Türkei will kulturelle Basis in Europa verändern

Die Türkei will bei einem möglichen EU-Beitritt für mehr „Vielfalt“ (durch islamische Monokultur?) sorgen. Diese Katze ließ jetzt der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu (Foto) aus dem Sack. Der Westen müsse sich der islamischen Welt öffnen. Noch mehr? Und das Christentum werde islamischer werden.

Der türkische Außenminister will weg von der „rigiden westlichen Kultur“.

Die WELT schreibt:

Als Beispiel nannte Davutoglu den Minarett-Streit. „Heute sind manche europäischen Länder gegen Minarette eingestellt. Der Grund ist das sehr starke und rigide westliche Selbstverständnis. Aber Städte mit vielfältigeren kulturellen Bauwerken produzieren pluralistischere Bürger“. Europa werde sich auf eine solche vielseitigere Zukunft zubewegen, meinte Davutoglu, aber es werde zugleich religiöser, und das europäische Christentum selbst werde in gewisser Weise islamischer, nämlich „monotheistischer“ werden: „Meine persönliche Voraussage ist, dass neue christliche Bewegungen mit stärker monotheistischen Tendenzen aufblühen werden“, heißt es in dem Interview.

Ja, weg mit den ekelhaften westlichen Werten wie Demokratie und Gleichberechtigung, und hin zur Vielfalt der Zwangsehen, Ehrenmorde und dem Heimchen am Herd ohne eigene Stimme. Vielseitigkeit durch Einseitigkeit. Schon George Orwell kannte die Dialektik des Denkens. So war das „Ministerium für Liebe“ für Folter, das „Friedensministerium“ für Kriegführung usw. zuständig (1984).

Auch die Türkei werde sich verändern: „Mehr Osteuropäer, sowie Portugiesen und Brasilianer werden in die Türkei kommen. Das wird uns auch verändern. Wir werden wahrscheinlich unser monokulturelles, nationalstaatliches Verständnis von Islam stärken müssen

Ja klar, träum weiter!

Davutoglus Äußerungen mögen säkular denkenden westlichen Lesern rätselhaft scheinen, aber sie werfen ein faszinierendes Licht auf den Mann, der seit vielen Jahren als visionärer Stratege der türkischen Außenpolitik gilt. Offenbar stärker als oft angenommen, orientiert er sich an Religion als Mittel der Strategie – oder ist es gar das Ziel?

In diesem Sinne wurde nun das sogenannte Rote Buch der Türkei überarbeitet, ihre sicherheitspolitische Grunddoktrin. Religiöser Fundamentalismus wird darin erstmals nicht mehr als Gefahr für die nationale Sicherheit betrachtet, und auch nicht der iranische Gottesstaat – nur noch dessen Nuklearprogramm, nicht dessen Ideologie gibt Anlass zu „Sorge“.

Prima. Auch die EU sollte ihre „Feindschaft“ zum Iran aufgeben.

(Spürnasen: Chester, KDL und Calvin M.)