Psychiater: Falsch gelacht

Ausgerechnet ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, also ein ausgewiesener Fachmann für alle Fragen rund um den menschlichen Witz, und warum man über ihn lacht oder nicht, hat dies an der falschen Stelle getan, und wird dafür jetzt medial hingerichtet.

Der Facharzt hatte einen ihm per Mail zugesandten Witz für witzig gehalten und irrtümlich über das örtliche  Ärztenetzwerk KIM an Kollegen weitergeleitet, was augenblicklich eine  politisch-korrekte berufliche Vernichtungsmaschinerie in Gang setzte. Womit für den einschlägig vorgebildeten PI-Leser bereits nahe liegt, um welchen Themenkreis es bei dem Witzchen gegangen sein mag.

Die Rheinische Post berichtet – in diesem Falle selbstverständlich unter Nennung von Namen, Wohnort und Fachgebiet des Beschuldigten:

Eine über Mailverteiler versandte Satire zum Thema Asyl hat zu Debatten im Mönchengladbacher Ärztenetz KIM geführt. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: der Arzt Dr. Jürgen Vieten. „Ich bekam von einem Bekannten einen Text gemailt, den ich nach flüchtiger Lektüre für witzig hielt und ihn umgehend an meinen privaten Verteilerkreis weitergeleitet habe“, erzählt der Mönchengladbacher Psychiater und Psychotherapeut auf Anfrage.

Inhalt des Pamphlets: eine süffisante Abhandlung des Themas Asyl. Der anonyme Autor des Machwerks dreht die Perspektive um und empfiehlt, sich die Situation vorzustellen, die ein Deutscher erlebe, der illegal in Länder wie Irak, Afghanistan, Türkei oder Marokko einreist. Scheinheilig empfiehlt der Text, dort alle möglichen Rechte geltend zu machen.

Zum Beispiel, dass bei der Krankenkasse Deutsch gesprochen wird oder dass das Essen so vorbereitet wird, „wie Sie es in Deutschland gewohnt sind“.

Einige der Empfänger gehören zum Ärzenetz KIM und protestierten daraufhin bei der KIM-Vorsitzenden Dr. Evelyn Modlich. Ein Korschenbroicher Arzt forderte sogar den Ausschluss von Dr. Vieten aus dem Ärztenetz. „Das ist unglücklich gelaufen“, findet Dr. Modlich, „es war ein peinlicher Irrtum, der einen Sturm im Wasserglas auslöste.“ Sie selbst sei nicht im Verteiler gewesen und habe erst von Kollegen davon erfahren. Jürgen Vieten erklärt dazu: „Ich habe versehentlich die Geschichte, über die ich einfach nur gelacht habe, an mehr Leute verschickt, als ich eigentlich wollte.“

Als Konsequenz aus seinem Irrtum hat Vieten inzwischen seinen Rücktritt aus dem Vorstand des Ärztenetzes erklärt. Er bleibt jedoch Mitglied. Gerade das Thema Immigration liege ihm sehr am Herzen, betonte Vieten. Auf seiner Homepage findet sich dazu ein Aufsatz, in dem der Arzt sich um die angemessene psychiatrische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund Gedanken macht. Übrigens frei von Häme.

Wikipedia weiß über den Witz als solchen zu berichten:

Als Witz bezeichnet man einen kurzen Text (Erzählung, Wortwechsel, Frage mit Antwort oder Ähnliches), der einen Sachverhalt so mitteilt, dass nach der ersten Darstellung unerwartet eine ganz andere Auffassung zutage tritt. Der plötzliche Positionswechsel (die Pointe) vermittelt die Einsicht, dass das Urteil über den Sachverhalt nicht zwingend einer einzigen Auffassung unterworfen ist. Die Öffnung zu anderen Auffassungen wird als befreiend empfunden. Die zunächst aufgebaute Beklemmung wegen eines vermeintlichen Problems löst sich in befreiendes Lachen auf. Das Gelächter der Zuhörer zeigt an, dass sie den Positionswechsel erkannt und mitvollzogen haben.

Dies erklärt, warum es unter dem Zeichen des Multikulturalismus in Deutschland wieder einmal gefährlich ist, über Witze zu lachen. Es wird empfohlen, sich zu diesem Zweck einen geeigneten Kellerraum einzurichten.

(Spürnase: Kölschdoc)