Bericht von der Pro-Hamas-Tagung in Bad Boll

Pro-Hamas-Tagung in Bad BollIhren selbsternannten Anspruch über unterschiedliche Konzepte für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts zu diskutieren, hatte die Evangelische Akademie Bad Boll bei der regional, national und international umstrittenen Tagung „Partner für den Frieden – Mit Hamas und Fatah reden“ nicht erfüllen können. Im Gegenteil. Es kam zu einem Eklat mit dem umstrittenen Leipziger Professor Georg Meggle – er ist sonst als Eurabia-Befürworter bekannt – der als Moderator fungierte und auf dem Tagungsprogramm gar nicht aufgeführt war. Im Namen aller drei MdBs kündigte Rainer Arnold (SPD) an, unter gleichen Umständen nicht mehr an Tagungen in Bad Boll teilzunehmen.

(Von Werner Sigel)

Während sich im Podiumsgespräch MdB Harald Leibrecht, FDP, für sowohl offizielle als auch inoffizielle Gespräche mit der Hamas einsetzte, lehnten dies sowohl MdB Michael Hennrich (CDU) als auch Rainer Arnold ab. Beide sprachen sich für inoffizielle Hinterzimmergespräche mit der Hamas aus, wie dies auch praktiziert wird, lehnten aber offizielle Verhandlungen ab. Damit ernteten sie heftigen Widerspruch des Publikums durch lautstarkes empörtes Gemurmel und viele Zwischenrufe, welches sich noch steigerte, als Hennrich sich für die Roadmap von Camp David einsetzte, und Arnold das Existenzrecht Israels und sein Selbstverteidigungsrecht betonte und die Anzahl der Kassamraketenangriffe aufzählte.

Letztendlich kam es beim Thema Goldstone-Report zum Eklat durch die permanente unqualifizierte „Moderation“ von Prof. Georg Meggle, dem Arnold schon vorher vorgeworfen hatte, er soll sich auf seine Rolle als Moderator beschränken, er sei kein Podiumsgesprächsteilnehmer; und alle drei MdBs würden unter solchen Umständen nicht mehr auf Tagungen hier teilnehmen. Nach diesem Zwischenfall zog der Veranstalter Dr. Budzinski die Notbremse und entschuldigte sich in aller Form bei den Bundestagsabgeordenten und betonte, dass die Moderation nicht die war, wie er es sich gedacht habe.

Es herrschte allgemeiner Konsens zwischen den anderen Referenten der Tagung und den Teilnehmern, dass mit der Hamas nicht abseits der Öffentlichkeit, sondern offiziell verhandelt werden muss. Auch bestand Einigkeit, dass Israels Zukunft in den Grenzen vor 1967 liegen würde, allerdings redeten sie diesbezüglich in ihrer ideologischen Verblendung nur von dem leider ermordeten Jitzchak Rabin, blendeten aber aus, dass dies auch Ehud Olmert forderte. Als Hindernis für einen Frieden wurde ausschließlich Israel dargestellt.

Als ein Referent für die Freilassung des israelischen Soldaten Gilat Shalit eintrat, wurde dies insofern sofort wieder relativiert, indem man die 8000 verurteilten Palästinenser in israelischen Gefängnissen gegenrechnete. Im Prinzip traf man sich unter Gleichgesinnten, eine kontroverse weiterführende ergebnisoffene Diskussion fand nicht statt.

Der „Friedensaktivist“ Matthias Jochheim von der IPPNW berichtete als Passagier der Mavi Marmara von seinen Erfahrungen aus seiner antiisraelischen Sicht. Abdallah Frangi, Berater von Präsident Abbas, beschränkte sich auf die Forderung, dass die Hamas Mitglied der von der Al Fatah beherrschten PLO werden solle. Die Hamas wird sich aber hüten dies zu tun, müsste sie ja Verträge der PLO anerkennen, damit das Existenzrecht Israels anerkennen, und vor allem würde die Hamas allenfalls nur einen zehnjährigen Waffenstillstand – eine sogenannte muslimische Hudna – abschließen, so die Erläuterungen von Jan Jaap van Oosterzee vom IKV Pax Christi Nederland, eine unfreiwillig sehr gute Referenten-Auswahl, der sehr viele Gespräche mit Hamas-Politkern geführt hatte und es auch als Einziger differenziert darstellte.

Die Tagung war allgemein einseitig antiisraelisch, Pro-palästinensisch und für die Interessen der Hamas. Es war kein „ThinkTank“, sondern ein Treffpunkt Gleichgesinnter. Immer wieder wurde betont, dass die Hamas demokratisch gewählt wurde. Dass sie danach wie Hitler putschte, wurde die drei Tage lang wohlwissentlich verschwiegen. Niemand erwähnte während der ganzen Tagung, Anschlagsversuche der Hamas, deren Kassam-Raketenangriffe oder die widerlichen Hamas-TV-Sendungen, in welchen Vorschul- und Grundschulkinder zum Märtyrertum und Judenhass durch Comics erzogen werden. Stattdessen zog die Akademie es vor, erst kürzlich eine Tagung über Rassismus und Antisemitismus in Asterix und Lucky-Luke-Comics zu veranstalten. Das Existenzrecht eines jüdischen Staats Israel wurde zumindest von der Referentin Gisela Siebourg, Vorsitzende der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft (DPG), nicht anerkannt.

Die Tagung hatte eine Rekordteilnehmerzahl von 159 Teilnehmern, fast noch einmal so viel mussten abgelehnt werden. Nach diesem Erfolg wird die Akademie sicher schon aus wirtschaftlichen Gründen ihre äußerst links stehenden, antiisraelischen und der Hamas freundlichen Klientel verstärkt bedienen, und statt einer Denkfabrik noch weiter zu einer Kaderschmiede abdriften.

Überhaupt nicht kritisiert wurde, dass auf der Tagung T-Shirts von Pax Christi (Foto unten) mit einem unappetitlichen bedenklichen Aufdruck verkauft wurden. Weder die Akademieleitung noch die Tagungsleitung intervenierte gegen die Geschmacklosigkeit. Mit solchen T-Shirts hatten sich 13 Gegendemonstranten unter die Demonstranten am Freitag gemischt, die bei Tagungsbeginn gegen die einseitige antiisraelische Tagung demonstrierten (PI berichtete).