Darf Marburg trauern?

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD)Nachdem in Marburg ein junger Mann, der zuvor in einer Gaststätte einen Streit geschlichtet hatte, von mehreren Sinti aus dem berüchtigten Waldtal aufgelauert und totgeschlagen wurde (PI berichtete), überlegen die für die Zustände verantwortlichen Politiker jetzt, ob man den Bürgern erlauben will, öffentlich Trauer zu zeigen.

Die Oberhessische Presse, die immerhin, wenn auch verkürzt, als einziges Blatt überhaupt über die Gewalttat berichtet hat, schreibt:

„Das ist ein schreckliches Ereignis. Wenn ein Mensch so zu Tode kommt, ist das unerträglich. Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen des jungen Mannes“, sagte am Dienstag Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auf Anfrage der OP. Wie Vaupel mitteilte, soll am Mittwoch geklärt werden, ob der Trauermarsch stattfinden kann.

Wie ein Freund des Opfers erklärte, der namentlich nicht genannt werden will, wollen sich die Teilnehmer des Trauermarsches gegen 12 Uhr im Kaufpark Wehrda treffen und von dort über die Wehrdaer Straße zum Tatort in den Wehrdaer Weg gehen. Am Tatort nahe der Kneipe Bremsspur sei eine Trauerfeier geplant.

Polizeisprecher Martin Ahlich erklärte, zwischen Ordnungsamt und Veranstaltern werde noch über den Ablauf des Trauermarsches gesprochen. Details seien noch nicht klar. Sollte das Ordnungsamt der Stadt Marburg keine Bedenken haben, werde die Polizei „die Lage beurteilen und entsprechende Maßnahmen ergreifen“. Denkbar sei, dass der Trauerzug wie eine Demonstration von Polizeiwagen begleitet werde.

Sie haben richtig gelesen. In der deutschen Universitätsstadt Marburg „prüfen“ die Behörden, ob die Bürger um das Opfer einer Gewalttat öffentlich trauern dürfen. Offenbar befürchtet die Polizei, dass aus dem Umfeld der Verbrecher die Trauernden angegriffen werden könnten. Wie anders ist die Überlegung zu erklären, einen Trauerzug mit Polizeiwagen zu begleiten? Wo leben wir denn? Diese Fragen können Sie auch dem für die Zustände in Marburg verantwortlichen Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD, Foto) stellen:

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(Spürnasen: lorbas, Fritz H.)