Jeden Morgen Weltrevolution

Ich komme aus einer katholischen Arbeiterfamilie. Meine Eltern wählten aus Gewohnheit immer die Union, was ich abscheulich fand. Das wollte ich einmal anders machen. Besser. Weil die Eltern konservativ waren, wurden wir Kinder quasi automatisch links; mehr oder weniger jedenfalls. Mutter war Hilfsarbeiterin, doch Vater war Facharbeiter, sehr bildungsbewusst und er legte großen Wert darauf, dass alle Kinder eine gute Ausbildung machten.

(Gastbeitrag von Gerd zur PI-Serie „Mein Weg zur Islamkritik“)

So konnte ich auf die „höhere Schule“ gehen und Abitur machen. An der Uni schloss ich mich linken Hochschulgruppen an (Jusos, MSB Spartakus). Unser Weltbild war einfach, wir machten jeden Tag Weltrevolution und gehörten zu den Guten.

Obwohl – gewisse Augenöffner meldeten sich schon damals ganz zaghaft. Nach den studentischen Vollversammlungen war der Fußboden übersät mit ausgetretenen Kippen, weggeworfenen Flugblättern, Kaffeebechern und Pfützen von Verschüttetem. Die Putzfrauen, also die, die sich von uns hätten befreien lassen sollen, mussten das anschließend wegmachen. Da hätte meine Mutter dabei sein können.

Bis 1996 wählte ich brav Rot und Grün, bis ich plötzlich merkte, dass ich so geworden war wie meine Eltern. Ich wählte die aus purer Gewohnheit, ohne nachzudenken, ohne zu hinterfragen. Der Abfall kam, als ich Joseph „Joschka“ Fischer besser kennenlernte, dem es gar nicht um die Sache ging, sondern nur um Macht. Um Machterwerb und Machterhalt. Beides wollte er um jeden Preis. Schröder ebenso (die späteren Karrieren der Beiden belegten ihre Einstellung dann aufs Schönste).

Die Beschäftigung mit dem Islam begann etwa ein Jahr vor 9/11. Ausgangspunkt war die Entführung der Wallerts durch die Abu Sayyaf. Ich verfolgte die Medien aufmerksamer als bisher und stellte verblüfft fest, dass überall dort, wo es Kriege, Blutvergießen, Anschläge und Morde gab, Muslime als Drahtzieher oder Akteure im Spiel waren. Obwohl meine Zeitung die Abu Sayyaf hartnäckig als „Gruppe“ bezeichnete, konnte jeder der Verstand hatte, sehen, dass es eine islamische Terrorbande war. Und die Palästinenser begingen ihre Anschläge immer dann, wenn Gespräche mit Israel in Sichtweite waren. Die wollten gar keinen Frieden, die wollten immer nur Krieg. Ich beschäftigte mich mit dem Islam, las islamkundliche Bücher, las den Koran und hatte dabei ein Déjà-vécu-Erlebnis.

Mit 17 hatte ich mich ausführlich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt, hatte „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ gelesen, die Hitlerbiographie von Joachim C. Fest und schließlich „Mein Kampf“. Das Buch war verboten; mein Vater besaß aber ein gut verstecktes, sehr gut erhaltenes Exemplar (da bis dato ungelesen), ein Andenken an einen verstorbenen Angehörigen, mit dessen Widmung. Dieses Exemplar fand ich (Kinder finden immer alles) und las darin.

Um es kurz zu machen: Mir wurde auf jeder Seite schlecht. Richtig körperlich übel. Zum Kotzen übel. Dieses verworrene Gestammel, dieser unbändige, ungezügelte Hass auf die Juden und andere „Untermenschen“! Diese unausgegorenen Scheinargumente! Dieser primitive Denkdreck! Dieser vorzivilatorische Hirnschmutz!

Als ich, viele Jahre später, den Koran las, hatte ich genau die gleichen Gefühle. Hitler und Muhammad könnten Brüder sein; gleichen Geistes sind sie allemal. Ich wurde zum Islamkritiker. Für die politische Arbeit eigne ich mich nicht sehr gut. Ich kann nicht Leute motivieren, kann keine Reden halten. Deswegen schreibe ich seit 2005 in verschiedenen islamkritischen Weblogs (unter anderem auch PI).

Wie hat das Umfeld reagiert? Natürlich habe ich versucht, Freunde und Leute aus meinem Bekanntenkreis zu überzeugen. Die jedoch, allesamt Linke, reagierten sehr merkwürdig. Selbst behutsam angedeutete Islamkritik oder Verständnis für Israel provozierten unkontrollierte, überschäumende Wutausbrüche jenseits jeder argumentativen Haltung. Ein Gespräch war nicht mehr möglich. Einige dieser Freunde habe ich verloren, aber ich weiß, dass ich Recht habe und die richtigen Dinge tue. Das gibt mir unendlich viel Mut.