Journalist: Medien unterdrücken Wahrheit

Der Tagespiegel-Redakteur Harald Schumann wurde aufgrund seiner Berichterstattung zur Finanzkrise am 03. November mit dem Journalistenpreis „Der lange Atem“ 2010 ausgezeichnet. In seiner anlässlich der Preisverleihung gehaltenen Dankesrede kritisierte er seine Zunft für die dort nicht gegebene Pressefreiheit innerhalb der Redaktionen.

(Von Robert Markus)

Der Journalist verwies dabei unter anderem auf seine Zeit beim Spiegel als dort die privaten Interessen des Chefredaktuers die publizistischen Entscheidungen bestimmten. Doch das war nicht die einzige Kritik Schumanns, die er in einem Interview mit dem Inforadio des rbb wiederholte.

Schumann beschreibt in dem Interview mit dem (bis 4 Min. 18 Sek.) Inforadio des rbb wie ein von ihm geschriebener Artikel zur Windkraft unterdrückt und durch einen solchen mit falschen Fakten, Zitaten und Fotos zusammengestellter Propaganda-Artikel im Sinne des Stefan Aust, der durch entsprechende Windräder in Stade seine dortige Pferdezucht beeinträchtigt sah, ins Blatt genommen wurde.

Hier das Interview:

Diese speziellen Vorwürfe sind schon länger bekannt, wurden jedoch bislang im Konjunktiv formuliert, zumindest was den Wikipedia-Eintrag zu Aust betrifft. Dort heißt es unter Berufung auf zwei Quellen (hier und, weniger im Konjunktiv hier):

Kritiker hatten Aust schon länger vorgeworfen, seine Arbeit als Chefredakteur mit privaten Interessen zu verquicken. So wurden Vorwürfe laut, er stehe hinter der besonders negativen Berichterstattung des Spiegel über die Stromerzeugung durch Windkraft, da Windkraftanlagen Austs eigene Pferdezucht bedroht hätten. Hintergrund ist, dass Aust einen Artikel der RedakteureHarald Schumann und Gerd Rosenkranz abgelehnt hatte, in dem über die Windenergie vergleichsweise positiv berichtet wurde. Kurze Zeit später veröffentlichte der Spiegel eine Titelgeschichte, in der die Windenergie vernichtend kritisiert wurde („Der Windmühlen-Wahn“, Spiegel 14/2004). Schumann soll Berichten zufolge von „Desinformation“ und „Propaganda“ gesprochen und aus diesem Grund seine Kündigung eingereicht haben.

Doch bezieht sich die Kritik von Schumann bei weitem nicht nur auf Aust und dem von diesem herbeigeführtem Antiwindkraftartikel im Spiegel, sondern auf die Branche an sich. Schumann, der beim Spiegel in Zusammenhang mit dem Artikel zur Windkraft kündigte, weist auf die generelle Ausrichtung der Presse an den Wünschen, politischen Ausrichtungen und den (nicht offengelegten) wirtschaftlichen Interessen der Chefredaktionen hin. Das ist zwar letztlich wie die Nachricht von dem einen Mann beißenden Hund. Wenn aber dies ein Journalist darlegt, nimmt es dann allerdings die Qualität der Nachricht an, laut der der Mann den Hund gebissen hat. Es sei gang und gäbe, so der Journalist, dass Redakteuren das Denken vorgeschrieben werde.

Die Berichterstattung entlang gemachter Vorgaben betreffe, so Schummann, im ungeminderten Maße auch die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten. Ungesagt – wobei auch jedem ohnehin bewusst – bleibt in dem Interview, dass diese allerdings durch eine von allen zu erbringenden Zwangsabgabe finanziert wird, die es dem „Kunden“ unmöglich macht durch Verzicht diese Medien zu strafen. Er hat keine ander Wahl als die, Propaganda einiger weniger gegen die Interessen der Gebührenzahler zu ermöglichen.

Schumann empfiehlt seinen Kollegen sich ein Ventil zu suchen, um so ihre Geschichten doch noch, wenn auch nicht im eigenen Blatt, zu veröffentlichen. Dem kann man sich insbesondere von hier aus nur anschließen.

Man muss dem politisch eher links stehenden Journalismus-Preisträger Schumann nicht in seinen jeweiligen Sichtweisen zustimmen, auch nicht zur Windkraft. Es drängt sich in Deutschland auch der Eindruck, die Linke als politische Ausrichtung käme in Deutschland nicht umfassend zu Wort, nicht unbedingt auf. Darauf kommt es in diesem Zusammenhang aber auch nicht an. Bedeutsam ist zunächst nur, dass Schumann ein Journalist ist, der sich dem verpflichtet fühlt, was er als die Wahrheit empfindet.

Bedeutsam ist vielmehr, was die berichten, die keine Schumachers sind und die das äußern, was man von ihnen hören will.