Die türkischsten Städte Deutschlands

In der türkischsten Stadt Deutschlands, Duisburg, steht auch Deutschlands größtes islamisches Gotteshaus mit einem 34 Meter hohen Minarett, die Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union, DITIBAls eifriger PI-Leser habe ich mir in der letzten Zeit öfter die Frage gestellt: in welchen Städten Deutschlands wohnen eigentlich die meisten Türken? Dies bezogen nicht auf die absolute Zahl, sondern auf ihren prozentualen Anteil an der Einwohnerzahl. Um diese Frage zu beantworten, muss man erst einmal den Durchschnitt für die ganze Bundesrepublik herausfinden, um einen Anhaltspunkt zu haben.

Für 2005/2006 konnte ich folgende Zahlen ermitteln: Die Gesamtbevölkerung Deutschlands liegt bei 82,314 Millionen, die Zahl der türkischen Staatsbürger bei 1,738 Millionen (= 2,11% der Gesamtbevölkerung), die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund „Türkei“ (also türkische Staatsbürger und eingedeutschte Türken) bei 2,493 Millionen, somit bei 3,02% der Gesamtbevölkerung.

Drei Prozent – hört sich nicht nach viel an. Interessant wird es, wenn man in diverse deutsche Großstädte geht und dort den türkischen Bevölkerungsanteil an der Bevölkerung ausrechnet. „Wikipedia“ ist hier eine große Hilfe, da meistens die Zahl der ausländischen Einwohner bei den deutschen Großstädten angegeben wird oder zumindest weiterführende Links enthalten sind.

Wenig überraschend ist Duisburg der Spitzenreiter mit 45.517 türkischen Staatsbürgern bei einer Gesamteinwohnerzahl von 499.111 (2006). Das ist ein Anteil von 9,11%. Zu beachten ist hier, dass sich diese Zahl nur auf die türkischen Staatsbürger bezieht. Man muss davon ausgehen, dass diese Zahl um mindestens 30% höher anzusetzen ist, in Großstädten wahrscheinlich noch höher, da dort die Einbürgerung stärker forciert wird. Die Webseite „quantara“ spricht von 60.000 türkischen Muslimen in Duisburg: 60.000 von 500.000 wären schon mal über 12%.

Danach folgt an zweiter Stelle Gelsenkirchen mit 19.597 türkischen Staatsbürgern bei einer Einwohnerzahl von 264.765 (2007), das entspricht 7,40%.

Den dritten Platz hält Köln mit 63.839 türkischen Staatsbürgern bei einer Einwohnerzahl von 995.397 (2007), macht 6,41%.

Für mich als Süddeutschen überraschend ist der hohe Anteil in Städten in Bayern und Baden-Württemberg. Platz vier hält nämlich Mannheim mit 19.039 türkischen Staatsbürgern bei einer Gesamteinwohnerzahl von 309.795 (2007), entspricht 6,14%.

Platz fünf geht an Augsburg mit 14.122 türkischen Staatsbürgern bei einer Einwohnerzahl von 262.512 (2006), also 5,37%.

Mit einer vier vor dem Komma sind auch Städte wie Nürnberg, Wiesbaden, Frankfurt/Main, Dortmund und Bremen überdurchschnittlich stark von Türken bevölkert.

Wäre noch anzumerken, dass die „Türkenmetropole“ Berlin zwar zahlenmäßig die meisten Türken hat, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung sich aber im Mittelfeld und nur leicht über dem bundesdeutschen Schnitt bewegt: 113.779 Türken mit türkischem Paß bei einer Gesamtbevölkerung Berlins von 3.416.255 (2007) entspricht 3,33%.

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR herrschen (noch) traumhafte Zustände, wie es sie in Westdeutschland in den 50er- und 60er-Jahren gab. In Leipzig wohnen gerade mal 1.041 Türken bei einer Gesamteinwohnerzahl von 515.469 (2008), also 0,20%…

Je höher der prozentuale Anteil von Türken an den Einwohnern einer Stadt, desto stärker ihr Einfluss im Alltagsleben, desto stärker auch der Einfluss der türkisch-muslimischen Interessenverbände. Kein Wunder also, dass sich in Duisburg das „Wunder von Marxloh“ ereignete – wer wird schon gegen den Bau einer Moschee protestieren, wenn im Umfeld praktisch keine Deutschen mehr wohnen? Und auch die Einrichtung eines türkischsprachigen „Bürgerbüros“ ausgerechnet in Duisburg überrascht dann nicht mehr. Wenn sich irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft der Ruf nach Türkisch als zweiter Amtssprache erhebt, werden Duisburg, Gelsenkirchen und Köln sicher in der ersten Reihe stehen…

(Foto oben: In der türkischsten Stadt Deutschlands, Duisburg, steht auch Deutschlands größtes islamisches Gotteshaus mit einem 34 Meter hohen Minarett, die Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union, DITIB)