Euro-Krise: Interview mit Professor Max Otte

Wir haben häufig über den euroskeptischen EU-Abgeordneten Nigel Farage berichtet, der nicht müde wird, immer wieder vor den schlimmen Folgen der Krise unserer Gemeinschaftswährung zu warnen. Jetzt hat Prof. Max Otte, der bereits 2006 mit seinem Bestseller: „Der Crash kommt“ exakt den Finanzcrash vom letzten Jahr vorausgesagt hat, dem Cicero ein lesenswertes Interview gegeben.

In der Dezemberausgabe des Cicero ist zu lesen:

„Irland, Spanien, Portugal und Griechenland sollten aus der Euro-Zone austreten“

Der Euro-Kritiker und Betriebswirtschafts-Professor Max Otte von der Fachhochschule Worms empfiehlt Irland und anderen wirtschaftlich angeschlagenen EU-Staaten den Austritt aus der Euro-Zone. Bekannt wurde Otte durch seinen 2006 veröffentlichten Bestseller „Der Crash kommt“, in dem er eine schwere Finanzkrise prognostizierte. 2009 wählten ihn die Leser der Zeitschrift „Börse Online“ zum „Börsianer des Jahres“. Otte ist Leiter des 1999 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung in Köln und unabhängiger Hedgefonds-Manager. Bereits im Zuge der Griechenlandkrise hat der Anlagefachmann den Austritt der Südländer aus der Euro-Zone gefordert.

Die EU sah sich in der Irlandkrise gezwungen, nach Griechenland einen weiteren Rettungsschirm für ein Mitgliedsland aufzuspannen. War die Entscheidung richtig und ist das Verbleiben in der Euro-Zone überhaupt der richtige Weg für die Iren?

Professor Max Otte: Ich möchte das vom Grundsatz her beantworten. Ich befürworte eine Koordination der europäischen Währungspolitik, bin aber dennoch für nationale Währungen. Ich folge der Theorie optimaler Währungsräume. Sie geht auf Arbeiten des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Mundell aus den 60er Jahren zurück. In der EU sind aber nur zwei von drei volkswirtschaftlichen Faktoren, nämlich Kapital und Waren, flexibel, die Arbeit dagegen ist unflexibel. Aus diesem Grund war nach der Theorie die Einführung des Euro falsch. In der Praxis hat dann sich gezeigt, dass der Euro enorme Probleme geschaffen hat. Er war ursächlich für die Krisen in Spanien und Irland. Die niedrigen Zinsen, die der Euro bewirkt hat, haben dort die Spekulationsblasen geschaffen.

Aber dafür war doch auch die Deregulierung des spanischen Immobilienmarkts und des irischen Bankwesens mitursächlich?

Ja, auch die Deregulierung trug dazu bei. Es war zum Beispiel falsch, der Depfa-Bank zu erlauben, nach Dublin zu ziehen, um sich dort der deutschen Bankaufsicht zu entziehen.

Gibt es Ihrer Ansicht nach auch Vorteile des Euro?

Zum Beispiel die niedrigeren Transaktionskosten für Unternehmen und der Wegfall des Währungsumtauschs. Sie wiegen die Nachteile aber nicht auf. Mit einer eigenen Währung könnten Staaten ihre Politik autonomer gestalten. So wäre das Diktat der EU gegenüber Griechenland nicht nötig gewesen. Vielmehr hätte der Abwertungsdruck auf die Drachme die griechische Regierung gezwungen, früher zu handeln. Das Thema hätte die Bevölkerung nicht so politisiert und die Nationen gegeneinander aufgewiegelt.

Zurück zu Irland. Wie beurteilen Sie die Zukunft der irischen Wirtschaft nach Aufspannen des EU-Rettungsschirms?

Die Iren korrigieren ihren wirtschaftspolitischen Kurs nicht ausreichend. Sie belassen es zum Beispiel bei 12,5 Prozent Körperschaftssteuer. Die Belastung der Unternehmen in Deutschland liegt bei 30 – 33 Prozent. Es erfolgt trotz Krise in Irland keine Anpassung. Stattdessen öffnet Deutschland den Geldtopf für die Iren.

Und wie sieht es mit dem Euro in Deutschland aus? Immerhin sind wir Export-Vizeweltmeister. Das spricht doch für den Euro?

Die D-Mark brächte Aufwertungsgewinne. Vielleicht wären die deutschen Exporte geringer, aber andererseits hätten wir weniger Unwucht in der Weltwirtschaft. Für den hohen Exportüberschuss wurde Deutschland ja kürzlich zu Recht international stark kritisiert. Man muss außerdem unterscheiden, ob der Euro der deutschen Wirtschaft oder der Bevölkerung genutzt hat. Dem Bürger wurde durch die versteckte Inflation geschadet. Und die Industrie hat auch vor der Euro-Einführung hohe Exportüberschüsse erzielt.

Befürchten Sie nicht, dass im Falle eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone wirtschaftliche und außenpolitische Turbulenzen entstehen?

Auf den Finanzmärkten sind Turbulenzen nichts Ungewöhnliches. Die werden das nach einiger Zeit verkraften. Wichtig ist doch: Der Euro schadet Europa und dividiert die Völker auseinander. Ich bin aber nicht für ein ungeplantes Auseinanderbrechen. Wenn die Regierungen der Euro-Zone diese Entscheidung treffen, dann können sie gleichzeitig beschließen, dass die Länder, die den Euro-Raum verlassen, die nötigen Überbrückungskredite erhalten.

Sie sind also der Meinung, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal sollten die Euro-Zone verlassen?

Ja.

Und wer sollte den Euro beibehalten?

Deutschland, die Benelux-Länder, Österreich, Frankreich, Finnland und Slowenien. Italien ist ein Grenzfall.

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