Video: Christian Pfeiffer widerspricht sich selbst

Christian Pfeiffer widerspricht sich selbstDie Studie des Direktors des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Prof. Christian Pfeiffer, aus der unter anderem hervorgeht, dass die Gewaltneigung mit der Hinwendung zum Islam zunimmt, scheint ihrem Verfasser mittlerweile unangenehm. Jedenfalls liegt diese Vermutung nahe, wenn man den Auftritt des Kriminologen in der ARD-Talksendung „Beckmann“ am 13. Dezember verfolgte. Dort färbte der ehemalige Justizminister Niedersachsens und SPD-Mitglied die tatsächlichen Aussagen der Studie politisch korrekt um.

(Von nockerl)

Zunächst ließ Beckmann eine aufgezeichnete Aussage Pfeiffers einspielen: Die Opfer von Ausländerfeindlichkeit auf Seiten der Migranten würden mit fünf Mal höherer Wahrscheinlichkeit „ihrerseits dann auch“ Deutsche attackieren, als die ohne Erfahrung von Diskriminierung. Beckmanns Vorwurf an seinen Talkgast, Familienministerin Kristina Schröder: Sie habe diesen in dem Einspieler dargestellten Aspekt in ihrer Pressekonferenz verschwiegen. In dieser hatte sie auch die Deutschenfeindlichkeit angesprochen. Doch die Ministerin hat diesen Aspekt schwerlich ansprechen können, da die Studie Pfeiffers etwas total anderes aussagt, als er es vor der Kamera des „Beckmann“-Teams darstellt.

In seiner Studie heißt es hierzu nämlich:

Das Erleben solcher Übergriffe und die Ausübung hängen nach unseren Ergebnissen eng miteinander zusammen: 41,4% derjenigen Jugendlichen, die schon mindestens einen Übergriff erlebt haben, berichten auch vom mindestens einmaligen Begehen eines „deutschfeindlichen“ Delikts; bei denjenigen ohne Opfererfahrung sind es nur 14.2 %.

Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein migrantischer Jugendlicher ohne Opfererfahrung deutschenfeindliche Delikte begeht, bei 14,2% liegt, müsste eine fünf Mal höhere Wahrscheinlichkeit einen Prozentsatz von 71 ergeben. Allerdings sind es laut Pfeiffers eigener Studie nur 41,4%.

Auch den kausalen Zusammenhang wie ihn Pfeiffer bei Beckmann mit der Formulierung „ihrerseits dann auch“ darstellt, indem er die Erfahrung der Ausländerfeindlichkeit vor das deutschfeindliche Delikt schiebt, kann Pfeiffer in seiner eigenen Studie – da nicht belegbar – nicht sehen. Aber im Rahmen einer Talksendung lässt sich leicht das Gegenteil behaupten. Von Beckmann und seiner Redaktion musste Pfeiffer auch nicht fürchten, auf den Widerspruch zu seiner eigenen Studie angesprochen zu werden.

Unmittelbar an das obere Zitat schließt sich in der Studie die Aussage an:

Unklar bleibt aufgrund unserer Querschnittsbefragung dabei natürlich die genaue Ursache-Wirkungs-Beziehung: Ob die Opferbereitschaft der Täterschaft vorausgelagert ist oder aber die Täterschaft der Opferschaft, lässt sich nicht beantworten.

Doch nicht nur deshalb ist Pfeiffers Aussage bei Beckmann eine Verfälschung seiner eigenen Daten. Pfeiffer begeht noch einen Fehler. Die Opfererfahrung erfragt Pfeiffer im Rahmen der Studie von den Opfern selbst. Das heißt, diese SCHÄTZEN ein, ob sie DESHALB Opfer wurden, weil sie Migranten sind. Die Einschätzung mag in manchen Fällen richtig sein, in manchen aber auch mit Sicherheit falsch.

Dem stellt Pfeiffer Zahlen gegenüber, bei der im Rahmen seiner Studie die Befragten Migranten angaben, wie oft sie Delikte begingen, WEIL ihre Opfer Deutsche waren. Das heißt, der Opferstatus geht zurück auf die Einschätzung der Motivlage eines anderen – die richtig sein kann. Dem Ergebnis dieser EINSCHÄTZUNG wird das Ergebnis des EINGESTÄNDNISSES der eigenen Motivlage gegenüber gestellt. Die Verlässlichkeit der beiden Daten ist von so unterschiedlicher Wertigkeit, dass sich schon von daher ein In-Bezug-Setzen verbietet.

Die Frage ist, warum Pfeiffer die Lage derart schönfärbt. Sollte er um weitere „Forschungs“-Aufträge fürchten, wenn er fortgesetzt politisch Unerwünschtes liefert? Hatte er sich mit den Erkenntnissen aus der oben genannten Studie schon zu weit vorgewagt?

Allerdings hat Pfeiffer schon eine Historie der Schlampereien und abstrusen Darlegungen. So behauptete er auch, der Besuch eines DDR-Kindergartens hätte für eine erhöhte Anfälligkeit für Rechtsextremismus gesorgt. Vollkommen wirr war zudem sein Gutachten im Fall Sebnitz zur Glaubhaftigkeit der Mutter eines scheinbaren Mordopfers rechtsextremer Jugendlicher, die wahrheitswidrig behauptet hatte, das Tötungsdelikt hätten 200 Einwohner von Sebnitz verfolgt ohne einzugreifen. Doch weder lag eine Tötung noch eine Duldung durch Sebnitzer Bürger vor. Es wäre daher für die Beckmann-Redaktion durchaus veranlasst gewesen, die Aussage Pfeiffers kritisch zu prüfen. Aber damit hätten Beckmann und seine Mitarbeiter den wohl wahren Zweck der Aussage Pfeiffers gefährdet.

Allerdings war das Manöver von Beckmann mit Hilfe von Pfeiffer – was Familienministerin Kristina Schröder anbelangte – nicht erfolgreich. Denn anders als augenscheinlich von Beckmann erwartet, hatte Schröder ihre Hausaufgaben gemacht und die Studie gelesen.

Und so konnte die Ministerin darauf hinweisen, dass Pfeiffer – in seiner Studie – selbst sagt, es sei nicht klar, was Ursache und was Wirkung ist. Doch ging es anscheinend nicht nur um die Ministerin. Vielmehr ging es wohl auch darum, einmal mehr das gebührenzahlende Publikum zu erziehen, bei dem hängen bleiben sollte: Deutsche sind selbst Schuld an Deutschenfeindlichkeit! Ein gefährlicher Gedanke. Schließlich könnte der in der Umkehrung auch auf Migranten angewandt werden.

Kontakt:

» Prof. Pfeiffer: c.pfeiffer@kfn.uni-hannover.de
» Beckmann-Redaktion: beckmann@ndrtv.de

(Video: theAnti2006)