Ehren-Doppelmord in Köln-Braunsfeld

Mustafa TikliDer 41-jährige Familienvater Mustafa Tilki (Foto) hat gestern Abend gegen 19 Uhr in Köln-Braunsfeld seine 29-jährige ehemalige Geliebte Laura V. und deren 34-jährigen Begleiter auf dem Nachhauseweg von ihrem Arbeitsplatz erschossen. Laura V. hatte sich von Mustafa Tikli wegen seiner „Gewaltausbrüche“ und „Stockschläge“ getrennt und das zweite Opfer gebeten, sie zu begleiten, aus Angst vor dem Ex-Freund. Dieser war über die Trennung nicht hinweggekommen und hielt den Begleiter vermutlich für den „Neuen“. Den offensichtlichen Ehrenmord nennt die Kölner Polizei aber lieber „Eifersuchtsdrama“.

Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt:

Vor der Tür soll Tilki sich mit den beiden noch ein kurzes Wortgefecht geliefert haben, dann feuerte er insgesamt mindestens vier Kugeln auf seine Opfer ab. Anschließend rannte der Schütze in Richtung Melatengürtel davon. Er stieg in den schwarzen Seat Ibiza einer Autoverleihfirma und flüchtete. Laura V. starb noch am Tatort im Rettungswagen, Andres O. erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, sicherten die Ermittler Aufnahmen einer Überwachungskamera vor dem Versicherungsgebäude, die genau auf den Tatort ausgerichtet ist: Die Tat selbst ist auf den Bildern schemenhaft zu erkennen. „Das ist brauchbares Material“, sagte ein Ermittler.

Tilki lebt in Köln mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen. … Die Polizei sucht mit einem Haftbefehl nach ihm und bittet die Bevölkerung um Hinweise, warnt aber: „Der Gesuchte ist eventuell immer noch bewaffnet.“

Die tödlichen Schüsse bilden das Ende einer gescheiterten Liebesbeziehung, die zuletzt nur noch aus Gewalt bestand. Am 12. November soll Tilki die 29-Jährigen mit einem Stock geschlagen haben. Am vorigen Donnerstag erschien Laura V. auf einer Polizeiwache, sie bat um Rat wegen der gewalttätigen Übergriffe ihres Ex-Freundes. Auch den Vorfall mit dem Stock brachte sie zur Sprache. Ein Beamter schrieb eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. Er empfahl Laura V. „dringend“, beim Amtsgericht eine Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz zu erwirken, berichtete Polizeisprecherin Göbel. Diesem Rat sei die 29-Jährige auch rasch nachgekommen. Daraufhin durfte Tilki sich ihr unter Androhung einer Geldstrafe nicht mehr nähern.

Beim zweiten Opfer Andres O. handelt es sich um einen leidenschaftlichen Handballspieler und Hockeytrainer. Bis vor zwei Jahren war er Co-Trainer der erfolgreichen ersten Damen-Mannschaft von Rot-Weiß Köln. Er arbeitete im selben Unternehmen wie Laura V. als freier Mitarbeiter. Laura V. hatte erst vor kurzem ein Praktikum an ihrem Arbeitsplatz begonnen. Die Kollegen der beiden haben am Dienstagmorgen einen Trauerkranz und eine Grabkerze am Tatort aufgestellt.

(Mit Dank an alle Spürnasen)