Das Zeitalter der Verstellung

VerstellungIn einem kürzlich in der Jerusalem Post erschienenen Artikel der Kolumnistin Caroline Glick etikettiert sie unser Zeitalter als dasjenige „der Verstellung“. Denn, so schreibt sie, „die führenden Köpfe widmen ihre Energie und kognitive Leistung dem Unterfangen, neue Wege herauszufinden, wie sie die Realität vor sich selbst und der gemeinen Bevölkerung verstecken können.“

(Von David Solway / Übersetzung: Der Prophet des Islam)

Einer dieser Wege, welcher von der postmodernen Elite der Akademiker, Politiker, Medienkenner und vielen Intellektuellen allgemein adoptiert wurde ist das, was ursprünglich einmal „Wahrheit“ genannt wurde auf eine reine Interpretations-Ebene herunterzuschrauben.

In der heutigen flüchtigen Wissenschaft des Verstehens gibt es keine „Wahrheit“, sondern lediglich Verfechtung, Vermutung, Perspektive oder was nun als „Schilderung“/Erzählung bezeichnet wird. (Sogar die Nachrichtensprecher melden gerne eine Pressemeldung als „Geschichte“ an.) Um den Jargon du jour zu gebrauchen: Wahrheit wurde „problematisiert“ und objektive Bezugsmaßstäbe wurden von einem Klima des erkenntnis – und wissenschaftstheoretischen Relativismus verdrängt.

Der Witz dabei ist, dass viele unserer revisionistischen „Denker“ durchaus akzeptieren, dass es etwas wie Wahrheit gibt, sonst würden sie sich logischerweise selber disqualifizieren, wenn sie ihre Interpretation der Wirklichkeit als offenkundige Wahrheit darstellen. Mit ihren ideologischen Konstrukten wollen die Wahrheit erfassen und sie gleichzeitig weginterpretieren.

Unsere „führenden Köpfe“, welche links des sozialen und politischen Kontinuums anzusiedeln sind, nehmen tatsächlich – wenn sie sich gerade mal nicht in theoretischen Windungen verrenken – unbewußt wahr, dass es gewisse Wahrheiten gibt, welche ihre Weltanschauung bedrohen. Caroline Glick weist darauf hin, dass sich die „Deutungselite“ bemüht, diese unwillkommenen Wahrheiten zu unterdrücken oder zu verdrehen um sich und die Öffentlichkeit zu täuschen. Sie windet sich in Krämpfen von Selbsttäuschung damit sie sich der Wahrheit nicht stellen muß.

Dies ist „politische Korrektheit“. Es ist ein sozial wirksamer Vermeidungsmechanismus welcher in Szene gesetzt wird um zu verbergen, was nachweislich da ist; die Quintessenz des „Ableugnens“. Die Idee dahinter ist, dass das, was man nicht sagt, auch nicht existiert; oder andersrum dass das, was man als etwas anderes umdefiniert, dann wunderbarerweise auch wirklich existiert. Politische Korrektheit ist eine Art magischen Denkens.

Es ist „wahr“, dass das, was wir kulturelles Leben nennen schon immer problematisch war, und es hat keine bestimmte Epoche gegeben, welche das Monopol über Tugend oder Intelligenz errungen hätte. Aber der augenscheinliche Unterschied ist, dass wir in einer Zeit komparativen Wohlstands und weitreichender Bildungsmöglichkeiten leben, in welcher der Zugang zu Informationsquellen so einfach zu finden ist wie das tägliche Brot. … Das Internet hat uns eine Informationswelt eröffnet, in deren Äther wir feinverteilt gesättigt werden.

Offensichtlich sind viele dieser Quellen verschmutzt und unterscheiden sich nicht groß von unumwundener Propaganda. …

Trotzdem erlaubt uns das Internet, originale Dokumentationen aufzustöbern um Übertreibungen und Verfälschungen zu überprüfen. Folglich gibt es keine Entschuldigung mehr für willentliche Ignoranz, Fantasiedenken oder blinde Vorurteile, zumindest nicht in einer fortschrittlichen westlichen Demokratie, in welcher Regierungszensur nicht mehr länger eine signifikante Rolle spielt. Wir leben weder in Nordkorea noch im Mittelalter. Und die meisten von uns sind nicht an einer Fakultät für Nahoststudien immatrikuliert.

Trotz dieser segensreichen Vorteilen und technischen Wunder sind wir so tief im Morast von Ignoranz, Verrenkungen, Nihilismus, Selbstbezug und moralischem Relativismus versunken, dass wir perfekt erhaltenen, menschenähnlichen, (aber) geistig reglosen Moorleichen ähneln. Mit anderen Worten könnte man auch sagen, dass allzu viele von uns nützliche (wie auch nutzlose) Idioten geworden sind, versteinert in einem viskosen Zustand des Vorurteils und zu nichts mehr fähig als der Propagierung und dem Empfang von totalem Stuß.

Abschlaffung und Zusammenbruch sind überall – wohin wir auch immer schauen – zu sehen:

– in den Parteien
– in disziplinlosen Medien
– in der Anspruchsindustrie
– in „sozialen Bewegungen“, welche sich für ethnische
Privilegien auf Kosten des Allgemeinwohls einsetzen
– in der korrupten und obsoleten feministischen Schwesternschaft
– in den zunehmend kompromittierten Universitäten
– im globalen Erwärmungsschwindel, dem wahrscheinlich größten blinden
Alarm der Moderne, um eine leichtgläubige Öffentlichkeit zu täuschen

Der Zustand der Ignoranz und Selbsttäuschung unter welchem der Westen nun leidet, könnte bald zu seinem endgültigen Absturz führen. In der unberechenbaren und explosiven Welt in der wir heute leben, sagt unser Mangel an skrupulöser Aufmerksamkeit und weisem Gewahrsein eine finstere Eschatologie voraus. Währendem wir an unseren kaputten Universitäten herumtrödeln, wir unsere sogenannten „führenden Häupter“ mit deplaziertem Respekt betrachten und unser Wissen über das aktuelle Geschehen von käuflichen Journalisten und seichten Komödianten später Stunde erwerben, schreitet ein zielstrebiger hydraköpfiger Feind – ob in form einer säkularen Autokratie oder einer Theokratie mit einer tyrannischen Agenda voran. Und wir lassen es zu.

Glücklicherweise gibt es eine kleine aber wachsende Zahl von wirklichen Denkern und Gelehrten meist konservativer Neigung, welche die Wegweiser nach vorne gedreht haben. Der erste Schritt ist die Standortbestimmung und die Anerkennung des Schlamassels, welches wir uns eingebrockt haben. Wir können jedoch nicht da stoppen, sondern wir müssen, um dem Beispiel unserer intellektuellen Vordenker zu folgen,

– uns notgedrungen und ungeachtet der Hindernisse des täglichen Lebens ins Zeug legen
– wieder Geduld lernen und Zeit investieren
– aufhören, uns selbst zu belügen
– uns wieder mit unserer Geschichte vertraut machen und sie
nicht zu verfälschter Berichterstattung degradieren
– Werke studieren, welche ehrlich und sorgfältig recherchiert worden sind
und deren Befunde wir mit etwas Ausdauer auch selber verifizieren können;
wir haben ja die nötigen Instrumente zur Hand.

Chamäleons, Profiteure, Ideologen, Dogmatiker, Verschwörer, Feiglinge, Schurken, „Vermeider“ und Hohlköpfe sind typisch für das Zeitalter der Verstellung. Es wimmelt von ihnen in noch nie dagewesener Zahl. Dies ist so offensichtlich, dass wir uns wundern müssen, dass wir es wagen, etwas anderes zu behaupten. Sobald als möglich müssen wir die „progressiven“ Editoren, die Experten, die Politiker, die Geistlichen sowie die geisteswissenschaftlichen Professoren als die Witzbolde erkennen, welche die meisten von ihnen sind. …

Die Wahrheit ist, dass es so etwas wie Wahrheit gibt. Und so unschmackhaft sie uns auch manchmal erscheinen mag, müssen wir den Mut aufbringen, sie wahrzunehmen, zu ehren und letztendlich zu sprechen.