Herr Sarrazin, SIE sind Volkes Stimme!

Vertritt Volkes Stimme: Thilo SarrazinSehr geehrter Herr Dr. Sarrazin, wieder einmal äußern Sie sich, und wieder einmal sage nicht nur ich, sondern sehr viele in meinem Bekanntenkreis, denen gegenüber ich Sie zitiere: „Stimmt doch auch!“. Nur diejenigen, die geschworen haben, Schaden von uns abzuwenden, sagen dies nicht. Im Gegenteil: jene ziehen es vor, Sie mit allen Mitteln anzugreifen, allen voran nun auch unsere Kanzlerin.

(Offener Brief von Le Waldsterben an Thilo Sarrazin)

Deswegen habe ich mich entschlossen, Ihnen zu schreiben, Ihnen meinen tiefen Dank und auch meine Hochachtung für Ihren Mut, diese Dinge fortwährend anzusprechen und auch unter dem enormen Druck nicht einzuknicken, auszusprechen.

Und ich verbinde dies mit der Hoffnung – und der Aufforderung an diejenigen, denen dieses Schreiben zur Kenntnis gelangt, es mir gleichzutun und Ihnen zu schreiben – dass eine Flut von Zustimmung Ihnen und denjenigen, die gegen Sie hetzen, zeigt: SIE sind Volkes Stimme. Fatalerweise inzwischen fast eine der Letzten.

Gerade deswegen möchte ich Sie etwas fragen, und betone: das ist nicht im Geringsten als Kritik gemeint – Sie wären wirklich der letzte, der wegen der Talfahrt unseres Landes Kritik verdient hätte. Aber Ihre Antwort würde mich und sicher viele Gleichgesinnte – besser: Gleichbesorgte – interessieren: Was würden Sie mir vorschlagen, wie ich mich als Wähler mit meiner Stimmabgabe verhalten soll, um etwas gegen die Zustände zu unternehmen, die Sie so klar und so berechtigt aufzeigen?

Ich bin doch zu einem Achtzigmillionstel der Souverän dieses Volkes, zusammen mit den anderen 80 Millionen somit der einzige Souverän. Diese und ich zusammen sollten es doch wohl richten können – wer denn sonst? Können Sie mir vielleicht verraten, wie?

Ihre ehrliche Antwort (eine andere würden Sie nicht geben – von wem könnte man so etwas heute noch sagen?) glaube ich zu kennen, denn natürlich bewegt mich diese Frage schon lange, zudem darf ich mich durchaus als mit Wissen ausgestattet betrachten und komme zu dem Schluss: Es gibt keine realistische Möglichkeit. Nicht in diesem Land.

Die Schweizer haben eine – sogar mehrere -, die Niederländer haben eine und machen unter dem Aufjaulen unserer verkommenen Lügenmedien soeben kräftig Gebrauch davon. Viele andere Länder haben zumindest eine gewisse Chance – nur wir haben keine, denn in der Mitte unseres Parteienspektrums, genau an der Stelle, wo viele gerne ihr Kreuzchen setzen würden, klafft ein riesiges Loch.

Wir haben die Wahl zwischen rotrot, blassrot, grünrotbraun, rotschwarz mit schwindendem Schwarzanteil und einem Farbtupferchen, das mal gelb war und dessen Farbe vielleicht bestimmbar wäre, wenn ich jetzt eine Lupe zur Hand hätte. Dann gibt es natürlich noch Mastdarmbraun, aber erfreulicherweise braucht man auch dafür die Lupe. Dazwischen gibt es nichts. Kann es daran liegen, dass es kaum noch Menschen gibt, die sich in einer echten Mitte positionieren wollen – oder denen eine klare Sicht der Probleme gar nicht mehr gelingt?

Für Letztere gibt es schließlich genug Beispiele: eine Claudia Roth ist nicht wirklich bösartig – dieser kinderlosen StudienabbrecherIn der Theaterwissenschaften fehlt es meines Erachtens tatsächlich am Intellekt, Problemlagen objektiv analysieren zu können. Für Ersteres ist die Kanzlerin ein gutes Beispiel: es ist für mich offensichtlich, dass sie die Problemlagen umfassend kennt, aber sich aus Gründen, die sie allein weiß, für eine Positionierung außerhalb der Mitte bewusst entschieden hat.

Natürlich gibt es auch einige Gegenbeispiele. Um einmal in Berlin zu bleiben: neben Ihnen kann man auch den SPD-Bürgermeister von Neukölln, Herrn Buschkowsky, nennen oder auch die Jugendrichterin Kirstin Heisig, die ihre klare und ehrliche Analyse der Jugendkriminalität gerade als Buch veröffentlicht. Nur WÄHLBARE Gegenbeispiele – die gibt es nicht. Nicht einmal ansatzweise.

Und deswegen habe ich an Sie genau genommen zwei Fragen. Erstens die schon oben Gestellte: Welches Wahlverhalten raten Sie mir denn nun tatsächlich? Zweitens: Haben Sie wirklich noch nie darüber nachgedacht, welcher enorme Druck auf dem Land lastet, endlich bei Wahlen wieder eine aussichtsreiche Alternative der Mitte zu haben, welchen radikalen Zulauf eine solche Partei haben würde, auf die viele warten wie der Verdurstende auf das Wasser – und wie sehr Sie dafür prädestiniert wären, den seit Jahrzehnten abhanden gekommenen ehrlichen Politiker dafür darstellen zu können?

So, nun habe ich genug gefragt, sonst würde ich noch die Frage anhängen, ob Sie ahnen, wie sehr nicht nur ich mich über eine Antwort freuen würde. Ich verdeutliche es Ihnen einmal auf diese Weise: obwohl ich mich nicht zu den Gläubigen in diesem Land zähle, wünsche ich Ihnen – nur für den Fall, dass ich bei diesem Thema falsch liege – Gottes Segen. Und alles Weitere, was Ihnen zu helfen vermag. (Vielleicht Intelligenz und Ehrlichkeit Ihrer Mitspieler im politischen Geschäft?)

Ich schicke übrigens der Kanzlerin eine Abschrift dieses Briefes.

Herzlichst,
Ihr

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