Umsturz in Ägypten: „Er geht, wir nicht!“

Mubarak als IsraelteufelIn Ägypten ist das Chaos ausgebrochen. Überall entstehen Straßenschlachten. Die von der Regierung verhängte Ausgangssperre wird ignoriert. Kampfflugzeuge überfliegen Kairo. Ausländern wird dringend geraten, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Mubarak (Foto) wird unter anderem karikiert als Teufel mit Davidstern, der mit dem Westen und Israel zu sehr kooperiert hat. Der Aufstand könnte Ägypten bald dahin bringen, wo der Iran nach der Revolution gelandet ist.

20 Minuten berichtet:

Auf dem zentralen Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo hielten sich eine Stunde nach Beginn der Ausgangssperre etwa 7000 Demonstranten auf, wie Augenzeugen berichteten. An das Regime von Mubarak gerichtet skandierten sie: „Er geht, wir gehen nicht.“

Die ägyptische Armee zeigte zum Beginn der Ausgangssperre um 16 Uhr (Ortszeit/15 Uhr MEZ) Stärke. Kampfjets überflogen den Tahrir- Platz im Tiefflug, während Soldaten in zusätzlichen Fahrzeugen auf den Platz vorrückten. Die Proteste gegen Mubarak gingen am Sonntag in den sechsten Tag. Die Armee rief die Bürger auf, sich an die Ausgangssperre zu halten. …

Am Samstag war es in Kairo erneut zu Gewalt gekommen. Plünderer zogen mit Messern und Stöcken bewaffnet durch die Straßen und nahmen mit, was sie tragen konnten. Außerdem demolierten sie Autos und Fenster. In einigen Vierteln waren Gewehrschüsse zu hören. Die Zahl der Toten bei den fünftägigen Unruhen stieg nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf 74. Etwa 2000 weitere wurden verletzt. …

Der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei hatte sich am Freitag den Demonstranten in Kairo angeschlossen; später stellten ihn die ägyptischen Behörden unter Hausarrest. Zuvor hatte sich der frühere Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA als Führer einer Übergangsregierung angeboten. „Es gibt nichts unterhalb eines Rücktritts von Mubarak, was das Volk zufrieden stellen wird“, sagte ElBaradei am Samstag der Nachrichtenagentur AP.

Der 68-jährige Jurist Mohammed el-Baradei, Ex-Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation, möchte offenbar selbst die Regierungsgeschäfte in seiner Heimat gern übernehmen. Seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis wurde ihm 2005 als Leiter der IAEA übergeben und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der USA-Gegner el-Baradei mit einer Iranerin verheiratet ist und manchen bei der Untersuchung der iranischen Atomanlagen als befangen galt.

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