Des hommes et des dieux1996 wurden in der algerischen Stadt Tibéhirine sieben französische Mönche Opfer des islamischen Hasses gegen Christen (PI berichtete). 14 Jahre später wurde in Cannes ein Film über ihr Schicksal der Juri des internationalen Filmfestivals vorgestellt. Die 120-minütige Verfilmung „Des hommes et des dieux“ (Von Menschen und Göttern) des Regisseurs Xavier Beauvois ist keine Ansammlung von „schönen Glaubenssätze für die Ewigkeit“, sondern ein schlichter Spiegel der algerischen Realität.

Die Weltwoche schreibt:

Prior Christian (Lambert Wilson), der nicht nur die Bibel, sondern auch den Koran studiert, erfährt vom örtlichen Imam, mit dem er freundschaftlich verkehrt, dass islamische Fundamentalisten ihren Terror ausweiten – und das Kloster sich nicht mehr abschotten kann. Die Rebellen dringen ein und verlangen medizinische Hilfe. Bald geraten die Mönche unter politischen Druck. Das Militär drängt sie, das Land zu verlassen, die Dorfbewohner wollen, dass sie bleiben, und den Vorschlag, das Kloster unter militärische Protektion zu stellen, lehnt der Prior ab.

Als die physische Bedrohung zunimmt, kommt es zu Glaubenskrisen unter den Mönchen und zu der Frage, wem geholfen sei, wenn sie bleiben. Die Gemeinschaft gerät in nackte existenzialistische Situationen. „Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf; er existiert nur in dem Masse, als er sich entfaltet“, heißt es bei Jean-Paul Sartre. Was geschieht, wenn jemandem die „Entfaltung“, das ritualisierte Klosterleben, auf einmal genommen wird? Dieser Frage geht Xavier Beauvois in seinem preisgekrönten „Des hommes et des dieux“ mit einem wahren Kamikazemut nach. Sein Film ist von provozierender Stille, mit Dialogen von einsilbiger Spröde. Von der intensiven Ruhe kommt man schwer wieder los. Durch die Zerrissenheit zwischen Regierung, Militär, Terroristen und Dörflern läuft im religiösen Elysium eine Spur Leichenbitter mit, die nie larmoyant wird. Glänzend besetzt mit Charakterköpfen (Michael Lonsdale und Co.), ist „Des hommes et des dieux“ Lessings „Nathan der Weise“ viel näher als einem katholischen Gewissens- und Glaubensdrama.

Trailer zum Film:

Hier der komplette Film (in zwei Teilen):

image_pdfimage_print

Anzeige: Wandere aus, solange es noch geht! Finca Bayano in Panama.

Anzeige: www.teebrasil.com - Amazonasheilkräuter und Strophanthin

49 KOMMENTARE

  1. Welcher Politiker wird diesen Film als erstes als „Machwerk“, „nicht hilfreich“ oder „Propaganda“ bezeichnen ??

  2. Habe letzte Woche schon einen Bericht über diesen Film gesehen.
    Leider verschweigt der Film was am Ende mit den Mönchen geschieht.

  3. @lorbas
    Die Mönche werden von den Fanatikern entführt und getötet mann findet nur Ihre Köpfe zumindestens von denn orginal Vorbildern
    Ob der Film das auch zeigt weis Ich nicht

  4. #4 Michael Corleone (20. Dez 2010 12:35)

    „@lorbas
    Die Mönche werden von den Fanatikern entführt und getötet mann findet nur Ihre Köpfe zumindestens von denn orginal Vorbildern
    Ob der Film das auch zeigt weis Ich nicht“

    Wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, endet der Film sehr „Kultursensibel“. 🙁

  5. Ja wahrscheinlich wie bei dem Western „Shane“
    wo sich viele bis heute nicht einig sind ob er nun tot ist oder nicht
    Nehme an man sieht zum Schluß auch nur einen Lkw ins Dunkel fahren und im Abspann wirds dann nochmal geschrieben

  6. Das hat Alles nichts mit dem Islam zu tun! Islam heißt doch Frieden und die Amerikaner haben ihre Türme selbst in die Luft gejagt. Bin Laden sitzt jetzt mit Busch im Amerika und trinkt Kaffee. Die Franzosen sind Schuld an den Zuständen im Iran weil sie Ayatollah Chomeini Asyl gewährt haben. Die verjagten Christen in Marokko waren alles Geheimbündler usw. In den Augen eines Moslems haben immer, immer die Anderen Schuld!

  7. Der Trailer ist toll, allein vom Handwerklichen her scheint alles zu passen. Die deutschen Kritiken sind auch überschwenglich: FAZ, Tagesspiegel. Rainer Gansera in der Süddeutschen Zeitung ist total begeistert. Also ich werde mir den Film in jedem Fall anschauen, aber am liebsten mit Originalton.

  8. Aus einer Filmkritik:

    Des hommes et des dieux ist ein rechtschaffener Film über rechtschaffene Menschen, mit einem politisch hoch anständigen Aufruf am Ende, Islam und Islamismus nicht in den gleichen Topf zu werfen. …
    Aber letztlich fehlt dem Film jene Form des Zweifels, der Befangenheit, die er seinen Figuren fast mechanisch zugesteht. Insofern folgen die 120 Minuten dem Prinzip des Katechismus: Rhetorische Fragen stellen und die Antworten auch gleich mitliefern.

  9. Ich will aber ein Happy End ala Lessings „Nathan der Weise“.
    Zum Schluß vertragen sich alle, verbrüdern sich, entdecken Geseinsamkeiten, die Mönche erkennen die Schönheit des Islam, konvertieren und reiten auf einem Kamel oder 6 Jähriger Importbraut gen Sonnenuntergang.

  10. Wenn das wahre Ende der Tragödie im Film nicht angesprochen wird, sollten beherzte Antimoslems wie wir doch vielleicht Aufklärungszettel vor den Kinosälen am Ende des Films verteilen!

  11. Ach ja.

    Das Buch von Hans Olaf Henkel „Rettet unser Geld“ kriegt mein Sohnemann zu Weihnachten.

    „Non scholae, sed vitae discimus.“ Da hat er was für´s Leben.

  12. Das ist ein sehr guter Beitrag. Es wird Zeit das man offener von der Christenverfolgung redet. Jetzt posten manche, dass Weihnachten in Finnland abgeschafft wird. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Vernichtung des Christentums auch ein Wille der 68 `er Linke ist.

    http://tinyurl.com/2fntaow

  13. Ich habe den Film schon zweimal gesehen, im September auf französisch und nun in Deutsch. Das Ende ist gut wie es ist. Die Ermordung der Mönche muss man nicht sehen. In Frankreich kennt eh jeder das Ende und Sarzoky meckert ja jedes Jahr mindestens einmal in Algerien, weil der Mord bis heute nicht aufgeklärt wurde. Und immer noch halten sich Gerüchte, dass die Armee die Mönche ermordet hat und die Tat der GIA in die Schuhe geschoben hat. Man muss für diesen Film viel Geduld mitbringen.

  14. Die „Sieben Samurai“ oder die „Glorreichen Sieben“ sind mir lieber als die „Sieben Mönche“.
    Sich sinn- und widerstandslos abschlachten lassen, scheint mir nicht sehr vorbildhaft und zeitgemäß.
    Lieber ein miles (Soldat) Christi als ein Martyrer.

  15. ist “Des hommes et des dieux” Lessings “Nathan der Weise” viel näher

    Wie bitte? Das ist ja wohl kaum ein Grund, diesen Film zu sehen.

    Denn in „Nathan der Weise“ wird auf geradezu groteske Weise so getan, als ob der Islam mit dem Juden- und Christentum auf einer Stufe stünde!

    Es geht dort leider nicht um Toleranz, sondern um Glaubensvermischung.

    Und wie jeder weiß, ist der „Islam“ nicht kompatibel – und will es auch nicht sein.

  16. Ich habe „gehört“ (ich kenne den Film leider nicht) daß dort sehr wohl die Interpretationsmöglichkeit offengelassen wurde, ob nicht vielleicht DAS MILTÄR am Ende die Mönche getötet hat (per MG – und daher hätten auch die „durchsiebten“ Leiber verschwinden müssen).

    Wenn dem so ist, dann möchte ich niemanden unterstützen, der sozusagen feuilletonistisch die wirklichen Halsabschneider und Gewalttäter eher in heldischer(?) Robin-Hood(?)-Kämpfermanier interpretiert, die aus irgendeinem Grund nur tun, was sie tun müssen ?

  17. #36 Herbert Klupp

    Der Regisseur hat gesagt, dass er das Ende auch deshalb nicht gezeigt hat, um nicht Spekulationen über die Täter Vorschub zu leisten.

  18. Im NDR-Radio meinte „Zeit“-Redakteurin Katja Nicodemus, den Film gegen den aktuellen Sarrazin-Streit in Stellung bringen zu müssen. Sie schreibt:

    „Denn dieser Film steht quer zu allen Sarrazinaden, zu so vielen vermeintlich sachlichen, dabei verlogenen, eurozentrischen Islam-Debatten, quer zum Geschwafel von Leitkulturen und Leitreligionen. Er erzählt von der Liebe zum Feind und von der Überwindung der Gewalt. Und er zeigt, dass Gewalt und Terror nicht von der einen oder anderen Religion ausgehen, sondern eine Frage ihrer Interpretation sind.“

    „Überwindung von Gewalt?“ Wie das? Die Mönche wurden enthauptet, ihre Körper nie gefunden. Der Film zeigt die christliche Caritas und das Bemühen, die Religion der anderen respektvoll schönzureden, Abt Christian spricht an einer Stelle sogar von „Gott, unser beider Vater“, der Islam kennt keinen Gottvater.

    Der Film endet mit einem Marsch durch den Schnee, bis die Männer im Nichts verschwinden. Den Hinweis im Nachspann, dass die Mönche am soundsovielten getötet wurden, fand ich zu knapp und auch zu hastig durchgenudelt. Ein bisschen zu betont war auch die Botschaft, dass die Ermordung der Mönche nichts mit dem Islam zu tun hat.

  19. Im Film wird die 18jährige Samira abgestochen und wie ein Hund aus dem Bus geworfen, weil sie keinen Hijab trug.
    Einem der Mönche wird die Ermordung von Angehörigen des Opfers erzählt und man ist gemeinsam der Auffassung, die Täter hätten den Koran nicht gelesen, der das Töten von Verwandten verbiete. Man hoffe, die junge Frau gelange ins Paradies. Der Mönch verspricht für die Ermordete zu beten und beschließt das Gespräch mit den Angehörigen mit einem herzlichen „Inschallah“.

    Man weiss natürlich nicht, ob die Täter den Koran nicht gelesen, oder nur eine falsche Übersetzung hatten oder sogar das Gelesene falsch verstanden.
    Wenn man aber den Film bis dahin (ca. 20:00) gesehen hat, ahnt man schon, was über den Islam vermittelt werden soll:
    Islam ist gut, der christliche Gott und der mohammedanische sind der Gleiche und Islamismus ist schlecht. 🙁

  20. #39 Abu Sheitan

    Ich befürchte, da haben Sie etwas falsch verstanden. Ich habe den Film so verstanden, dass die christlichen Mönche und die normale muslimische Bevölkerung sehr gut zusammenleben konnten und miteinander Handel trieben, aber dieses Zusammenleben eben von Terroristen zerstört wird, wobei beide Seiten unter den Islam-Terroristen leiden und das entspricht doch auch der Realität. Von woaus die Gefahr kommt, daran lässt doch der Film keinen Zweifel.

  21. Ich habe den Film jetzt gesehen und bin sehr beeindruckt. Mich hat er auch wie Abu Sheitan an einen meiner Lieblingsfilme, „die sieben Samurai“ von Kurosawa, erinnert. Er ist aber gleichzeitig auch ganz anders, viel ruhiger.
    Ich würde davon abraten, den Film wie die Zeit-Redakteurin in Hetas Post irgendwo für oder gegen Sarrazin zu positionieren. Das ist platt. Ein Film ist kein Aufsatz mit Definitionen und Thesen. Dieser Film ist ein Kunstwerk. Er ist sehr gut gemacht, Schauspieler, Licht, Schnitt und Ton sind hervorragend. Kunst wirkt, indem sie uns auf sehr komplexe Weise tief berührt. Und auch jeden anders und manche garnicht. Kunst steht für sich selbst und kann nicht auf eine politische Aussage reduziert werden.

  22. #41 Volbeat

    Natürlich hat der Film auch nix mit Sarrazin zu tun. Die Franzosen kennen denn wahrscheinlich gar nicht. Der Film erzählt eine eigene, wahre Geschichte. Der Regisseur hat erzählt, dass (ich meine) 90% des im Film gesprochenen Worts historisch belegt ist. Und die ganz eigene Botschaft des Films hat für mich nix mit dem Islam zu tun, sondern mit der Freiheit, die die Mönche in dem Moment gewinnen, als sie sich entschließen nicht wegzulaufen. Die Angst bleibt, aber sie macht nicht mehr unfrei.

  23. #41 plapperstorch
    #39 Abu Sheitan
    „Ich befürchte, da haben Sie etwas falsch verstanden. Ich habe den Film so verstanden, dass die christlichen Mönche und die normale muslimische Bevölkerung sehr gut zusammenleben konnten…“

    So hatte ich den Film auch verstanden.
    Die Mönche haben es als ihre Lebensaufgabe gesehen, der Bevölkerung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen (150 Patienten täglich, die kostenlos ärztlich behandelt und mit Medikamenten versorgt wurden).
    Meine Kritik bezieht sich auf die Gleichsetzung von Christentum und Islam, die beide von „Islamismus“ bedroht werden.

  24. Die „Welt“ zitiert das Testament des Priors:
    „“Ich weiß von der Verachtung“, sagt er, „mit der man dieses Volk pauschal behandelt. Ich weiß auch von den Karikaturen des Islam, zu denen ein bestimmter Islamismus verleitet. Dieses Land und der Islam stellen für mich etwas anderes dar. Sie sind der Leib und die Seele. Mein Tod wird natürlich denen scheinbar recht geben, die mich von vorneherein als naiv und idealistisch abgetan haben, aber sie sollen wissen, dass ich endlich von meiner quälendsten Neugierde befreit sein werde. Und dass ich, wenn Gott es will, tief in die Augen des Vaters blicken werde, um mit ihm gemeinsam seine Kinder des Islam so zu betrachten, wie er sie sieht.“

    Er dankt seinem Mörder, dass er ihn „A-Dieu“, zu Gott geführt hat, und freut sich, ihm im Paradies zu begegnen, „wenn Gott, der unser beider Vater ist, es will. Amen. Inch’Allah“.

    Die „Welt“ rät uns weiterhin:

    „DAS MUSS MAN AUSHALTEN,sonst hat man das Christentum gründlich missverstanden.“ 😯

  25. Habe den Film letzte Woche in der preview als OmU gesehen. Ich werden ihn mir bestimmt noch mal auf deutsch ansehen und bin auf die Übersetzung gespannt. Er ist einfach phantastisch und hat nicht umsonst das Prädikat „besonders wertvoll erhalten“. Für mich ist er ein Meisterwerk. Gerade wenn man – wie wir hier – die eigentlichen Hintergründe zu verstehen lernt, geht er unter die Haut. Für mich persönlich ist er eine Ode an die Menschlichkeit und Nächstenliebe – Begriffe, die jedem totalitären System – egal welchen Ursprungs – fremd sind.

  26. Vor ein paar Jahren hatte ich mal zufällig den einzigen Überlebenden der Mönchsgruppe in einem Kloster in Marokko getroffen (er hatte nach eigenem Bericht damals Wachdienst am Vordereingang, und die Mörder kamen und gingen durch die Hintertür). Bin gespannt ob der im Film auch vorkommt.

Comments are closed.