Abdel-Samad prophezeit Islam Untergang

Das Schweizer Fernsehen (SF) hat am 8. September in der juristischen Bibliothek des Münchner Rathauses ein Interview mit dem Politologen Hamed Abdel-Samad (Foto r.) geführt, der dem Islam den Untergang prophezeit. Abdel-Samad begründet darin seine schon gegenüber der WELT dargelegte These, der Islam biete für die Probleme der modernen Welt keine Lösungen und könne mit dieser auch nicht versöhnt werden. Eine Sichtweise, die üblicherweise mit dem Vorwurf des Rassismus gekontert wird.

Das Gefühl der moralischen Überlegenheit blockiere die islamische Geisteswelt, da Ideen der Ungläubigen von vornherein als nicht beachtenswert verworfen werden. Abdel-Samad geht aber noch weiter und widerspricht der Idee, der Islam habe in die Verbreitungsländer die Hochkultur gebracht. Vielmehr war es aus seiner Sicht die Offenheit der Muslime zwischen dem 7. und dem 11. Jahrhundert, die eine kulturelle Dominanz für diese Zeit erst ermöglichte und nicht der Islam selbst. Der Beitrag der beherrschten Völker wie der der Perser – und auch der Juden – zu dieser Kultur sei durch die Weltoffenheit möglich geworden. Die ersten wichtigen Städte des Wissens in der islamischen Welt hätten allesamt außerhalb der arabischen Welt gelegen.

Eine These, die in abgewandelter und radikalerer Form auch Ibn Warraq vertritt, der erklärt, die Hochkulturphase der islamischen Welt sei trotz(!) und nicht wegen des Islams möglich gewesen. Genauso gut könne man der Inquisition auch die Leistungen Galileis anrechnen, wie man dem Islam die Hochkulturphase zurechnen könne.

Bei der Migration betrachtet Abdel-Samad die Anspruchshaltung der Muslime als Wurzel der Probleme. Man benötige das Aufnahmeland, verachte es aber gleichzeitig innerlich. Zu Thilo Sarrazin befragt meint der Politologe, dieser habe zu 90% recht, aber seine Gegner würden sich auf die 10% konzentrieren, bei denen er ein „bisschen daneben liegt“. Wenn junge Muslime sich nicht bilden könnten, dann fielen sie dem Land zur Last, was keine Gesellschaft verkraften könne.

Wie PI bereits berichtete, schlägt Abdel-Samad vor, in eine postkoranische Phase einzutreten. Die Unantastbarkeit des Koran stehe einer wirklichen Reform im Wege. Ohne gegen den Koran zu polemisieren oder ohne ihn zu vernichten, müsse sich die islamische Welt von der Vorstellung trennen, dass dies Anweisungen Gottes für das 21. Jahrhundert sind.

Man könne trotz der Hinwendung zur Vernunft in seinem Herzen auch gläubig bleiben, aber solle anderen damit nicht auf der Straße auf die Nerven gehen. Er sei kein Radikaler mehr. Es sei allerdings möglicherweise radikal, in der islamischen Welt, den Gedanken der Vernunft zu verbreiten. Während es im Westen möglicherweise ein Luxus geworden sei, ein Tabu zu brechen, sei dies in der islamischen Welt eine Notwendigkeit.

Man kann Hamed Abdel-Samad, der ein ehrlicher Sachwalter der Interessen beider Seiten ist, bei dieser Notwendigkeit nur Erfolg wünschen. Dieser Wunsch wird aber nicht von allen geteilt. Gegen den Autor wurde bereits eine Todesfatwa ausgesprochen.

Hier das Interview des Schweizer Fernsehens, dessen Moderatorin Nicole Salathé zu anfangs vor Aufregung atem- und kenntnislos über die Sarrazinthesen zu dem aufgrund seiner Herkunft weniger angreifbaren Hamed Abdel-Samad überleitet:

kulturplatz vom 08.09.2010