal vor der nächsten Ohrfeige:

Bart De Wever isst nicht nur am liebsten Fleisch – blutiges Tatar, Schweinespeck und fette Würste aus den Ardennen. Deftig fällt auch seine Antwort auf die Frage aus, wie es denn weitergehen soll mit seinem Heimatland, das zu zerbrechen droht an einem bizarren Sprachenstreit, der es nun bereits seit Jahrzehnten im Würgegriff hält. „Lasst Belgien verdampfen“ sagt der schwergewichtige flämische Nationalist, dem alle Umfragen voraussagen, dass er aus den morgigen vorgezogenen Wahlen als Sieger hervorgehen wird.

Mit gut einem Viertel der Stimmen könnte De Wevers separatistische Neue Flämische Allianz (NVA) stärkste politische Gruppierung in Flandern werden, wo zwei Drittel der wahlberechtigten Belgier leben. Und das lässt bei Befürwortern der nationalstaatlichen Einheit natürlich die Alarmglocken schrillen.

Die Befürworter der nationalstaatlichen Einheit, das sind natürlich in erster Linie linke Journalisten im Ausland und ein Heer von EU-Bürokraten, die besonders um die eigenen fetten Würste bangen, wenn das Kunstgebilde Belgien zusammenbricht und damit das symbolträchtige Vorbild für ein zwangsvereinigtes Europa. Der reiche flämische Norden nutzt einen „Sprachenstreit“, um sich vom armen Süden zu trennen. So lautet die Version der Befürworter der Einheit. Dabei spielen Fakten eine untergeordnete Rolle. Denn die Flamen wollten schon Autonomie, als die Verhältnisse noch genau anders herum waren. Früher gab es den reichen, industriell geprägten wallonischen Süden und den verarmten, bäuerlichen Norden in Flandern. Erst mit dem Ende des Schwerindustrie-Zeitalters kehrte sich alles um. Der bürgerlich-konservativ geprägte Norden verstand es, sich auf die Moderne einzustellen und mit Fleiß und Intelligenz einen stabilen Wohlstand aufzubauen. Im Süden herrschte auch nach dem Zusammenbruch der Industrie weiterhin sozialistischer Gewerkschaftsgeist reaktionärster Art. Die Welt hatte sich den Bedürfnissen der Arbeiterklasse anzupassen. Statt Bildung und Umschulung hieß es Fordern und Fordern. Der jetzt erstarkte und vormals verachtete Norden sollte gefälligst für den armen Süden zahlen. Der hat darauf aber keine Lust mehr, zumal eine Überschwemmung mit importiertem Orientariat Belgien ohnehin schon an die wirtschaftliche, soziale und emotionale Grenze gebracht hatte. Zurück zur Kleinen Zeitung, die von all dem nichts wissen will und mit großer Sorge sieht, dass die Perspektive eines flämischen Nationalstaates bei vielen Belgiern besser ankommt als die Selbstauflösung im multikulturellen Einheitsbrei:

Rund 42 Prozent der wahlberechtigten Flamen halten das für eine gute Idee. Sie meinen, Flandern habe genug Geld in die Wallonie gepumpt. Es ist der Frust über das Unvermögen der klassischen Parteien, den Zwist um mehr Eigenständigkeit für die Flamen und die Rechte der Frankophonen zu lösen, der die Menschen im Norden empfänglich für die Parolen des zwar hemdsärmeligen, aber nicht fremdenfeindlichen De Wever macht.

Anders als Frankreichs Jean Marie Le Pen, HC Strache oder Hollands islamfeindlicher Wahlsieger Geert Wilders kann der Flame durchaus mit einer vielfarbigen Gesellschaft leben, vorausgesetzt die Zuwanderer lernen die Landessprache und respektieren die Gleichwertigkeit von Frauen und Homosexuellen. De Wever geht damit klar auf Distanz zum rechtsradikalen Vlaams Belang, der die Hälfte seiner 20 Mandate einbüßen könnte.

Und noch etwas zur Beruhigung: Die Ardennen, wo die fetten Würste für den Kandidaten produziert werden, liegen in Wallonien. Zumindest den Austausch von Waren wird der Nationalist mit dem blutigen Mund also auch nach einer Spaltung Belgiens – im eigenen Interesse – weiterhin erlauben.

(Spürnase: André)