Hamburg sieht dem Chaos zu

Alljährlich findet im Hamburger Schanzenviertel ein sogenanntes alternatives Straßenfest statt, das tatsächlich eine vorangekündigte Straßenschlacht ist (PI berichtete unter anderem hier und hier). Das Straßenhappening war zwar weder dieses noch in einem der Vorjahre je genehmigt worden, aber irgendwie immer geduldet.

Weil der deutsche Rechtsstaat bis auf Steuerhinterziehung auf alles mit Duldung reagiert, wenn er seine Fehlleistung nicht gar vertuscht, wird durch den Stadtstadt auch nicht eingegriffen, wenn das Chaos in den Straßen herrscht. Die Stadt beschäftigt sich auf politischer und auf Verwaltungsebene lieber damit, den Untergang zu dokumentieren. Die Polizei schaut – dazu verdonnert – derweil deeskalierend der Randale zu.

Nicht weil die einzelnen Beamten das so wollten, sondern weil eine alles beherrschende Übereinkunft zwischen Medien und Politik der Ansicht ist, der Feind ist die Polizei. Es gilt daher die Beamten, die zum Schutz der Rechtsgütergemeinschaft ihre Knochen hinhalten müssen, durch eine Rückzugstaktik von den guten – weil Palituch tragenden – Anarchisten fernzuhalten, bis die ihrerseits genügend Lust verspüren, den Polizisten die Freuden eines Bürgerfestes zu demonstrieren. Denn schließlich kämpfen diese für die Freiheit. Durch diesen Kampf werden die Bürger, die man in diesem Zusammenhang gerne Spießer nennt, vor allem von einem befreit: Sicherheit!

Ein weniger spießiger Anwohner nennt das bloße Erscheinen der Polizei schon Staatsterrorismus, wie man im folgenden Video sehen kann:

Die taz berichtet ebenfalls über die Randale beim Schanzenfest. Unter der Überschrift „Jagen und Prügeln als Ausnahme“ künden die Autoren K. von Appen und A. Speit – anders als die BILD („Das schreckliche Ende eines Straßenfests im Schanzenviertel“) – von einem nahezu friedlichen Fest. So wird erst gegen Ende des taz-Artikels klar, wie das mit dem „Jagen und Prügeln als Ausnahme“ gemeint ist. Zunächst ist man aber in der taz-Redaktion erstaunt, dass ein Appell der Autonomen nicht ausreichend war, die Chaoten von Gewalt abzuhalten. Vielmehr hatten ortsansässige Autonome aus 500 Kilometer Entfernung angereiste Krawallos laut taz rührenderweise noch von Gewaltausbrüchen abgehalten, was letztere recht enttäuschte. Letztlich wussten sie – anders als augenscheinlich den Hamburger Innensenator Heino Vahldiek – was sie von dem Fest im Schanzenviertel zu erwarten hatten. Und so befürchteten sie, die lange Heimreise unverrichteter Dinge wieder antreten zu müssen. Doch es konnte dann doch noch eine Eskalation herbeigeführt werden, die aber, so beruhigt uns die taz, nicht so viele Verletzte und Schäden wie letztes Jahr hervorgerufen hat. Und das wichtigste (siehe Hervorhebung durch PI):

Dennoch war die Intensität dieser Krawalle, was Dauer und Härte angeht, geringer als die der Vorjahre, als Barrikaden errichtet, mehrere Auto angezündet oder demoliert worden waren und es viele Verletzte gegeben hat. Und auch die Polizei ging deutlich behutsamer vor – Jagd- und Prügelszenen waren die Ausnahme.

Es ist also noch einmal gut ausgegangen.